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Star Trek: Beyond (2016)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 7 / 10)
eingetragen am 21.07.2016, seitdem 802 Mal gelesen



Rosa pulsierende Felsen, die in einer frühen Episode von „Raumschiff Enterprise“ zugleich Gefahr und Faszination ausstrahlten, als Shatner und Nimoy voller Vorsicht an ihnen vorbeischlichen, sind möglicherweise meine innigste Erinnerung an Gene Rodenberrys Schöpfung „Star Trek“. Überhaupt symbolisieren Felsen und Steingebilde in all ihren unmöglichen Farben und Formen seit jeher den Progressionsgedanken hinter der Serie und markieren Stelle X für jedwede Grenzüberschreitung; schließlich könnte sich hinter ihnen jedes vorstellbare Universum eröffnen, ist man nur bereit, die Kluften und Formationen über das Sichtbare hinaus zu erkunden. Zumal sie die Westernmythologie hinter der Science Fiction aufdecken. Was könnte schließlich amerikanischer sein als vor einer Canyon-Kulisse unentdeckte Weiten zu erkunden?

Obwohl nun auch Justin Lin viel in den heutzutage überstrapazierten Spektakeldimensionen denkt, er ständig Funken im Bild aufleuchten lässt und auch die Comic Reliefs aus J.J. Abrams Neuinterpretation durch Simon Pegg und Anton Yelchin weiterleben dürfen, liefert er eben auch diese Momente des Kleinen und Charmanten, beginnend bereits mit der Eröffnungsszene, die äußerst putzig mit Größenverhältnissen spielt. In einer späteren Szene dann kommen Spock und McCoy nach einer irrwitzigen Bruchlandung in einem Fluss zum stehen, dessen kulissenhafter Theater-Realismus in der Umarmung teurer Spezialeffekte fast wieder denselben Stauneffekt ausübt, der bereits vor 50 Jahren geherrscht haben muss, als es schlichtweg nichts Besseres gab als Matte Paintings und drapierten Pappfels. Heute hebt er sich vom anderen Ende der Skala aus betrachtet wieder angenehm ab, auch wenn die Enterprise zuvor und danach in allen Details als ein Produkt der Computeranimationstechnik ausgiebig seziert wird, mit massiven Explosionen und einer schicken Zeitraffer-Rekonstruktion.

Nach dem schwermütig-dunklen „Into Darkness“, das drehbuchseitig ebenso ambitioniert wie ziellos im Nichts umherirrte, fühlt sich „Beyond“ regelrecht ungezwungen, ja schwerelos an. Die Crew frotzelt bei aller Zerstörung herum und produziert dabei einige beachtliche Gags; der Regisseur hat aber kein Problem damit, derartige Szenen nahtlos in rührselige Momente übergehen zu lassen, in denen an die alte Crew erinnert wird. Der lebendige Soundtrack pointiert das scheinbar mühelose Hüpfen zwischen den Extremen und findet immer die richtige Stimmung, was auch für ein paar Ausrutscher in die Retro-Mucke der 90er Jahre gilt, die sogar direkt in den Plot eingebunden wird.

Dieser wiederum ist keineswegs eine Großtat, muss allerdings auch keine sein. Viele Momente nehmen den Blockbuster-Gestus der letzten Jahre an und versuchen gar nicht erst, sich als Unikate zu verkaufen; wie könnte man beispielsweise nicht an die Mutantenschule der X-Men denken, wenn junge Kadetten mit Hose in der Hand aus den Zimmern der meist bunt gefärbten Angebeteten fliegen. Auch verwischen längst die Grenzen zum frisch wiederbelebten Konkurrenzprodukt „Star Wars“ bei Figurenanlage und Gadgets; selbst wenn Sofia Boutella die typische Zeichnung einer Star-Trek-Figur im Gesicht trägt, so könnte sie doch von ihrer Anlage und Bewegung her fast ebenso sehr eine Jedi sein.

Das muss man natürlich mögen, ebenso wie die wenig innovative Art, die Action als wackelndes Mittendrin-Erlebnis mit 360-Grad-Drehungen zu inszenieren. Der Lens-Flare-Anteil hat nur deswegen abgenommen, weil „Beyond“ im Gegensatz zu „Into Darkness“ überwiegend bei klarem Himmel spielt uns sich selten Lichtquellen von dunklem Grund absetzen können. Das Fehlen der Symptome verschleiert eine alte Krankheit nur, lässt sie jedoch nicht verschwinden: allzu selten gelingen der Kamera geschickte Perspektivspiele wie das Erheben Scottys aus seiner Raumkapsel. Meist bevorzugt der Regisseur die zwielichtige Dynamik des Unübersichtlichen, und das nicht immer zum Vorteil. Denn Spannung entwickelt sich fast gar nicht, es sind vielmehr Groove und Tempo, die ein Abflauen der Aufmerksamkeit verhindern – dies aber durchaus konsequent.

Dass ein Gegner von Format nach dem starken Benedict Cumberbatch diesmal wieder fehlt beziehungsweise erst sehr spät in die Handlung eingreift, ist hingegen ein verschmerzbares Defizit. Sich überschlagende Ereignisse entstehen ungeachtet der Unsichtbarkeit des Auslösers auf scheinbar autonome Weise. Wer braucht da das Zutun eines weiteren großformatigen Weltenvernichters, von denen uns Marvel jährlich im gefühlten Zweiwochenrhythmus welche serviert...

So scheint sich die neue Filmreihe der alten gegenüber dadurch hervortun zu wollen, dass diesmal eher die ungeraden Zahlen zu den genießbaren gehören, nicht mehr die geraden. Dass nun ausgerechnet der Regisseur der letzten „Fast & The Furious“-Filme das vom Star-Trek-Neuerfinder selbst inszenierte letzte Abenteuer mit den einfachsten Mitteln übertreffen könnte, ist allerdings gar nicht einmal die große Überraschung, nach der es sich anhört.


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