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Freddy's New Nightmare (1994)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 7 / 10)
eingetragen am 24.08.2004, seitdem 498 Mal gelesen



Vier mal in Folge - nämlich von Teil 3 bis Teil 6 - hatte man es in der "Nightmare"-Reihe mit visuell und schematisch sehr ähnlichen Filmen zu tun. Freddy durchlebte eine Metamorphose vom düsteren Horrorgeschöpf zum kreativen Witzbold, den er in besagten vier Teilen dann verkörperte. Das verärgerte einerseits viele Fans, andererseits kamen dadurch andere Qualitäten zum Vorschein. Ausgefeilte Effekte, Masken, Locations, verdrehte Ideen en masse wurden zum Markenzeichen der Reihe.

Nach Freddy`s Tod in Teil 6 (eigentlich stirbt Freddy ja in jedem Teil, aber hier wirkt in der Tat alles etwas endgültiger) musste man sich schon etwas einfallen lassen, die Serie neu aufleben zu lassen, und zwar auf zwei Ebenen: zum Einen storymässig, weil ja Freddy eben im sechsten Nightmare starb, zum anderen atmosphärisch, weil vier ähnlich aufgebaute Sequels hintereinander geradezu nach frischen Ideen schrieen.

Beides gelang Wes Craven, dem Vater der Serie, mit "New Nightmare".
Zur Story: Erstmals im Nightmare-Universum befinden wir uns in der Realität. Die sechs Vorgänger waren in der Tat Filme, Nancy aka Heather Langenkamp ist wohlauf und lebt mit ihrem Mann und ihrem Kind in einem hübschen Haus, Robert Englund lässt sich immer noch von seinen Fans im Freddy-Kostüm feiern und Wes Craven plant bereits einen siebten Film, um die Fans glücklich zu machen. Alles ist schön und gut, bis Heather einen Anruf von einem Fan bekommt, der Freddy imitiert. Als dann ihr Sohn anfängt, sich seltsam zu benehmen ("One, two, Freddy`s coming for you") und Robert Englund von seinen Träumen erzählt, fragt sie sich, ob das Undenkbare tatsächlich wahr geworden ist...

Die Behind-the-scenes-Umsetzung birgt sowohl Vorteile als auch Nachteile. Einerseits schafft Craven damit eine selbstkritische Distanzierung zu den Vorgängern, die es ihm erlaubt, Ironie einzubauen und sich Freiheiten zu nehmen, was dem Film sichtbar gut zu Gesicht steht.
Andererseits werden die sechs Vorgänger dadurch irgendwie abgewertet, weil sie als pure Fiktion hingestellt werden. In Anbetracht der Ausgangsposition ist das meiner Meinung nach aber ein hinnehmbares Opfer, zumal das Original nochmals mit einem kleinen Seitenhieb als bester Film der Serie herausgestellt wird (Recht haben Sie, Herr Craven). Ausserdem gelingt Craven das Film-im-Film-Konzept sehr gut; es sollte ja auch nicht sein letzter Film in dieser Machart sein, denn der abschließende Teil seiner Scream-Trilogie spielt mindestens genauso gut mit den Gesetzen des Films.
Jedenfalls kommen wir so dazu, Heather Langenkamp, Robert Englund und Meister Craven sich selbst spielen zu sehen, was zweifellos ein großer Spass ist.

Spass macht auch die neue alte düstere Atmosphäre. Es ist wieder alles subtiler. In der ersten Stunde bekommt man Freddy kaum zu Gesicht, bis er dann in einer denkwürdigen Szene aus dem Kleiderschrank bricht und dabei krächzt: "Missed me?" Alles wirkt besser proportioniert, man kann den dramaturgischen Aufbau förmlich mit dem Bleistift nachziehen. Soll heißen: es gibt weniger Freddy, aber mehr Spannung.

Zu der düsteren Stimmung des Filmes trägt zweifellos auch der neue Freddy-Look bei. In Fortsetzungen heisst es ja oft: "noch böser, noch gemeiner". Es geht absolut in Ordnung, wenn man das in Bezug auf den neuen Freddy sagt, der sich vom Design her deutlich von den Vorgängern abhebt. Gesicht und Hände sind sehniger, die Mischung aus der weissen Sehnen- und Knochenmasse und der roten Muskelmasse wirkt richtig schön eklig. Die Kontaktlinsen sorgen dann noch für einen giftigen Blick. Zusammen mit dem ebenfalls neu hinzugekommenen Trenchcoat (der rotgrün-gestreifte Pulli ist natürlich geblieben) kann man sich des Eindruckes nicht erwehren, dass man einen Über-Freddy vor sich hat.

Der Surrealitätsanteil ist nicht ganz so hoch wie in den fantasyorientierten "Dream Warriors", "Dream Master" oder "Dream Child", aber mitunter wird`s auch wieder surreal. So etwa bei dem Kill im Krankenhaus (hier hat sich "House on Haunted Hill" sichtlich bedient), der Rutschpartie unter der Bettdecke oder eben beim Finale im Freddy-Reich. Bei letzterem hat man sich allerdings etwas übernommen, denn die Explosion zum Schluß schreit geradezu nach Modellbaut (das haben die Jungs aus Independence Day mit dem weissen Haus besser hingekriegt); auch der Freddy-Teufel sieht irgendwie ein bisschen nach Luftballon aus.

Noch ein Wort zu den Schauspielern. Neben Heather, die schauspielerisch im Vergleich zu Teil 1 und 3 sichtlich an Kompetenz dazugewonnen hat, steht ihr Filmsohn im Rampenlicht. Er gibt eine solide Leistung, allerdings hat man das bei Kinderkollegen auch schon besser gesehen. Gerade bei emotionalen Szenen wie dem Aufwachen aus der Trance liest man ihm eher "Ich will nach Hause" von der Stirn ab als "Ich habe Angst".
Robert Englund dabei zu sehen, wie er sich selbst spielt, ist für Fans der Nightmare-Reihe schon eine tolle Sache. Hier noch ein Kritikpunkt an das Skript: er und seine Alpträume werden meiner Meinung nach zu wenig in den Plot eingebunden, da hätte man vielleicht noch etwas herausholen können.
Tja, und Wes gibt sich auch noch die Ehre. Sichtlich kein Schauspieler, aber durchaus ambitioniert. Ich fand`s gut.

Welchen Schluß können wir ziehen? Wes Craven hatte nicht die große Wahl nach dem Ende von Teil 6 und sich daher für einen Behind-the-scenes-Film entschieden. Ich sage: richtige Wahl, weil Wes Craven das wirklich beherrscht und somit auch vermieden wird, dass sich der siebte Freddy zu ernst nimmt.
Dramaturgisch kann New Nightmare auf ganzer Linie punkten. Die Auftritte Freddys sind zwar rarer, dafür aber effektiver. Ausserdem sorgt die wiedergewonnene Düsterheit für eine dunkle Aura um den schwarzen Mann. So, wie es ursprünglich im Sinne von Wes Craven war.
Über die teils wieder schwächeren Effekte oder die FSK16-Freigabe kann man dabei großzügig hinwegsehen.

Meiner Meinung nach ein gelungener Abschluß der Ur-Reihe, die vom Gründer eröffnet und auch wieder geschlossen wurde.
7/10


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