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Kingsman - The Secret Service (2014)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 7 / 10)
eingetragen am 17.03.2015, seitdem 492 Mal gelesen



Colin Firth spielt einen Agenten, der für den geheimsten aller Geheimdienste, die Kingsmen arbeitet. Als ein neuer Agent gesucht wird, schlägt er einen Jungen aus einfachen Verhältnissen, gespielt von Taron Egerton, vor, der zunächst nicht so recht zu dem elitären Geheimdienst passen will. Dieser ahnt zu diesem Zeitpunkt noch gar nichts von seinem Glück, er weiß genauso wenig, dass sein Vater einst ein Top-Agent war, der seinem neuen Förderer vor einigen Jahren das Leben gerettet hat. Während er das harte Auswahlverfahren der Kingsmen durchläuft, kommt viel Arbeit auf den Geheimdienst zu, da ein wahnsinniger Milliardär, gespielt von Samuel L. Jackson, plant, einen Großteil der Menschheit auszurotten.

Matthew Vaughn hat sich in den letzten Jahren als Regisseur und Autor schnell einen Namen machen können. Neben „Layer Cake“ und „X-Men: Erste Entscheidung“ hat der britische Filmemacher besonders mit „Der Sternwanderer“ und „Kick-Ass“, deren Drehbücher er zusätzlich verfasste, zwei großartige Genrefilme mit nachhaltigem Einfluss geschaffen. Bei „Der Sternwanderer“ handelte es sich in erster Linie um einen sympathischen und kurzweiligen Fantasyfilm, aber auch um eine clevere Parodie, die immer wieder klassische Genre-Elemente aufgriff, durch den Kakao zog oder ins Gegenteil verkehrte. Selbiges galt für „Kick-Ass“, bei dem die aktuelle Flut an Comic-Verfilmungen in ähnlicher Weise parodiert wurde. Mit „Kingsman“ versucht Vaughn nun offensichtlich, den Hattrick zu komplettieren und diesmal James Bond und Co einen Film zu widmen. Leider erreicht die Komödie aber das Niveau der beiden anderen Werke nicht ganz.

Das ist in erster Linie darauf zurückzuführen, dass „Kingsman“ die Sympathiepunkte eines „Der Sternwanderer“ abgehen, weil der Humor allzu oft etwas zu derbe ist, Vaughn hier aber auch zu selten die brachialen Gags a la „Kick Ass“ gelingen. Dies soll aber nicht heißen, dass „Kingsman“ nicht witzig und kurzweilig wäre. Denn Vaughn gelingen immer wieder gute Gags, wenn James Bond, Jason Bourne und Jack Bauer parodiert werden, drei prominente Vorbilder, die im Film auch namentlich genannt werden. Von allerlei technischen Agenten-Gadgets, Martini-Witzen, bis hin zu den Bond-Girls ist die gesamte Palette im Film vertreten, wobei die Parallelen zu den klassischen Agentenfilmen meist wenig hintergründig eingebracht, mitunter auch mal etwas zu offensichtlich eingestreut werden. So kommen Charme und Eleganz eines Bond-Filmes letztendlich aber nicht wirklich auf.

Viele Lacher gehen auch auf das Konto der spielfreudigen Darsteller, wobei besonders Samuel L. Jackson heraussticht. Als größenwahnsinniger Steve Jobs-Verschnitt ist Jackson hier nach längerer Zeit endlich noch einmal in einer Rolle mit Kultpotential zu sehen, die er hervorragend ausfüllt. Allein schon das permanente Lispeln, das auch in der deutschen Synchronisation kaum witziger sein könnte, sorgt für ein permanentes Schmunzeln beim Zuschauer. Daneben ist ein ebenfalls sehr witziger Colin Firth zu sehen, der britischer als die Queen im maßgeschneiderten Anzug auf Verbrecherjagd geht, während er versucht, einen Straßenjungen zum Topagenten zu schulen und zum Gentleman zu erziehen. Dieser wird von einem überzeugenden Taron Egerton verkörpert, der in seiner Hauptrolle mit einer sympathischen Art und ordentlichem Schauspiel durch den Film zu tragen vermag, die große Show aber den Nebendarstellern überlassen muss. Zu diesen zählen außerdem mit Michael Caine und Mark Strong zwei weitere Darsteller, denen man die Rollen der elitären Kingsmen voll und ganz abkauft.

Auch inszenatorisch macht Vaughn dabei Vieles richtig. Er zeigt die harte Ausbildung des angehenden Kingsmans, scheut auch härtere Einblicke nicht, nimmt seinen Film aber nicht zu ernst, sodass dieser seine lockere Note nicht verliert. Außerdem hält er das Erzähltempo konstant hoch und vermeidet durchgehend Leerlauf, sodass der Film über seine komplette Laufzeit sehr kurzweilig ist. Die zwei Stunden, die der Film dauert, vergehen so praktisch wie im Flug. Das ist auch den gelungenen und wohl dosierten Action-Szenen geschuldet, die auch aufgrund der ordentlichen Spezialeffekte zu überzeugen wissen. Besonders das rasant gefilmte Massaker in einer Kirche, das in seiner Machart sehr deutlich an „Kick-Ass“ erinnert, hat dabei auf jeden Fall Kultpotential. Am Ende überspannt Vaughn mit zahllosen explodierenden Köpfen und den allzu überzogenen Action-Sequenzen den Bogen dann aber doch deutlich, wenngleich dies bei den filmischen Vorbildern mitunter auch des Öfteren der Fall gewesen sein mag.

Auch beim Plot harkt es leider immer mal wieder ein wenig. Dass die Charaktere nicht sonderlich ausgefeilt sind, stört bei der amüsanten Agenten-Parodie nicht sonderlich, die Handlung ist aber stellenweise etwas verworren und der Plan des Bösewichts allzu überzogen. Vaughn hätte hier vielleicht etwas tiefer stapeln und seinen Protagonisten nicht gleich die gesamte Menschheit retten lassen, sondern ein zumindest ansatzweise realistisches Szenario wählen sollen. Die stellenweise cartoonesk überzogenen Wendungen schaden dem Film leider und sind am Ende das größte Ärgernis eines ansonsten gelungenen Kinoabends.

Fazit:
„Kingsman“ überzeugt mit seinem spielfreudigen Darstellerensemble, witzigen Anspielungen auf andere Agentenfilme sowie den sehenswerten Action-Sequenzen über weite Strecken und ist trotz der relativ langen Laufzeit angenehm kurzweilig. Stellenweise ist das Geschehen leider cartoonesk überzogen, wobei auch der Plot nicht ganz ausgereift ist, sodass „Kingsman“ das Niveau anderer Vaughn-Filme wie „Der Sternwanderer“ bzw. „Kick-Ass“ nicht erreicht.

74 %


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