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Dr. Seltsam oder: Wie ich lernte, die Bombe zu lieben (1964)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 8 / 10)
eingetragen am 07.10.2006, seitdem 654 Mal gelesen



Ein amerikanischer General zur Blütezeit des Kalten Krieges gibt den im Angriffsradius um die Sowjetunion kreisenden B-52 den Befehl, mit hypergefährlichen Atomwaffen anzugreifen. Dabei wird vorgegeben, das die "Russkis" bereits böswillige Füße auf das gelobte Heimatland der U.S.-Amerikaner gesetzt haben. Da die Amerikaner diesen irrwitzigen Plan eher etwas verschlafen wahrnehmen, droht die Situation zu eskalieren. Erst ein paar nette Worte des Präsidenten nach Moskau per Telefon biegen die Lage vordergründig zurecht. Der etwas gestörte General findet auch alsbald sein Ableben und alles scheint geklärt. Doch dann kommt wieder alles anders und die Welt droht, an der sowjetischen Weltvernichtungswaffe zu Grunde zu gehen.

Stanley Kubrick hat einen Meilenstein mit diesem Film geschaffen. Nicht nur, dass er Peter Sellers wie auch in "Lolita" die Möglichkeit gibt, seinen Humor unterschwellig zu präsentieren, sondern auch durch die Fähigkeit, einen doch insgesamt ruhigen Film lückenlos unterhaltsam zu gestalten.

Dabei merkt man Kubricks akribische Ader schon in den Aufnahmen in der B-52: Jedes Detail der Armaturen wird auf den Dialog zugeschnitten präsentiert, so dass man, auch wenn man nichts von dem versteht, was dort an Fachsimpelei gefaselt wird, den Eindruck bekommt, dass alles plausibel ist und es die Jungs echt ernst meinen.

Allgemein ist auch positiv zu bemerken, dass die dreieinhalb Handlungsebenen so virtuos miteinander verflochten sind, dass der etwas unkonventionelle Entfaltungsvorgang der Spannungskurve gänzlich unter den Tisch fällt. Aber nur den gelungenen Aufbau als Garant für spannende Filme zu nehmen, hat Kubrick noch nie gereicht.

Kubricks vielleicht größtes Markenzeichen ist seine Veranlagung, Darsteller bis ans Äußerste ihrer Fähigkeiten zu treiben. Deswegen kann man hier nicht nur einen drei Rollen spielenden Sellers in Topform bestaunen, sondern sich davon überzeugen, dass alle Darsteller ihre Zeilen in höchster Motivation sprechen.

Der Film lebt aber auch zu einem gehörigen Teil von seiner sozialkritischen Komponente, der von einem vorbildhaften Humor getragen wird. Obwohl die Erde in höchster Gefahr schwebt, verfällt die Führungsriege der Vereinigten Staaten in kleinkarierte Dialoge, zweifelhaft-seriöse Telefonate und ganz einfach Nebensächlichkeiten.

Im Vergleich zu anderen Kubrick-filmen sind die Kameraeinstellungen nicht so visionär und die Kamerafahrten nicht wirklich zahlreich genug, um geniale Momente zu erzeugen. Aber schon beim Eröffnungstelefonat fällt Kubricks Bestreben auf, die Einstellungen so passend und abwechslungsreich wie möglich zu halten.

Auch die Verquickung von Ton und Bild ist nicht so allgegenwärtig wie z.B. in "Uhrwerk Orange", genial anzuschauen (und -hören) ist aber trotzdem die Aneinanderreihung der vielen Atompilzchen.

"Dr. Seltsam oder wie ich lernte, die Bombe zu lieben" geht mit einem an sich ernsten Thema so erfrischend naiv und ignorant um, dass das Betrachten des Films eine pure Freude ist. Das Skript offenbart vielleicht einen nicht zum Bersten gefüllten Aktionsapperat, lässt sich aber für angenehm viele Details Zeit. Die tolle Leistung der Schauspieler tut ihr Übriges!


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