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Duell, Das (2016)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 6 / 10)
eingetragen am 11.12.2016, seitdem 570 Mal gelesen



„Natural Born Preacher"

Der Western fristet inzwischen zwar ein Nischendasein, dafür aber ein quicklebendiges. Ausflüge auf die große Leinwand - wie unlängst das starbesetzte Klassiker Remake „Die glorreichen Sieben" - sind rar gesät, dafür blühen die unscheinbareren DTV-Pflänzchen in Zahl und Diversität (u.a. `Forsaken´, `Jane got a Gun´, `Bone Tomahawk´). „Das Duell" ist ein solch zartes Gewächs am Wegesrand, das man leicht übersehen könnte, was vor allem für Genre-Sympathisanten schade wäre.

Vordergründig geht es um das geradezu fundamentale Western-Motiv der Rache. David Kingston (Liam Hemsworth) musste als kleiner Junge mit ansehen, wie sein Vater in einem Helena-Duell von dem selbst ernannten Prediger Abraham (Woody Harrelson) getötet wurde. 22 Jahre später (1888) wird Texas Ranger Kingston auf eine Mordserie im Grenzgebiet zwischen Mexiko und Texas angesetzt. Die Spur führt in eine von der Außenwelt weitestgehend abgeschottete Gemeinde, die von einem spirituellen Führer beherrscht wird: Abraham.

Natürlich arbeitet „Das Duell" von Beginn an auf die finale Konfrontation zwischen David und Abraham hin. Allerdings setzt er andere Akzente, als man gemeinhin bei solch einer Plot-Konstellation erwarten würde. Regie und Buch konzentrieren sich weniger auf die gewalttätigen und actionlastigen Aspekte der Handlung, sondern verlagern den erbitterten Zweikampf zuvorderst auf die psychologische Ebene. Jeder der beiden weiß, wer der andere ist und lauert auf seine Chance einer kleinen Unachtsamkeit, oder vorübergehenden Schwäche des Gegners. Vordergründig begegnet man sich höflich und freundlich, nur um dann im passenden Augenblick das Messer zu zücken.

So macht Abraham den Neuankömmling kurzerhand zum neuen Sheriff, was diesem einerseits seine Ermittler-Arbeit enorm erleichtert, andererseits aber auch der Kontrolle und Aufsicht des Stadtoberhaupts unterwirft. Parallel dazu treibt er geschickt einen Keil zwischen David und seine mexikanischen Frau Marisol (Alice Braga). Als sie krank wird und zunehmend unter Davids Abwesenheit leidet, schlägt Abraham zu und nutzt ihre emotionale und körperliche Notlage geschickt aus.

Es sind diese wie Schachzüge angelegten Vorgehensweisen beider Männer, die einen Großteil der permanent unterschwelligen Spannung erzeugen. In Kombination mit einer Reihe mysteriöser Zutaten -  so gibt es trotz der Grenznähe keine Mexikaner in der Stadt, aber immer wieder ausländische Besucher und Abrahams Predigten ähneln mehr fanatischen Ritualen, denn normalen Gottesdiensten - entsteht so eine eigenwillige Thriller-Atmosphäre, die sich unter anderem auch Anleihen beim Horror-Kino nimmt.

Dass das Böse von der Stadt Besitz ergriffen hat, wird schnell klar, nicht aber das Ausmaß und die spezielle Ausformung. Texas Ranger Kingston fungiert dabei als Katalysator, der das Publikum sukzessive in das Geheimnis der sektenähnlichen Siedlung und ihres Guru-artigen Anführers mit hinein zieht und versucht die Wahrheit aufzudecken. Wenn sich dann erst relativ spät die Gewalt Bahn bricht, dann ist das kein Stilbruch, oder gar eine notdürftiges Zugeständnis an enttäuschte Genre-Erwartungen, sondern eine in sich schlüssige und stringent aufgebaute Katharsis.

Woody Harrelson ist Fixpunkt und Motor der Geschehnisse und zeigt wieder einmal, wie problemlos und vor allem schlagartig er zwischen Diabolik und Liebenswürdigkeit hin und her schalten kann. Sein Heilsprediger ist anziehend und abstoßend zugleich. Ein gerade in der heutigen Zeit  so interessanter wie beängstigender Charakter.
„Das Duell" ist damit ein erneuter Beleg nicht nur für die Lebendigkeit des Westerngenres, sondern für seinen Facettenreichtum und seine Relevanz für gegenwartsbezogene Kommentare.


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