Ansicht eines Reviews

St. Vincent (2014)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 8 / 10)
eingetragen am 13.01.2015, seitdem 404 Mal gelesen



Bill Murray spielt Vincent, einen alten Trinker und Zocker, der seine Mitmenschen auf Distanz hält. Seine neue Nachbarin, gespielt von Melissa McCarthy, deren Sohn, gespielt von Jaeden Lieberher, den kauzigen Alten ganz gut leiden kann, bezahlt ihn neuerdings fürs Babysitten. Vincent, der das Geld ganz gut gebrauchen kann, nimmt den Schüler mit zur Rennbahn und in seine Stammkneipe, dennoch entwickelt sich zwischen den beiden ein freundschaftliches Verhältnis.

Dass Bill Murray, der in den letzten 10-15 Jahren vor allem in lakonischen Rollen zu sehen war, in denen er meist kauzige, aber durchaus liebenswerte Charaktere verkörperte, ein starker Charakterdarsteller ist, hat er unter anderem mit „Lost in Translation“ eindrucksvoll unter Beweis stellen können. Umso bedauerlicher war es, ihn in den letzten Jahren vor allem in kleineren Nebenrollen zu sehen, wenngleich „Grand Budapest Hotel“ oder „Moonrise Kingdom“ sicherlich gute Komödien waren. Daher konnte man durchaus auf „St. Vincent“ gespannt sein, in dem Murray, umgehend für den Golden Globe nominiert, mal wieder in einer Hauptrolle zu sehen ist, zumal der Film von den amerikanischen Kritikern mit allerlei Vorschusslorbeeren versehen wurde.

Und in Bezug auf die Darstellerleistungen überzeugt „St. Vincent“ durchaus auf ganzer Linie. Murray spielt den alten Säufer zunächst herrlich grimmig und schroff, sorgt damit für einige erste Lacher, schafft es dann aber zunehmend, seiner Figur emotionale Tiefe zu verleihen. Rührend sind etwa die Szenen, in denen er seine vermutlich an Alzheimer erkrankte Frau im Altenheim besucht. Er bringt diese Gefühle so authentisch auf die Leinwand, dass man dem Film auch die eine oder andere etwas kitschige Szene verzeiht. Neben dem sehr präsenten Murray stehen viele, auch prominent besetzte Nebenrollen etwas zurück, das gilt etwa für Melissa McCarthy, die als etwas überforderte, alleinerziehende Mutter auch in einer sehr herzlichen Rolle zu überzeugen weiß. Das gilt genauso für die in der Rolle einer schwangeren, russischen Prostituierten kaum wiederzuerkennende Naomi Watts und auch für die übrigen überzeugenden Nebendarsteller. Nur der kleine Jaeden Lieberher, der neben Murray die zweite Hauptrolle spielt, hinterlässt neben dem Routinier einen bleibenden Eindruck, spielt seine Rolle vollkommen überzeugend und sympathisch, womit er einen großen Beitrag zum Gelingen der rundum sympathischen Komödie leistet. Er trägt den Film, wenn Murray gerade nicht unmittelbar am Geschehen beteiligt ist.

„St. Vincent“ überzeugt aber nicht nur auf der darstellerischen Ebene, sondern auch in den meisten anderen Belangen. Der Film des bis dato praktisch überhaupt nicht in Erscheinung getretenen Regisseurs und Autors Theodore Melfie ist flott erzählt, wechselt gekonnt zwischen Tragik und Komik und erzeugt mit seinen sympathischen Figuren durchweg eine wohlige Atmosphäre. Damit ist „St. Vincent“ sehr kurzweilig und unterhaltsam, mal amüsant, mal emotional und so liebenswert, dass man ihm auch das etwas kitschige Ende nicht übel nehmen mag. Hinzu kommen einige ganz nette Subplots, beispielsweise die Unterrichtsstunden bei einem katholischen Ordensbruder, der die Schüler bittet, einen modernen Heiligen im eigenen Umfeld zu finden. Das Finale, das dann vielleicht etwas kitschig daherkommt, weil auch die letzten Ecken und Kanten der Figuren rund geschliffen werden, überzeugt dann aber auch, weil die Hintergründe des grantigen Vincent endlich geklärt werden. Und wenn man ehrlich ist, man hätte dem sympathischen Film mit seinen liebenswürdigen Figuren letztendlich auch keinen anderen Ausgang gewünscht.

Zwar hätte der Film mit dem notorischen Spieler durchaus härter ins Gericht gehen können, schließlich verzockt er sogar den Spielgewinn des Nachbarsjungen, statt die Schulden mit dem Altenheim zu begleichen, das seine Frau am liebsten in ein günstigeres Heim abschieben würde. Auch andere inhaltliche Aspekte hätten vielleicht einer etwas kritischeren Darstellung bedurft, ob es nun um die schwangere Prostituierte geht, die weiterhin an der Stripstange tanzen muss oder um die alleinerziehende Mutter, die Überstunden schieben muss, um für ein halbwegs geregeltes Einkommen zu sorgen. Andererseits besteht der Anspruch des Films nicht darin, die schwierige Situation der prekären sozialen Schichten in den USA abzuhandeln, er ist ein Feel-Good-Movie, das als solches letztendlich sehr gut funktioniert. Zudem schlägt „St. Vincent“ zumindest am Anfang auch mal etwas kritischere Töne an, bevor diese dann der Wohlfühlatmosphäre weichen.

Fazit:
„St. Vincent“ ist eine nette, wohlige Tragikomödie, die vor allem zum Ende hin nirgendwo anzuecken versucht, mit ihrer emotionalen, sympathischen Art und einigen Lachern aber durchweg beste Unterhaltung bietet. Die liebenswerten Figuren und die tollen Darsteller, allen voran der herrlich grantige Bill Murray und der junge Jaeden Lieberher, haben daran erheblichen Anteil. Für einen netten Kinoabend unbedingt empfehlenswert.

80 %


Surprise me!
"Surprise me!" BETA
Lassen Sie sich überraschen! Wir führen Sie zu einem zufälligen Treffer zu einem Thema Ihrer Wahl... Wollen Sie eine andere Kritik von "niklas90" lesen? Oder ein anderes Review zu "St. Vincent (2014)"?


Zur Übersichtsseite des Films
Liste aller lokalen Reviews von niklas90

Zurück


Copyright © 1999-2017 OFDb.de - Die Online-Filmdatenbank
Alle Rechte vorbehalten.
Nutzungsbedingungen · Werben · Impressum
Hosted by Net-Build



Quicksearch






User-Center

Benutzername: 
Paßwort:
Login nur für diese Sitzung:

·

458 Besucher online


SSL  SSL-gesicherte
Verbindung aktiv


Abonnement


Abonnement - Bitte erst anmelden
Melden Sie sich bitte an, um Abonnements vornehmen zu können



Neue Reviews


Cult of Chucky (2017)
Borg/McEnroe (2017)
Hellraiser III - Hell on Earth (1992)
Inconceivable (2017)
Tatort: Kinderlieb (1991)



News


Unser News-Bereich wurde überarbeitet und wird in Kürze weiter ausgebaut werden, damit Sie stets aktuell über alle Neuigkeiten rund um die Welt des Films informiert sind.

» Zum neuen News-Bereich