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Neon Demon, The (2016)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 7 / 10)
eingetragen am 24.06.2016, seitdem 844 Mal gelesen



Spiegelkabinett der Eitelkeiten

Nicolas Winding Refn - perverser Nachfolger Kubricks, Styler, Sturkopf, Visionär, Türzuschlager, Querdenker. Definitiv eher Künstler als Geschichtenerzähler. Sein neuester Streich "The Neon Demon", irgendwo zwischen Altman's "3 Women", "Black Swan" & "Suspiria", spielt, wie könnte es auch anders sein, in L.A. & erzählt den kurzen Aufstieg & höllischen Fall eines außergewöhnlichen Nachwuchsmodels. Traumgleiche Atmosphäre, (typisch für Refn) ausbrechende Schocks & Gewalt, geforderte & abliefernde Darsteller - die Kritik am Modezirkus & der Gesellschaft im Schönheitswahn trifft teilweise ins Mark. Wer wie ich ein Fan des Regisseurs ist, kommt auch hier auf seine Kosten. Wer mit "Only God Forgives" oder gar "Drive" jedoch schon nichts anfangen konnte, muss einen riesigen Bogen um Elle Fannings Mode-Alptraum machen, denn der neonfarbene Dämon sortiert sich erzählerisch & von seinem Zugang her, irgendwo zwischen diesen zwei Werken ein & ist wieder unverkennbar Refn. Diesen Film & diese Schönheit, diesen wegweisenden Style kann momentan wohl keiner auch nur ansatzweise nachmachen. Inarritu vielleicht. Ob der die bei Refn anscheinend maßlos beliebten Spiegel, als Seelenteiler, auch so exzessiv & übertrieben oft benutzt hätte, oder mehr Abwechslung geboten hätte, lasse ich mal dahingestellt. 

"Drive" ist für mich ein Meisterwerk & schon jetzt einer der Filme des Jahrzehnts, "Only God Forgives" war im Kino schwer greifbar & fast etwas einschläfernd, gewann dann mit jeder Sichtung jedoch an Größe, Faszination & Schönheit. Ähnlich wie Letzterem, könnte es bei mir auch "The Neon Demon" ergehen & er ist ein Must-Have für meine Sammlung. Ein Film zum eintauchen & langsam verstehen & lernen. Falls es was zu lernen gibt - aber dazu später mehr. Der Soundtrack ist wuchtig & einer der besten Elektro-OSTs überhaupt, die Optik & so manch eine Bildkomposition über jeden Zweifel (& anderen Regisseur) erhaben. Egal ob blaues Diskolicht, weißer Shooting-Hintergrund oder roter Lebenssaft - alles wirkt hier knalliger, eindringlicher & fühlbarer als sonst. Wenn ich heute Nacht nicht von so manch einer hypnotischen Szene träume & versuche diese zu verarbeiten, würde mich das sehr wundern. Insgesamt gar nicht mal so brutal, trotzdem verstörend & gegen Ende gar ekelerregend. Zart besaitete Zuschauer verlassen spätestens hier den Saal. Polarisieren, langweilen & abstoßen, kann das äußerlich kantige Werk aber schon weit vorher, eigentlich die ganze Zeit über. Das freut NWR bestimmt sehr, da er alles will, nur nicht der Masse gefallen.

Optisch tobt Refn sich also man wieder so richtig aus. Dazu bringt die sonst immer so kindliche Elle Fanning eine karriereändernde Performance, die man so schnell nicht vergisst. Ein gefährlicher Mix aus Unschuld & Verdorbenheit, Engel & Teufel, naiv & allwissend zugleich. Trotzdem muss man selbst als Anhänger des Regisseurs betonen, wie sehr sich diese Schönheit von Film ziehen kann, wie leer & substanzlos sie verglühen kann - ähnlich wie seine Protagonistin. Das passt wiederum zur hohlen Modebranche, ändert jedoch nichts daran, dass einige Dialoge nicht nur (beabsichtigt) dumm daher kommen, sondern plakativ, schon zu oft gehört & auf der Stelle tretend erscheinen. Im Endeffekt wird mal wieder eine Story von 15 Minuten auf 2 Stunden gedehnt, was eindeutig zu lang ist. Style over Substance erkennt hier jeder, gewollt vom Meisterregisseur mag sein - trotzdem zäh & selbst durch ein paar Schocker nicht wirklich besser. Szenen & Momente bleiben hängen, der Film als Ganzes könnte schnell vergessen sein. Kein schlechter Film, aber vielleicht nicht ganz den hohen Ansprüchen gerecht werdend. Kultfaktor ist jedoch wieder mal da & ergötzen kann man sich allein an den Bildern, Mädchen & Tönen. Ein expressiver Kommentar von einem, der es genießt die Massen zu spalten, zu einem Thema, zu dem eigentlich schon längst alles gesagt ist. 

Fazit: Bilder die man so schnell nicht vergisst, eine Stimmung wie der schlimmste Alptraum eines angehenden Models. Ein weiterer audiovisueller Refn-Meilenstein, der jedoch erzählerisch & auch inhaltlich ärgerlich hinterherhinkt. Kein Vergleich zu "Drive" & sogar "Only God Forgives" hat mehr Substanz & erst recht Mysterium. Atmosphäre ist halt nicht alles.


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