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Veganeros, Los (2015)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 1 / 10)
eingetragen am 17.02.2017, seitdem 72 Mal gelesen



Auch als Omnivore kann und sollte man vor allem ein flaues Gefühl bekommen, wenn man Bilder von eingepferchten Tieren in der Massentierhaltung sieht – Schweine etwa in ihren eigenen Exkrementen, die gar nicht stehen können, weil der dafür vorgesehene Platz nicht mehr hergibt. Insofern ist es notwendig, sich mit den erbärmlichen Bedingungen, unter denen solche Tiere leben, auseinanderzusetzen und auch den gewaltigen Fleischkonsum zu hinterfragen, deren Massenproduktion zudem unbestreitbar negative Auswirkungen auf unsere Umwelt hat. Man kann dies in Form einer Schock-Dokumentation wie „Earthlings“ machen oder aber man versucht es auf leichtere Art und Weise in einer Komödie. Lars Oppermann hat die zweite Variante gewählt und eine Aktionsgruppe von Veganern in den Mittelpunkt seines Films gestellt, die ihre Umwelt von der Wichtig- und Richtigkeit einer gänzlich tierfreien Ernährung überzeugen möchte. Nur leider scheitert „Los Veganeros“ krachend.

Eines der Hauptprobleme ist die Unentschlossenheit, was der Film denn nun eigentlich sein will. Wäre er komplett als überdrehte Komödie mit überzeichneten bis total durchgeknallten Charakteren, die es hier in Hülle und Fülle gibt, angelegt worden, könnte man das Treiben ja noch als grelle Groteske durchgehen lassen, aber anscheinend möchte er doch noch mehr sein, indem er darüber eine überhaupt nicht passende Sentimentalitätssoße drüber kippt, wie sie Til Schweiger schon in seinen schlimmsten RomComs verwendete, unterstützt auch hier durch entsprechend traurige Songs als penetrante Szenenuntermalung, die in der zweiten Hälfte so sehr Überhand nehmen, daß man den Ton abdrehen möchte. Doch damit nicht genug werden vereinzelt schwer verdauliche Dokumentaraufnahmen aus viel zu engen Ställen mit eingebaut, die dem angepeilten leichten Ton zuwiderlaufen. Dazu paßt dann auch die einleitende Alptraumsequenz, in der zähnebleckende zombieartige Wesen in die Kamera geifern und grunzen, als wolle man hier den nächsten Horrorschocker anteasern.

Am schlimmsten aber ist die Frontenbildung zwischen Veganern und Allesessern, die „Los Veganeros“ nur noch verstärkt. Wenn es tatsächlich erklärtes Ziel des Films gewesen sein soll, auch die Fleischfresserfraktion von der guten veganen Sache zu überzeugen, bildet man diese nicht durchgehend als nicht näher beleuchtete, dumme, ignorante und zumeist auch noch fette und schwitzende Widerlinge ab, wie Oppermann es tut. Auf der Gegenseite steht Vicky mit ihren neuen Freunden aus derselben Ernährungsecke wie sie, die liebenswert-schräg, schlagfertig und gewitzt sein sollen, während ihnen gleichzeitig alle Sympathien gehören. Einzig Matt, der Love Interest unserer weiblichen Hauptfigur, darf selbst den einen oder anderen flotten Spruch bringen, bevor er von seiner neuen Freundin aufgrund eines einmaligen Abendessens mit fleischloser Lasagne bekehrt wird. Ja, im Universum dieses Films geht das so schnell.

Damit ist aber bereits ein weiterer Punkt angesprochen: der erhobene Zeigefinger! Die Veganer in „Los Veganeros“ rattern hier so ziemlich alle wahren und alternativen Fakten zu den Vorurteilen ihrer Ernährungsweise herunter, offiziell, um den omnivoren Zuschauer aufzuklären. Inoffiziell bewirken sie damit jedoch nur ein Augenrollen, egal ob man nun ignorant oder aufgeschlossen für derartige Argumente ist. Im schlimmsten Fall wird es akut lächerlich, wenn ein veganer Lehrer seine zunächst aufmüpfigen Schüler über das ungesunde Fast-Food aufklärt, sie innerhalb von zwei Minuten nachdenklich-betroffen macht und auf seine Seite zieht. Bei der abschließenden Frage, wer denn regelmäßig zu McDonald’s geht, stehen folglich auch fast alle auf und schauen verschämt zu Boden. Später verdirbt noch der neu geborene Matt auf einer Grillparty den durchweg dumme Sprüche von sich gebenden fleischessenden Gästen eine Standpauke über die Wurst auf deren Tellern, die ja eigentlich gar nicht Knackwurst, sondern Kackwurst heißen müsse.

Vielen Veganern wird zu Unrecht vorgeworfen, sie seien missionarisch unterwegs (zumal man durchaus darüber streiten darf, ob nicht Fleischesser mitunter die wesentlich größeren Missionierer sind) – Klischees, die voreingenommene Menschen immer vor Augen haben, wenn sie jemandem begegnen, der fleischlos ißt. „Los Veganeros“ bestätigt diese in vollem Umfang und erreicht damit das Gegenteil von dem, was der Film eigentlich will. Vicky ist ein Paradebeispiel für eine Radikalveganerin aus dem Bilderbuch. Oder soll ich allen Ernstes mit einer Frau sympathisieren, die innerhalb ihrer Aktionsgruppe mit der Idee um die Ecke kommt, einen stadtbekannten Schweinebauern und Politiker zu entführen, vollständig zu entkleiden, zu betäuben und in einen Schweinestall zu sperren, um ihn später der Öffentlichkeit in diesem menschenunwürdigen Zustand zu präsentieren, damit alle auf die Zustände in der Massentierhaltung aufmerksam gemacht werden? Zwar wird sie für diese Tat durch einen kurzzeitigen Gefängnisaufenthalt bestraft, aber von Einsicht keine Spur, wenn sie sich in einem Voice-Over auf Martin Luther King beruft und sich die Frage stellt, wer zuerst den Respekt vor dem Leben des anderen verloren hat. Vielmehr ist sie am Ende des Films nicht nur frei, sondern hat mit Matt auch einen gleichgesinnten Freund gefunden, der die ganze Zeit auf ihre Entlassung gewartet hat (eine übrigens völlig unterentwickelte Love-Story).

Unabhängig von den schwachen schauspielerischen Leistungen und einigen fragwürdigen Regieeinfällen ist „Los Veganeros“ ein eigentlich völlig unerträglicher und unsympathischer Film, der mit guten Absichten gedreht worden sein mag, aber nichts dafür tut, die Leute für sich zu gewinnen, die der veganen Ernährung sowieso skeptisch gegenüberstehen. So jedenfalls bringt man zwei Gruppen mit unterschiedlichen Ansichten garantiert nicht zusammen. Ein echter Rohrkrepierer. 1/10.


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