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Rogue One: A Star Wars Story (2016)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 6 / 10)
eingetragen am 30.12.2016, seitdem 309 Mal gelesen



Groß der Überdruss bereits ist. Übersättigt von Serien, Kapiteln und Chroniken die Menschen im Kino sind. Und schuld daran ist (momentan) nicht einmal unbedingt der Tatendrang Disneys, mit der neu erworbenen Marke nach langen Jahren Lucas'scher Sparsamkeit Geld zu verdienen, sondern vielmehr die aktuelle Kinolandschaft. Davon mal abgesehen, dass selbst TV-Serien vor dem heimischen Fernseher immer mehr Aufmerksamkeit für sich beanspruchen, geht auch das Kino immer lieber in Serie – sei es auf Grundlage von Buchreihen oder mit Blick auf das ultimative Marvel-Spinnennetz, dessen unzählige Querbezüge es kaum mehr erlauben, mal einen Film auszulassen. DC attackiert seinerseits Marvel mit eigenen Versuchen. Es ist ein Krieg um die kostbare Zeit des zahlenden Zuschauers, der zunehmend mit Abonnements zugeschmissen wird. Und jetzt mischt sich auch noch "Star Wars" ein, das liebste Kind vieler älterer Cineasten, die sich nach "Episode VII" einem inneren Zwiespalt ausgesetzt sehen. Ihre geliebte Space Opera ist wieder da und sieht dank Retro-Look so klassisch aus wie früher – doch muss man jetzt befürchten, dass Disney die bis dahin schwer darbenden Fans in Marvel-Manier ersäuft?

Mit einem Prequel, das nur ein Jahr nach dem Comeback an den Start geht und ein weiteres Jahr später von Episode VIII abgelöst werden wird, muss man fast davon ausgehen. Und in der Tat würgt Gareth Edwards exakt den Stil hervor, den sein visueller Vorgestalter J.J.Abrams im letzten Jahr vorgab. Felicity Jones und Diego Luna sind auch genau die unangepassten, leicht nebenspurigen Heldentypen, die George Lucas mit Harrison Ford, Mark Hamill und Carrie Fisher formte und an denen sich das Casting von "Episode VII" mit Daisy Ridley, John Boyega und Oscar Isaacs ebenfalls orientierte. Der Look ist speziell in der ersten Hälfte geprägt vom staubigen Militarismus; Fragmente der Ur-Serie tauchen sowohl in Form kurzer Cameos als Fan-Bedienung auf wie überhaupt im gesamten Artdesign. Dass es sich Edwards erlaubt, in Anlehnung an den Spin-Off-Charakter seines Films mit der traditionellen Eröffnung zu brechen, ist auch schon fast der einzige Regelverstoß, den man sich gönnt.

Es herrscht also kurz gesagt gepflegte Langeweile vor. Der Abnutzungsfaktor erscheint schon nach zwei Post-Lucas-Kapiteln immens, die Eigenarten des Universums lösen sich im Dunst der Wüstenplaneten auf und liefern gerade beim Gang über außerirdische Basare ein Gefühl der Gewöhnung. Äußerst streitbar (streitbarer noch als das von Andy Serkis gespielte CGI-Wesen aus dem Vorgänger) und vor allem moralisch fragwürdig, dass dabei auch noch Millionenbeträge investiert wurden, um einen verstorbenen Darsteller per Computeranimation wieder ins Leben zu reißen. Gut immerhin, dass gerade in diesen Momenten zwei neue Figuren eingeführt werden, gespielt von wahren Charakterköpfen: Mads Mikkelsens Galen Erso und Donnie Yens Chirrut Îmwe, die beide auf ihre Weise viel Farbe in die Handlung bringen und denen man innerhalb der recht abgeschlossenen Erzählung nachtrauern muss, dass sie uns in der Hauptgeschichte wohl kaum wieder über den Weg laufen werden.

Farbe, die liefert Edwards dann aber immerhin in der zweiten Hälfte, als aus seinem Standard-Verschwörungsplot ein waschechter Kriegsactioner wird und das fürs Visuelle verantwortliche Abteil noch einmal unter Beweis stellen darf, was tatsächlich in "Star Wars" steckt, und dies deutlich mehr als in Abrams' recht erdbodenlastigem Film. Weltall-Krawall über Inselparadies, ausgedehnt auf viele Minuten voller Schutzschilde, Laserstrahlen und Explosionen, so möchte man in der Tat Sternenkriege verstanden wissen. Wenngleich Kamera und Schnitt immer noch ein wenig zu hektisch agieren, ist es letztlich das, weswegen man in einen "Star Wars" geht – man möchte sich in interplanetarische Gefechte von Gut gegen Böse werfen und schwerelos fühlen, also auch gerade ohne den Ballast des Realismus. Gerade diese märchenhaft-naive Dualität dunkler und heller Mächte ist es vielleicht auch, die den neuen Geschichten ein wenig verloren gegangen ist, wo sich Sturmtruppler als Überläufer entpuppen und Schwarz und Weiß immer mehr in Grautöne übergehen. Edwards wirft derlei zeitgeistige Anwandlungen erfreulicherweise nach der Halbzeit über Bord und lässt sich voll und ganz auf den kindlichen Spieltrieb ein, der dieser Reihe irgendwo auch gebührt.

Dass "Rogue One" lediglich eine Fußnote bleiben wird und somit nur zu einem Diskurs über einen Absatz aus der Hauptserie ausholen kann, spürt man natürlich deutlich an seiner Struktur. Das ist Fluch wie Segen zugleich: Es lässt die Geschichte selbst eher unbedeutend dastehen und erreicht wie zu erwarten nie den übergreifenden Charakter des narrativen Zentrums. Andererseits liefert es nach überstandenem Auftakt ungewöhnlich starke Nebenfiguren und sorgt für ein visuelles Spektakel, wie man es von einem vollwertigen "Star Wars"-Film erwarten würde.
(6.5/10)


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