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Kingsman - The Secret Service (2014)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 7 / 10)
eingetragen am 23.02.2015, seitdem 2128 Mal gelesen



Seitdem Matthew Vaughn Mark Millars „Kick-Ass“ verfilmte, kooperieren der Regisseur und der Comicautor miteinander, weshalb Vaughn das Drehbuch zur neuesten Millar-Adaption parallel zur Veröffentlichung von dessen „Secret Service“-Bänden schrieb.
Obwohl sich „Kingsman: The Secret Service“ in groben Zügen an die Vorlage hält, so nimmt er doch einige Änderungen vor. Spezialagent Harry Hart (Colin Firth) ist zwar immer noch einer Top-Agenten des Secret Service, deren Mitglieder nach Personen aus der Artus-Sage benannt sind. Jedoch ist Hart, Codename Gallahad, nicht mehr der Onkel des Protagonisten, sondern wird von dessen Vater, einem Kingsman, bei einer Mission gerettet, als dieser sich für das Team opfert. Während diese neue Eröffnung die Verbindung der beiden Hauptpersonen in der geänderten Konstellation erklärt, so gibt sie Vaughn gleichzeitig Raum für visuelle Spielereien, wenn Trümmer einer Terroristenfestung aus dem Gebäude geschleudert werden und die Credits formen.
Jahre später ist Gary ‘Eggsy‘ Unwin (Taron Egerton), der Sohn des eingangs Verstorbenen, ein junger Mann, jedoch keine Nachwuchshoffnung: Rumhängen und kleinkriminelle Delikte bestimmen seinen Tag, keinen Job hat er behalten, während seine Mutter einen neuen Mann geheiratet hat, einen prügelnden Versager. Eggsy selbst wird nach einer Spritztour mit einem geklauten Auto eingebuchtet, benutzt jedoch den Orden seines verstorbenen Vaters, der ihm einmalige Hilfe garantiert, um freizukommen, wofür Hart sorgt. Dabei gibt „Kingsman“ dezente Kommentare zur sozialen Lage in Großbritannien ab (ähnlich wie die Vorlage), ohne dabei wirklich tief zu schürfen.

Hart lädt Eggsy ein mehr aus seinem Leben zu machen, nachdem jüngst ein Kingsman im Einsatz getötet wurde und Ersatz gesucht wird. Jeder Aktive soll einen Nachfolger suchen, Eggsy wird zu Harts Kandidaten und kommt auf die Akademie, wo er zwischen Eliteschulabgängern fremd wirkt, was hier für das klassische Motiv der fish-out-of-water-Comedy sorgt, wobei der streetsmarte Eggsy natürlich ein paar ungewöhnliche Lösungswege für die gestellten Aufgaben parat hat.
Während Eggsy und seine Mitbewerber im Training sind, haben die aktiven Kingsmen andere Probleme: Es häufen sich eigenwillige Entführungen, hinter denen der Milliardär Valentine (Samuel J. Jackson) steckt. Doch das ist nur der erste Schritt in einem Plan, bei dem nicht weniger als das Schicksal der Welt auf dem Spiel steht…
In einer Szene diskutieren Hart und Valentine alte Agentenfilme, vor allem James Bond, und kommen überein, dass ihnen die neuen zu ernst sind. Wo die Bondserie bereits oft selbstironisch war, da sind hier allerdings auch die pulpigeren, schrilleren Filme des Genres, etwa „Our Man Flint“ noch klarer die Vorläufer, an die sich „Kingsman“ anhängt. Insofern setzt „Kingsman“ immer noch einen drauf, ist bei den Gadgets, den irrwitzigen Situationen, den größenwahnsinnigen Schurkenplänen und anderen Details immer noch etwas greller und comichafter als die Vorbilder. Gazelle (Sofia Boutella), Valentines rechte Hand, etwa ist eine beinamputierte Killerin, deren Beinprothesen messerscharfe Waffen sind, des Kingsmans Lieblingswaffe ist ein weitestgehend kugelsicherer Schirm, der zudem noch Projektile verschießt, und der abgedrehte Plan Valentines lässt fast jeden noch so größenwahnsinnigen Bondschurken alt aussehen. Dabei stellt „Kingsman“ weniger die Topoi des parodierten Formats heraus (wie es etwa „Kick-Ass“ mit den Superhelden tat), sondern belässt es bei der amüsanten komödiantischen Überspitzung, die aber auch nicht mehr als das ist.

Doch so ironisch-charmant der Film dabei, so bekannt ist dann doch der Plot: Der unkonventionelle Rekrut hat Schwierigkeiten sich einzufinden, muss den einen oder anderen Tiefschlag einstecken und rettet am Ende doch den Tag. Die eine oder andere kleine Überraschung, was das Schicksal mancher Figur angeht, ist dabei, leicht unkonventionell auch, dass Eggsy nicht mit der freundlichen Mitbewerberin Roxy (Sophie Cookson) zusammenkommt, sondern das Schürzenjägertum Marke James Bond bevorzugt, doch das sind eher kosmetische Änderungen, die überdecken sollen, dass auch „Kingsman“ im Grunde den gleichen Regeln wie jene Filme folgt, die er da parodieren will.
Andrerseits kann Matthew Vaughns neues Werk als einfallsreiches Rambazamba punkten und ist obendrein dramaturgisch sogar etwas besser und straffer als die Vorlage: Ausbildungsplot und Valentines Schachzüge wechseln sich ab, so dass keiner der beiden Handlungsstränge zu sehr in den Hintergrund tritt und zwischendrin sind immer wieder Actionszenen als Schauwerte eingestreut. Dabei bleibt Vaughn dem kompromisslosen, splattrigen „Kick-Ass“-Stil treu, denn hier wird blutig-überzogen gestorben und getötet – der Höhepunkt dürfte ein Gemetzel in einer Kirche voller religiöser Fundamentalisten sein. In jener Szene zeigen sich Vaughns inszenatorische Stärken, wenn Hart sich in mehreren aufwändigen Plansequenzen durch den Raum kämpft (auch wenn unsichtbare Schnitte nicht auszuschließen sind), während um ihn herum die Hölle los ist. Die Action verliert nie die Übersicht, bietet mit den agil umherspringenden und -rollenden Kontrahenten knalliges Bewegungskino und ist dabei stets abgedreht, wobei es manchmal etwas bodenständiger sein dürfte: „Kick-Ass“ und auch sein Nachfolger strahlten da noch mehr das Gefühl aus, dass die Helden wirklich zu Schaden kommen könnten.

Ähnlich wie bei „Kick-Ass 2“ ist auch der Humor nicht immer ein hundertprozentiger Volltreffer: Peinlichen Körperflüssigkeitsklamauk wie in der dortigen Cafeteriaszene vermeidet „Kingsman“ zwar, der eine oder andere Flachwitz wirkt jedoch etwas bemüht, etwa das aufgesetzte Lispeln Valentines oder das schlüpfrige Gespräch zwischen Eggsy und einer zu rettenden Prinzessin. Das ist schade, denn Charme besitzt der sonst augenzwinkernde Film, gerade in der humorigen Interaktion der Hauptfiguren – etwa wenn Hart populäre Veränderungsfilme wie „Nikita“ oder „Die Glücksritter“ als Beispiele für Eggsys Werdegang nennt, der diese aber nicht kennt, dafür aber „My Fair Lady“. Etwas böser, aber immer noch dezent ist dabei ein Scherz auf Kosten des US-Präsidenten (in der Silhouette durchaus als Obama-Double angelegt), was dann auch der einzige Quasiauftritt einer Berühmtheit des realen Lebens ist, im Gegensatz zum Comic.
So taucht Mark Hamill nicht als er selbst auf (wie im Comic), sondern als Klimawandelwissenschaftler, was aber auch ein netter Cameo ist. Größer ist die Rolle des mal wieder stark spielenden Mark Strong, doch am besten kommt hier klar Colin Firth raus, dem man den Harter-Mann-Part kaum zugetraut hatte, der aber einen glänzenden Brit-Agenten gibt. Ein kleiner Schwachpunkt dagegen ist der okaye, aber etwas austauschbare und bubihafte Taron Egerton. Samuel L. Jackson hat sichtlich Spaß an seiner Rolle, muss aber aufpassen nie zu lächerlich zu wirken – eine Gefahr, in die ihn das Drehbuch immer wieder bringt. Michael Caine bietet Edelsupport, Sophie Cookson schlägt sich gut in dem Männerhaufen, während Sofia Boutella dann doch in Sachen Agilität und weniger darstellerisch gefordert ist.

„Kingsman: The Secret Service“ ist ein buntes, comichaftes Spektakel, eher komödiantische Variante klassischer Agentenstoffe als deren tiefschürfende Parodie, stark inszeniert und straff erzählt, aber auch wenig einfallsreich in Sachen Plot und manchmal etwas zu flach im Witz. Das ist zwar immer noch kurzweilige Unterhaltung mit einem starken Colin Firth, nach Matthew Vaughns Hattrick mit „Der Sternwanderer“, „Kick-Ass“ und „X-Men: First Class“ schon ein kleiner Rückschritt.


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