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It Follows (2014)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 8 / 10)
eingetragen am 16.06.2017, seitdem 146 Mal gelesen



Die Thematisierung geschlechtsreifer Teenager im Horrorkino ausnahmsweise einmal nicht als puritanisch codierter Running-Gag des Genres. Der hier über Geschlechtsverkehr übertragbare Fluch, vor dem die Protagonisten hier fliehen, zeichnet sich nicht durch einen sadistischen Killer aus, sondern durch eine gesichtslose unendlich langsam verfolgende Entität. Die Langsamkeit des Grauens kann nur als vermeintlicher Vorteil seiner Opfer gewertet werden. Müssen die Verfolgten in Konsequenz dessen in permanenter Bewegung bleiben und jedes Innehalten wird vom grimmigen Wissen begleitet, dass „Es" den Abstand verkürzt oder einen bereits eingeholt hat. Die Ungewissheit, ob sie vom wandernden Tod noch beruhigende Distanzen, oder nur eine Zimmertüre trennen, veranlasst die Figuren zu zermürbend zielloser Mobilität, die sie nirgendwo hinführt, sondern immer nur weg.

Schnell assoziiert man bei der Prämisse um einen sexuell übertragbaren tödlichen Fluch, der scheinbar ausschließlich junge Menschen heimsucht, einen Brückenschlag zu HIV oder anderen Geschlechtskrankheiten. Doch It Follows (2014) besitzt ein wesentlich fundamentaleres Leitmotiv und ist keine verspätet nachgereichte Auseinandersetzung mit Aids. Der Geschlechtsakt scheint hier vielmehr als eine gesellschaftlich ritualisierte Schwelle zu fungieren, die einen Übergang vom kindlichen Jugendalter ins Erwachsensein einleitet. Dieser Initiationsritus, über die Geschlechtsreife in den Status einer erwachsenen Identität, wird fortan begleitet vom Wissen um den unhintergehbar langsam heranrückenden Tod bzw. um die Gewissheit der eigenen Sterblichkeit. Das Horror-Genre bot bekanntlich schon lange dem gegenwärtig so populären Coming-of-Age-Motiv ein zu Hause, abseits wohlfeiler nostalgischer Sentimentalitäten, an. Zu gerne konfrontierte und informierte man die zumeist adoleszenten Protagonisten mit und über das absolut Böse, Albträume und sexuell codierte Abgründe. Das Erdulden, Überstehen und vor allem Überleben davon, wurde nicht selten als Reifeprozess in ein weniger unreifes, das heißt, desillusionierteres Stadium ausgelegt. It Follows knüpft daran an und setzt es reflektiert in einer eigenwilligen Bildersprache fort. Charakteristisch dabei ist die buchstäblich traumhafte Atmosphäre, durch die die jungen Menschen, in scheinbar völliger Abwesenheit erwachsener Personen, wandeln. Vieles wirkt nostalgisch und doch gerade zeitlich unbestimmbar, trotz oder gerade wegen einiger als eindeutig modern konnotierter Gegenstände, die ins Bild gerückt werden. All dies verstärkt und bestätigt den allegorischen und phantastischen Charakter des Filmes.

Leider wird im Finale das bisher nicht fassbar ubiquitäre Böse mittels Schlusskampf nun genau gegensätzlich typisiert, nämlich lokalisierbar und mit Körperlichkeit versehen. Dabei erliegt der Film ein klein wenig genreüblichen Budenzauber, den er eigentlich nicht nötig gehabt hätte. Doch das bleibt verzeihbar zumal ein Horrorfilm, der seine Spannung aus einem solch abstrakten Konzept schöpft, Schwierigkeiten haben dürfte, zu einem befriedigenden Ende zu kommen, ohne jedes genreinhärente Regelwerk aus ihren Verankerungen zu reißen. Denn, dies bleibt letztlich noch anzumerken, It Follows bleibt immer noch ein Horrorfilm und zwar ein besonders effektiver.


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