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Slow West (2015)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 6 / 10)
eingetragen am 31.07.2015, seitdem 491 Mal gelesen



Kodi Smit-McPhee spielt einen jungen schottischen Adeligen, der der Liebe wegen im späten 19. Jahrhundert durch den Wilden Westen der USA streift. Auf der Suche nach seiner großen Liebe, die mit ihrem Vater nach einem tragischen Vorfall Schottland verlassen musste, reitet er dabei durch gefährliches Terrain, findet jedoch in einem schweigsamen Gesetzlosen, gespielt von Michael Fassbender, einen Beschützer. Er ahnt nicht, dass dieser es auf das Schutzgeld abgesehen hat, das auf seine Angebetete ausgeschrieben ist.

„Slow West“ kann man eines sicherlich nicht vorwerfen: Klischeehaftigkeit. Der Western des Regieneulings John Maclean umschifft fast alle Klischees des Genres, vielmehr spielt er mit ihnen und unterläuft sie ganz bewusst. Es gibt zwar rauchende Colts, aber keine wirklich fairen Duelle zur Mittagsstunde, vielmehr hinterlistige Morde und Tötungen im Affekt zu sehen. Beim Protagonisten handelt es sich dabei nicht um einen typischen Revolverhelden, sondern um einen Träumer, der mit seiner Waffe nachts auf den Sternenhimmel zielt und die ganzen Strapazen im Wilden Westen nicht für Geld und Ruhm, sondern wegen seiner großen Liebe auf sich nimmt. Und auch sein schweigsamer Partner, der sehr lang an den jungen Clint Eastwood erinnert, wird am Ende eine unverhoffte 180°-Wendung einschlagen. Selbst die weiten Landschaften, die Prärien, die in schwelgerischen Bildern eingefangen werden, scheinen nicht wirklich aus einem Western zu stammen - Kein Wunder, der Film wurde in Neuseeland gedreht.

Dabei ist der Titel „Slow West“ gleichermaßen Programm. John MacLean legt ein sehr gemächliches Erzähltempo vor und beginnt mit einer klassischen Westerngeschichte um zwei Männer, die im Wilden Westen allerlei Gefahren trotzen, auf ihrem Weg mit zahlreichen Hindernissen konfrontiert und von einer Horde Gesetzloser verfolgt werden. Das zieht sich vor allem anfangs leider zäh wie Gummi, zumal die Dialoge über weite Strecken eher inhalts- und sinnbefreit daherkommen, weder das Geschehen voranbringen, noch der Charakterkonstruktion der beiden Hauptfiguren dienlich sind. Hilfreicher sind da immerhin die Kommentare aus dem Off. „Slow West“ nimmt so leider nur punktuell an Fahrt auf und macht letztendlich erst beim fulminanten Showdown wirklich Spaß.

Dabei wäre sehr viel mehr drin gewesen. „Slow West“ zeichnet sich nämlich über weite Strecken durch eine überzeugende, desillusionierende Dekonstruktion des Wilden Westens aus, in dem es am laufenden Band zu heimtückischen Morden kommt, weswegen seine Bewohner schon lange abgestumpft sind. Auch die Hauptfigur, eher der Kategorie Träumer und Schöngeist zuzuordnen, erschießt schließlich hinterrücks eine Frau und reitet anschließend mit seinem gleichgültigen Beschützer von dannen, obwohl er feststellen muss, dass diese zwei kleine Kinder hinterlassen hat. Darüber hinaus zeichnet sich „Slow West“ durch seinen rabenschwarzen, lakonischen Humor aus, der besonders bei der finalen Schießerei zum Tragen kommt. Maclean streut immer wieder skurrile Komik und einfallsreiche Details in seinen Film ein, der mitunter ein wenig von den Werken der Coen-Brüder inspiriert zu sein scheint. Außerdem sind die Darsteller noch lobend zu erwähnen. Der bleiche, schlaksige Kodi Smit-McPhee, der in keiner Weise über die Attribute klassischer Westernhelden verfügt, ist definitiv eine gute Besetzung. Michael Fassbender, der mit seinem Charisma und seiner Präsenz für Rollen dieser Art geboren ist und in gewohnter Weise überzeugt, gibt daneben den perfekten Konterpart ab.

Fazit:
„Slow West“ zeichnet sich in erster Linie durch seinen lakonischen, rabenschwarzen Humor aus, wie auch durch das desillusionierende Bild, das er vom Wilden Westen zeichnet. Schade, dass sich der Anti-Western immer wieder in seinen verunglückten Dialogen verstrickt und wegen der gemächlichen Erzählweise nur sehr langsam an Fahrt gewinnt. Dennoch wird der Debütfilm von John Maclean seine Fans finden.

61 %


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