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Turbo Kid (2015)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 6 / 10)
eingetragen am 13.02.2018, seitdem 73 Mal gelesen



Das Regie- und Drehbuchtrio Francois Simard, Anouk Whissell und Yoann-Karl Whissell hatte bereits Kurzfilmerfahrung vorzuweisen, etwa mit dem bei Genrefans durchaus beliebten „Bagman – Operation Massenmord“. FĂŒr ihr LangfilmdebĂŒt „Turbo Kid“ diente einer ihrer Shorties, „T is for Turbo“, als Grundlage.
Als Hommage an den Endzeitfilm der 1980er ist das Ganze „im Zukunftsjahr 1997“, was ja schon charmant ist. Dort ist Postapokalypse-Business as usual angesagt: Man wĂŒhlt in den Resten der untergegangenen Zivilisation nach Verwertbaren, balgt sich um kostbare Rohstoffe (hier in erster Linie Wasser; neben Nahrung, Munition oder Benzin das meistumkĂ€mpfte Gut im Genre) und versteckt sich vor der obligatorischen Mörderbande, die alle anderen versklaven und/oder umbringen will. Hier wird die Truppe angefĂŒhrt von Zeus (Michael Ironside), der den GrĂ¶ĂŸenwahn schon im Namen trĂ€gt und mit seiner Augenklappe an den Oberfiesling im maritimen Endzeitabenteuer „Waterworld“ erinnert.
Der Held dagegen wird nur als The Kid (Munro Chambers) bezeichnet. Der verehrt den Comichelden Turbo Rider, dessen Abenteuer er in Heftchen liest, wenn er nicht gerade durch seinen View-Master das entsprechende Turbo-Rider-Set anschaut. Doch mit der Endzeitroutine des Kid ist es vorbei, nachdem zwei wichtige Ereignisse passieren: Zum einen lernt er die quirlige Apple (Laurence Leboeuf) kennen, die sein Leben durcheinanderbringt, in die er sich nach und nach verguckt. Dummerweise wird Apple irgendwann von den Schergen Zeus‘ gekidnappt.

Beim Rettungsversuch spielt dann Ereignis Nr. 2 in Kids HĂ€nde: Er findet die RĂŒstung und den Blaster des echten, inzwischen verstorbenen Turbo Rider. So bewaffnet schreitet er zur Tat und wird zum HoffnungstrĂ€ger des Aufstandes gegen Zeus‘ Schreckensherrschaft

„Turbo Kid“ ist eine amĂŒsante Hommage an all jene „Mad Max 2“-Plagiate aus den 1980ern, bevorzugt in der Kiesgrube oder dem Steinbruch um die Ecke gedreht, etwa von dem philippinischen Billigfilmer Cirio H. Santiago oder italienischen Rip-Off-Produzenten. Schulterpolster und Spandex sind Trumpf, es wird reichlich BMX gefahren und im Hintergrund dudelt ein ziemlich cooler Synthiesoundtrack, der jene Ära noch einmal akustisch wiederauferstehen lĂ€sst. Das Regietrio hat seine Vorbilder gut studiert, zollt der Popkultur der 1980er und deren Gimmicks Tribut, wĂ€hrend das Comiclesertum des Kid nicht nur auf die Heftchen der 1980er verweist sondern auch auf aktuelle Kinophantasien, in denen bunt gekleidete Superhelden gerade an der Kasse mĂ€chtig Eindruck hinterlassen.
Die Splatterszenen, in denen man sich hier gegenseitig zerhackt, sind ebenso derbe wie kreativ, genau wie die Wahl der Waffen – abschießbare KreissĂ€genblĂ€tter oder Apples Waffe, der Gnomestick aus Gartenzwerg und PrĂŒgel (Apples energischer Ausspruch „This is my gnomestick“ verweist natĂŒrlich auf den Splatterklassiker „Army of Darkness“ und dessen Boomstick). „Turbo Kid“ will vor allem einfach Retrospaß sein, der trotz aller Derbheiten und aller Gewalt etwas Naives, Unschuldiges hat, eben eine Erinnerung an jene Videothekenreißer, die langjĂ€hrige Genrefans zu schĂ€tzen wissen, wobei auch Dystopien wie „Soylent Green“, Actionklassiker wie „Terminator“ und Nintendo-Games zu den Dingen zĂ€hlen, auf die „Turbo Kid“ anspielt. Die Action ist etwas grobschlĂ€chtiger inszeniert, eher auf den Funsplatter mit zerplatzenden Kontrahenten und zerteilten Schurken aus als auf sonderlich spektakulĂ€re Choreographien.

So macht „Turbo Kid“ durchaus Laune, gerade in grĂ¶ĂŸerer Runde, aber wirklich viel machen die drei Regisseure mit ihrem Material nicht, es ist halt eine etwas ironisch ĂŒberzeichnete Nachstellung der Vorbilder, aber eine ĂŒberzogene Parodie wie „Machete“ (ĂŒber dessen QualitĂ€ten man sich sicher auch streiten kann) ist „Turbo Kid“ nicht. Und schon in jenen scheinbar nicht so abgedrehten Tagen brachte der Endzeitfilm KuriositĂ€ten wie „Radioactive Dreams“, „Cherry 2000“ oder (relativ spĂ€t) „Six-String Samurai“ hervor. Vor allem aber gefĂ€llt sich „Turbo Kid“ etwas zu sehr in seinem Hommage-Programm und vernachlĂ€ssigt andere Dinge. Der Coming-of-Age-Part und die Liebesgeschichte packen nicht so wirklich, was sich vor allem in der zweiten HĂ€lfte zeigt, wenn die Freude ĂŒber die Liebe zum Detail beim Zuschauer nachlĂ€sst und sich mancher Splattereffekt und mancher Gag etwas wiederholt.
Mit Michael Ironside ist ein gelernter Haudegen des Genrekinos (siehe „Total Recall“, „Starship Troopers“, „McBain“ usw.) knorke besetzt in der Rolle des Oberschurken und Ironside gibt richtig Gags, reißt den Film stets an sich, wenn er zu sehen ist. Munro Chambers geht in Ordnung als Protagonist, wĂ€hrend Laurence Leboeuf quirlige Art manchmal etwas an den Nerven zerrt – aber der Film liefert spĂ€ter eine ErklĂ€rung dafĂŒr. Aaron Jeffery gibt hier einen Loner der Marke Clint Eastwood oder Mel Gibson; allerdings einen, der nicht ganz so souverĂ€n wie die Vorbilder ist und die eine oder andere Niederlage einstecken muss. Jeffery hat seine VorgĂ€nger gut studiert, imitiert und parodiert deren Spiel gleichzeitig.

Bedenkt man die geringen Mittel, die „Turbo Kid“ zur VerfĂŒgung standen, und schaut man sich an mit wie viel Herz- und Kunstblut der Film gemacht wurde, dann ist es fast fies, sich negativ zu Ă€ußern. Doch so gelungen das Eighties-Feeling auch ist, so witzig auch gesplattert wird und so grandios Michael Ironside als Fiesling auch aufspielt – „Turbo Kid“ bleibt stets an der (charmant gemachten) OberflĂ€che hĂ€ngen, ist ein putziger Spaß, dessen Figuren aber nicht genug Nachhall beim Zuschauer erzeugen. Ein sympathischer Retrofilm, aber auch kein fehlerfreier.


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