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Neon Demon, The (2016)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 7 / 10)
eingetragen am 14.07.2016, seitdem 723 Mal gelesen



Die elternlose 16-jährige Jesse (Elle Fanning) reist nach L.A. um dort als Model Karriere zu machen. Bei ihrem ersten, halbprofessionellen Fotoshooting trifft sie die Visagistin Ruby (Jena Malone), die sie an Agenturchefin Jan (Christina Hendricks) vermittelt, welche sogleich Jesses großes Potential erkennt. In ihrem Motel hat Jesse abends Stress mit Manager Hank (Keanu Reeves)…

Nicolas Winding Refn (geb. 1970 in Kopenhagen) hat 1996 mit „Pusher“ den skandinavischen Thriller neu erfunden und feiert nach Filmen, wie „Bleeder“ (1999), den „Pusher“-Fortsetzungen (2004/05) oder „Walhalla Rising“ (2009) mit „Drive“ (2011) endlich einen großen internationalen Erfolg, der in Cannes mit dem Regiepreis ausgezeichnet wird. Am gleichen Ort sollen seine vor allem optisch beeindruckenden Werke „Only God forgives“ (2013) und „The Neon Demon“ (2016) von der versammelten Kritikerschaft mit Buh-Rufen bedacht worden sein, was man bei Lektüre der Zeitungsrezessionen nicht unbedingt nachvollziehen kann. Tatsächlich spaltet Winding Refn in den genannten Dramen sein Publikum, stellt er doch die visuelle Gestaltung jeder einzelnen Szene über den inhaltlichen Fortschritt seiner Handlung. So beginnt „The Neon Demon“ mit dem Motiv einer als ermordet geschminkten Jesse, ausgestreckt auf einer antiken Couch mit Sternchen im Gesicht. Es folge zahlreiche, oft statische, aber immer grandiose Bildkompositionen, die ihre volle Wirkung nur auf der großen Kinoleinwand entfalten können. Der farbenblinde Regisseur, der keine mittleren Farbtöne erkennen kann, wählt harte Kontraste und oft, wie schon in „Only God Forgives“ einen dominanten Farbton, in den die ganze Szene getaucht ist. Dieses Verfahren erinnert stark an die Werke eines Dario Argento, wie „Suspiria“ (1977) oder „The Stendhal Syndrome“ (1996). Nicht die einzigen Zitate in einem Film, der viel zum Interpretieren bietet, wenn man sich denn darauf einlassen möchte. Erzählt wird dabei eigentlich nur die Geschichte vom kurzen Ruhm einer Landschönheit, ihrer profitorientierten „Bewunderer“ und der Neider in der weiblichen Konkurrenz. Erst in den letzten 20 (von 117) min. nimmt die Handlung dramatisch an Fahrt auf und die Geschichte eine so nicht erwartete Wendung und wird zur, selbstverständlich großartig in Szene gesetzten Horrorstory. Ein weiteres Spoilern verbietet sich von selbst.
„The Neon Demon“ ist ein Film für den Freund anspruchsvoller Bildkompositionen und natürlich für die Fans von Nicolas Winding Refn. Bewunderer Dario Argentos sollten einen Blick werfen, die Freunde actionreicher Thriller allerdings lieber die Finger von dem Film lassen. Elle Fanning („Der seltsame Fall des Benjamin Button“ 2008, „Super 8“ 2011, „Young Ones“ 2014, „Trumbo“ 2015) erweist sich aber in jedem Fall als Glücksgriff. (7,5/10)


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