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Lost Girl - Fürchte die Erlösung (2014)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 8 / 10)
eingetragen am 17.02.2017, seitdem 333 Mal gelesen



Travis, ein junger Psychiater, hatte in seiner Arbeit einem schweren Rückschlag. Eine seiner Patientinnen hat sich das Leben genommen. Am Rand des Nervenzusammenbruchs und auf der verzweifelten Suche nach Antworten lernt er die wunderschöne junge Grace kennen, ein geheimnisvolles Mädchen, die für eine undurchsichtige Selbsthilfegruppe wirbt. Sie bringt Travis zu dem charismatischen Jay und seiner streng spirituellen Glaubensgemeinschaft. Jay bietet Gestrandeten und Verzweifelten Zuflucht und Heilung auf seiner Farm und hier glaubt Travis ein neues Leben beginnen zu können. Doch Jays Methoden sind undurchsichtig und Travis wird immer tiefer in die Machenschaften dieser Gruppe hereingezogen. Als Travis und Grace sich annähern, geraten die Dinge außer Kontrolle. Travis muss eine Entscheidung für sein Leben treffen. Er riskiert alles, um die Schatten der Vergangenheit endlich zu besiegen, und um Grace und sich zu retten.


Australien ist wirklich ein gutes Pflaster für gute Filme, wie der vorliegende Beitrag einmal mehr eindrucksvoll unter Beweis stellt. Dieses Mal handelt es sich um einen Film der schwerlich einem bestimmten Genre zuzuordnen ist, denn Nick Matthews geht bei seinem Erstlingswerk den mutigen Weg, verschiedene Elemente diverser Genres miteinander zu verbinden. "Lost Girl - Fürchte die Erlösung" könnte den Zuschauer dabei aufgrund des Filmtitels ein klein wenig in die Irre führen, denn im Mittelpunkt der Geschichte steht eindeutig eine männliche Hauptfigur, der erst mit zunehmender Laufzeit ein weiblicher Gegenpart zur Seite gestellt wird. Thematisch gesehen dreht es sich einmal mehr um die schon des Öfteren verfilmte Sekten-Thematik, wobei dieser Aspekt allerdings nicht von Beginn an zu erkennen ist. Dafür legt Matthews jedoch äußerst gekonnt den Grundstein für das später immer stärker in den Vordergrund rückende Thema, denn durch eine recht ausführliche Figurenzeichnung des Hauptdarstellers werden die Gründe dafür aufgezeichnet, weshalb so viele Menschen in die Fänge einer obskuren Sekte oder Glaubensgemeinschaft geraten können. Zu Beginn präsentiert sich das Werk dann auch als waschechtes Drama, für das man allerdings ein wenig Geduld aufbringen muss, da die Erzählweise sich doch ziemlich ruhig gestaltet. Durch etliche Rückblenden lernt man den jungen Psychiater Travis gut kennen und bekommt einen guten Überblick über die Hintergründe, warum der junge Mann unter einem schier unerträglichen Schmerz leidet. Insbesondere diese Passagen sind meiner Meinung nach enorm wichtig für den weiteren Verlauf der Geschehnisse, offenbart sich doch hier die Anfälligkeit eines Menschen gegenüber einem charismatischen Sektenführers.

Vom seelischen Schmerz gepeinigt wird nämlich anscheinend die Fähigkeit des logischen Denkens außer Kraft gesetzt und damit ist dann auch schon der Weg für einen obskuren Prediger geebnet, der die Verletzbarkeit der menschlichen Psycho gnadenlos für seine Zwecke ausnutzt. Diese Dinge kommen aber erst im zweiten Drittel der Geschichte immer mehr zum tragen, denn erst nach einem misslungenen Selbstmordversuch ergeben sich die Umstände, das Travis auf die sogenannte "Farm" gebracht wird, auf der die Glaubensgemeinschaft ihr neues Heim gefunden hat. Nun tritt auch die junge Grace immer stärker auf der Szene auf und nimmt mit zunehmender Laufzeit eine stärker werdende Gewichtung in der Story ein. Mit Mark Leonard Winter und Tilda Cobham-Hervey sind die beiden Hauptfiguren nahezu erstklassig besetzt, wobei Winter in der Anfangsphase ein wenig zu weinerlich daher kommt, aber im Laufe der Zeit eine wirklich gute Leistung abliefert. Aber auch Steve Le Marquand in der Rolle des Sektenoberhauptes weiß durchgehend zu überzeugen, so das man im Bezug auf das dargebrachte Schauspiel wenig Grund zur Kritik sieht.

Spätestens in der zweiten Hälfte des Filmes sind dann immer mehr Thrillerelemente zu erkennen, die stellenweise das Drama sogar phasenweise in den Hintergrund drängen. Es ergibt sich ein äußerst sehenswerter und spannender Genre-Mix, der sich der Aufmerksamkeit des Zuschauers durchgehend sicher sein kann. Wie nicht anders zu erwarten mischt sich bei einer solchen Thematik auch ein gehöriger Schuss Tragik bei, der vor allem den Showdown der Ereignisse bestimmen soll. Matthews spielt dabei zwar mit den üblichen Klischees, die aber absolut passend sind und zudem auch die Intensität seiner Erzählung noch einmal zusätzlich verstärken. Diese wird von einer sehr dichten und bedrohlichen Grundstimmung begleitet, die das Ganze äußerst harmonisch und stimmig abrundet. Übertriebenen Aktionismus sollte man jedoch nicht erwarten, denn "Lost Girl - fürchte die Erlösung" ist nicht dafür ausgelegt den Action-Liebhaber zu befriedigen, es handelt sich vielmehr um einen Beitrag der stilleren Töne.

Insgesamt gesehen siedelt sich diese australische Produktion im oberen Drittel seiner Genre-Kollegen an, die sich auch mit der Thematik von Sekten beschäftigen. Ein gut agierendes Darsteller-Ensemble und eine höchst intensive Geschichte sorgen hier für ein erstklassiges Filmerlebnis, das auch ganz sicher einen nachhaltigen Eindruck beim Betrachter hinterlassen dürfte. Und so kann man dem guten Nick Matthews auch durchaus ein sehr gutes Gesamtzeugnis für sein Regie Debüt ausstellen, das man sich keinesfalls entgehen lassen sollte.


Fazit:


Man muss für diesen Film ein wenig Geduld aufbringen und zudem auch ein Faible für Geschichten haben, die sich erst mit zunehmender Laufzeit so richtig entwickeln. Wenn man das kann wird man letztendlich mit einem tollen Gesamtwerk belohnt, dessen Sichtung man ganz bestimmt nicht bereuen wird.


8/10


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