Ansicht eines Reviews

Kung Fu Cult Master, The (1993)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 4 / 10)
eingetragen am 05.04.2007, seitdem 1318 Mal gelesen



„The Kung Fu Cult Master“ ist der vielleicht umstrittenste Film mit Jet Li in der Hauptrolle und gleichzeitig einer der buntesten und poppigsten Fantasystreifen die das Hongkong Kino Anfang der 90’er hervorgebracht hat. Zwar erreichten viele Filme dieser Ära zurecht Kultstatus, andere wiederum schwammen lediglich auf der Erfolgswelle mit. Zu Letzteren gehört leider auch dieser filmische Erguss.

Das „The Kung Fu Cult Master“ so schwer zugänglich ist, liegt auch an der Hintergrundgeschichte, die zu Beginn im stark verkürzten Zeitraffer erzählt wird. Macht man sich hier keine Notizen, kann man dem Handlungsverlauf nur noch mit Müh und Not folgen. Der Zuschauer darf sich allein einen Reim aus Figuren und Clans machen, welche Gruppierungen hier gegeneinander kämpfen und zu welchem Zweck. Viel erzählt wird jedenfalls nicht und das zu Beginn aufgebaute Handlungsgerüst, verliert im Verlauf immer mehr an Bedeutung. Das es schwer fällt die Geschehnisse einzuordnen, mag auch daran liegen das man in westlichen Kulturkreisen wenig vertraut ist mit chinesischen Mythen und Sagen. „Kung Fu Cult Master“ basiert auf der in China sehr populären Erzählung „The Heavenly Sword and Dragon Saber“ vom Novellisten Louis Cha. Da in China der Stoff sehr bekannt ist, wundert es auch nicht dass man auf eine große Einleitung verzichtet und lediglich ein paar Eckdaten ins Intro packt. All Jenen, die nicht so gut bewandert sind in chinesischer Literatur, wird das trotzdem nur ein schwacher Trost sein.

Mindestens genauso schwer zugänglich wie der Inhalt, ist auch die Art wie der Film inszeniert wurde. Auf den ersten Blick ist das Werk recht pompös und fällt positiv durch die üppige Ausstattung, die durchaus mit anderen Genrevertretern konkurrieren kann, auf. Neben den historischen Kulissen und der tollen Garderobe, wären da vor allem die unzähligen Statisten zu nennen, die sich in einigen Massenaufläufen gegenseitig die Köpfe einschlagen.
Weit weniger gelungen ist die Inszenierung der Actionszenen, was bei einem Film dieser Machart schon mal den Exitus bedeuten kann. Wirework in allen Ehren, aber was hier an Effekthascherei betrieben wird ist etwas zu viel des Guten. Dass es in Fantasyfilmen aus Asien nur selten bodenständig zur Sache geht ist bekannt, aber hier wird in meinen Augen nur pure Augenwischerei betrieben. So bombardieren sich die Kontrahenten vorrangig mit Zaubersprüchen, Blitzen und reichlich Getöse. Die Akteure werfen sich unter anderem Feuerbälle um die Ohren oder wirbeln mit magischen Schwertern um sich. Selten entspricht die Machart am Ende dem, was ursprünglich einmal beabsichtigt war und sieht oft lächerlich aus. Wer klassisches Martial Arts oder Swordsplay erwartet wird kaum zufrieden gestellt, da dieser Film eher eine Kategorie mit „Chinese Ghost Story“ und „Zu: Warriors from the Magic Mountain“ fällt. Da es an jeder Ecke kracht und knallt, verliert man im Effektgewitter ziemlich schnell den roten Faden. Zeitweise steht man völlig orientierungslos da, was zu großen Teilen an der hektischen Schnittarbeit und dem inflationären Einsatz von Fast Motion Effekten liegt. Wirklich was fürs Auge wird selten geboten, stattdessen heißt es Masse statt Klasse.

Jet Li geht im Spektakel leider allzu oft unter und findet nie zu der Form, die man von ihm gewohnt ist. Der damals gerade extrem populäre Darsteller wurde wohl auch nur aufgrund seiner Beliebtheit besetzt, denn die Geschichte ist gar nicht so sehr auf seine Figur zugeschnitten. Zwar spielt er die Hauptrolle, hat aber meist gar nicht so viel zu tun wie man meinen möchte. Zudem nervt in diesem Zusammenhang der übermäßige Einsatz von Spezialeffekten und Drahtseilen, denn von Li’s akrobatischem Können ist nicht viel zu sehen. Zwar ist auch Li in Wirework geübt, muss hier zugunsten der Tricktechnik aber zurücktreten.
Etwas mehr klassische Kämpfe hätten dem Film sicher gut getan, was sich besonders im Showdown zeigt. Hier darf Li dann doch nochmal die Fäuste sprechen lassen und ein paar Schurken vermöbeln. Das dort praktizierte Tai Chi wurde auch später nochmals im gleichnamigen Film aufgegriffen, nur leider ist die Szene zu kurz um doch noch das Ruder herumzureißen. Spätestens da zeigt sich das durchaus Potential vorhanden war, aber verschenkt wurde um sich von der Konkurrenz abzuheben.

Wie bei Wong Jing üblich darf natürlich auch der Humor nicht fehlen und wie in all seinen Filmen ist er auch hier meist deplatziert oder peinlich. Ist man schon der Pubertät entwachsen wird man wohl kaum über Jet Lis Erektionsprobleme und ersten Kontakt mit dem weiblichen Geschlecht lachen können. Überhaupt passt die Mischung aus ernsten und kindichen Passagen nicht wirklich zusammen und hinterlässt den Eindruck der Planlosigkeit darüber, welcher Weg einzuschlagen sei. Das man dennoch immer wieder schmunzeln muss, ist denn hohem Trashfaktor zu verdanken. So reiht sich ein bescheuerter Geniestreich an den Nächsten und gipfelt in so genial bescheuerten Momenten, wie dem Auftauchen des grünen Fledermausmannes. Obwohl Richard Ng zwar vortrefflich in die Rolle passt, ist hier völlig fehl am Platz. Nicht weniger infantil sind auch die restlichen Charaktere, welche vorrangig durch ihre schlechten Perücken und angeklebten Rauschebärte auffallen. Das sich in den Nebenrollen so illustre Persönlichkeiten wie Lam Ching-Ying oder Lau Kar-Leung tummeln, merkt man gar nicht. Auch Sammo Hung, der als Choreograph eher schlecht als recht in Erscheinung tritt, kann da nichts mehr retten. Sammo ist im Übrigen auch in einer Nebenrolle als greiser Kung Fu Meister zusehen, wirkt aber auch eher unmotiviert und unterfordert.

Fazit:
„The Kung Fu Cult Master“ ist ein völlig überladenes, aufgeblasenes Effektspektakel mit Hang zum Trash. Obendrein wird die Story so verwirrend erzählt, dass lediglich Insider dem Handlungsverlauf folgen können. Jet Li passt weder ins Konzept, noch wird er in ausreichendem Maße gefordert -  von diesem Standpunkt aus gesehen wohl sein schlechtester Film. Darsteller an ein paar Seilen aufzuhängen und mit etwas Hokuspokus durch die Luft schweben zu lassen, ist einfach zu wenig.

Das sich der Film als finanzieller Flop erwies, wundert bei soviel Murks daher nicht. Zum Glück bleibt uns damit die ursprünglich geplante Fortsetzung erspart.


Surprise me!
"Surprise me!" BETA
Lassen Sie sich überraschen! Wir führen Sie zu einem zufälligen Treffer zu einem Thema Ihrer Wahl... Wollen Sie eine andere Kritik von "movieguide" lesen? Oder ein anderes Review zu "Kung Fu Cult Master, The (1993)"?


Zur Übersichtsseite des Films
Liste aller lokalen Reviews von movieguide

Zurück


Copyright © 1999-2017 OFDb.de - Die Online-Filmdatenbank
Alle Rechte vorbehalten.
Nutzungsbedingungen · Werben · Impressum
Hosted by Net-Build



Quicksearch






User-Center

Benutzername: 
Paßwort:
Login nur für diese Sitzung:

·

814 Besucher online


SSL  SSL-gesicherte
Verbindung aktiv


Abonnement


Abonnement - Bitte erst anmelden
Melden Sie sich bitte an, um Abonnements vornehmen zu können



Neue Reviews


Justice League (2017)
Armageddon - Das jüngste Gericht (1998)
Wrong Turn (2003)
Amityville Horror - Eine wahre Geschichte (2005)
Autopsy of Jane Doe, The (2016)



News


Unser News-Bereich wurde überarbeitet und wird in Kürze weiter ausgebaut werden, damit Sie stets aktuell über alle Neuigkeiten rund um die Welt des Films informiert sind.

» Zum neuen News-Bereich