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Rogue One: A Star Wars Story (2016)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 5 / 10)
eingetragen am 24.01.2017, seitdem 518 Mal gelesen



Leute, wenn es das ist, was ich von der „Star Wars“-Franchise erwarten kann, seit Disney sie übernommen hat, so richtig mit starkem Jahresoutput und vielen Spin-Offs und Prequels und jährlich einem Film, dann will ich mein George-Lucas-Dreijahresschema wieder haben!
Da war mehrfach von Hardcore-Fans zu lesen, sie hätten „genau das bekommen, was sie erwartet hätten“, was ich jetzt anders und vermutlich korrekt zu übersetzen weiß: sie haben genau das bekommen, was schon immer in Star Wars drin war und was, minimal variiert, immer wieder serviert wird, weil es mit Pawlow-Effekt im Post—Plot-Blockbuster-Zeitalter inzwischen relativ anspruchsarm immer wieder funktioniert.

Jaja, der Kampf gegen das Imperium, die böse Übermacht, hier sogar extra umkränzt von dem Vorteil, eine Lücke in der alten Skywalkerstory in Form eines Prequels schließen zu können: der Diebstahl der Konstruktionspläne für den Todesstern, von seinem Erbauer mit dem entscheidenden Makel versehen, der eine Vernichtung per Entlüftungsklappe zulässt.

Vermarktet wird das mit einem lauten „neu, besser und anders“ , wobei ich dem nur sehr bedingt zustimmen kann.
Die besten Aussichten schien es ja zu geben, als Gareth Edwards die Fackel und den Regiestuhl übernahm, nachdem er „Godzilla“ zu enormen Einspielergebnissen geführt hatte (über die Qualität des Films reden wir mal lieber nicht ganz so laut) und „Monsters“ ein Überraschungshit wurde.

Besonders gern wurde angekündigt, dass dieser Film düsterer, finsterer, söldnerhafter werden sollte; eine Rebellenvariante musste den düsteren dreckigeren Part des Star Wars-Universums ausfegen.
Draus geworden ist…eine bemühte Weltraumvariante von „Die glorreichen Sieben“, wobei man sich nicht ganz auf den Selbstaufopferungsplot der Vorgänger (seien es nun Western oder Samuraifilme gewesen) verlassen hatte, stattdessen rührte man ganz viel originäre StarWars-Struktur in das Mischmasch.

Das wollen die Fans aber nun mal sehen, ordentlich Eskapismus mit Lichtschwertern, also wurde daraus ein an keinem Ende wirklich gut entwickelter Zwitter, der zwar ordnungsgemäß zehn Minuten vor der Enterung von Prinzessin Leias Schiff mit den Plänen abschließt, aber dennoch nicht wirklich überzeugen kann.
Die Hauptschwäche des Films liegt eigentlich dann auch nicht in seinem Chimärenplot, den man als halbe Allegorie auf die Situation im Nahen Osten verstehen kann und als halbe Rekapitulation bekannter Star-Wars-Showdowm-Mechanismen (wir müssen mal wieder einen Schirmfeldgeneratior zerstören, damit wir dem Todesstern entkommen können, dazu ein wenig Infanteriegefecht, sondern in den schwachen Figuren, die man für ein Einmal-und-nie-wieder-Abenteuer hastig zusammen geklöppelt hat.

Normalerweise mögen wir alle harte Recken, kuriose Figuren und kaputte Typen, die sich als Mietheroen anheuern lassen, um dann den Patrioten in der Hose zu entdecken, aber hier hinkt der Film der guten Absicht hinterher. Für den unterhaltsamen Part müssen wir schon mal auf einen sarkastisch programmierten Kampfdroiden des Imperiums zurückgreifen (für den eindeutig die Figur des Sheldon Cooper aus „Big Bang Theory“ Pate stand) und wegen akutem Jedi-Mangel, darf Donnie Yen eine Art Macht-affinen Zatoichi geben, der wenigstens ein bisschen Humor versprüht.
Das ist wichtig, denn Felicity Jones als potentiell wichtiges Rebellenherzchen Jyn Erzo und ihr Partner/Auftraggeber/Chef und passionierter Attentäter Cassian Andor, dargestellt von einem bedenkentragend spielenden Diego Luna sind die wohl uninteressantesten und am wenigsten mit Background ausgestatteten Hauptcharaktere, die es im Lucasverse je gab. Jones brütet meistens nur vor sich hin, startet hier und da einen Alleingang und ist bemüht, ihren Daddy zu verteidigen, während Luna meistens damit zu kämpfen scheint, dass sein Rebellenagent eigentlich nur ein geistloser Killer sein soll.

Da fällt es besonders unangenehm ins Gewicht, dass Jones irgendwann den Patriotisch-Moralischen kriegt und die ziemlich dilettantisch auftretende Rebellenarmee, bestehend aus steifen Bürokraten oder unfähigen Halbzivilisten mittels keiner besonders gut strukturierten Rede in einen Haufen sich selbst aufopfernder Superkämpfer verwandelt.
Das sind arge Momente des Fremdschämens, die sogar ein zum Dialogeschreiben unfähiger Lucas in seinen vielgescholtenen sechs Filmen nie so verrissen hat; Edwards greift hier zur hohlen Sülze, weil er die Entwicklung der Figuren (es gibt auch noch einen schwer bewaffneten Kämpfer, einen spillerigen Piloten und die cyborggesteuerten organischen Reste eines furchtbar ziellos chargierenden Forest Whitaker zu bestaunen) nicht schnell genug und nicht gut genug hinbekommt. Wozu auch, treten sie doch alle vermutlich nur in diesem Film auf.

Da dürfen es dann auch ruhig mal blöde, ausgelutschte Klischees sein, wie z.B. die depperte Pre-Title-Sequenz, in der Jyn sowohl Dad als auch Mom verlustig gehen, weil sie dem Drehbuch folgen müssen. Dass sich ein ziemlich unterbeschäftigter Mads Mikkelsen hier dem Imperium ausliefern muss, kriegen wir ja noch hin, dass das holde Eheweib, das ja das Töchterlein in Sicherheit bringen soll, jedoch angesichts zehnfacher Übermacht mit einer simplen Knarre ohne Deckung einen Befreiungsversuch auf offenem Kohlfeld versucht, reicht schon für einen dreifachen Facepalm.

Der Rest des Films bleibt zwar dann nicht so blöd, aber doch ziemlich einfallslos, ist man doch meistens damit beschäftigt, Fanservice zu betreiben und möglichst viele Zitate und Figuren aus oder auf die andere Filme zu präsentieren und ansonsten gut geölten Abläufen mit drei großen Set Pieces zu folgen.
Das genügt, damit sich wahre Fans vor Wiedererkennungsvergnügen wohlig im Sessel rollen, ist aber keine ausreichende Entschuldigung für eine Weihnachtspräsentation, die weltweit über eine Milliarde macht.
Hier ein beeindruckend gut am Computer erschaffener Peter Cushing, dort eine junge Prinzessin Leia, darüber gestreut zwei total überflüssige Auftritte von Darth Vader, das freut die Fans, bringt aber die Gesamtheit des Films nicht weiter, der spätestens bei seinem endlosen Showdown schon ziemlich langweilt, sogar als er das Personalkarussell noch ordentlich ausdünnt.

So stinkt der ganze Film nach einem schön fotografierten, aber erzählerisch eher unwichtigen Kompromiss zwischen „Muss unbedingt drin sein“ und „Machen wir mal ganz anders“, der mit Düsternis und Radikalität wirbt, aber eigentlich nichts präsentiert, was nicht auch schon zu Skywalker-Zeiten da gewesen ist (die Sprengung von Alderaan, die Ermordung der Jedi-Adepten etc.).
Nur ist es damals eben durch den Filter von lebendigen und bisweilen lustigen Figuren präsentiert worden; Figuren, mit den man mitfieberte, die einem leid taten und nicht sterben sollten. Die hier erfüllen nur ihr Soll und treten dann ab.

Wird Star Wars also auch zu Wegwerfware? Zumindest lässt diese Fließbandproduktion im Großbudgetformat Böses ahnen. Schon „The Force Awakens“ schrieb und pauste dreist bei der Originaltrilogie ab, ließ aber noch Hoffnung für eine kommende Storyentwicklung.
Hier tut man das nicht ganz so offensichtlich, verzichtet aber auf andere bedeutsame Elemente und belässt es bei der Ankündigung, jetzt ja Star Wars „in grimmig“ zu präsentieren. Und siehe da, noch schlucken das die Fans bereitwillig. Aber das Schicksal von „zu viel vom gleichen“ droht wie bei Marvel und seinen Superhelden irgendwann auch hier. Belanglos: 5/10


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