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Desperado (1995)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 6 / 10)
eingetragen am 06.06.2006, seitdem 605 Mal gelesen



Ohne Zweifel ist Desperado ein kultiger Streifen und gehört mit zum coolsten der 90er Jahre, was ins Kino kam. Desperado hat alle Zutaten eines kleinen Klassikers dieses Genres: Er ist sexy, rau, gerade schäbig genug, alle niederen Instinkte anzusprechen, gerade edel genug, um auch als Kultfilm für alle durchzugehen.
Er hat sexy Antonio Banderas, er hat Superbabe Salma Hayek, er hat den coolen Quentin Tarantino, er hat schäbig Steve Buscemi, ach ja und er hat Cheech Marin (ihr wisst schon, den Meister aus den meisterhaften Killerfilmen um die beiden Intellektuellen Cheech und Chong), ach ja, habe ich Salma Hayek erwähnt? Nein? Also noch mal: SALMA HAYEK!!!!

Die Musik ist stimmig, der Schnitt ist richtig fein abgestimmt – im Vergleich zum Vorgängerfilm El Mariachi ist dieser Film also ein absoluter Meilenstein.
Dabei imitiert Robert Rodriguez wohl seine Idole munter drauflos: Es werden Italowestern gwürdigt (allein schon, dass ein schmuddeliges Mexiko als Ort herhalten muß), Hong-Kongs Bloodshed-Klassiker werden verwurstet (viele Shoot-Outs erinnern an John Woos Todelballets), eine berühmte Chiquita-Werbung wird mal einfach so dreit kopiert (Salma Hayeks Einführung – in den Film wohlgemerkt) eine kleine Romanze (Antonio und Salma kommen zusammen) und der lüsterne Robert Rodriguez zwingt Salma auch noch zu einer wenn auch sehr entschärften (seufz, schade) Sex-Szene, nur weil sie damals noch nicht um ihre Rechte in good old USA wusste, die arme mexikanische Schönheit.

Ach ja, und Desperado hat einen der lustigsten Witze der Filmgeschichte aufzubieten, vor allem aus Quentins Mund.
Sehr fein und sehr lustig. Eben ein echter Feel-Good-Movie.

Mehr aber auch nicht.
Leider.
Dabei hat der Film wirklich mehr Potenzial als so mancher anderer Baller-Film der letzten Jahre: Cooler Ort, Cooler Held, Cooler/schäbiger Buddy, Coole Frau an der Seite des coolen Helden, Coole Schurken, Cooler Sound, coole Bilder.
Also was fehlt dann?

Eine gewisser Grad an erzählerischer Kontinuität: Robert Rodriguez führt eine Menge Charaktere ein, die allesamt sehr interessant sind und einen Supershowdown ausmachen könnten (Danny Trejo oder der Typ, der sich sein Bein bricht als Beispiele), aber lässt es nie dazu kommen. Dafür verheizt er solch minutiös aufgebauten Charaktere viel zu schnell.
Genauso widerfährt es Steve Buscemi oder den anderen Gitaristen.
Auch vermisst man in seiner Ballerei in der Bar beispielsweise die Ästhetik, Spannung oder Melodramatik eines John Woo.
Rodriguez imitiert seine Vorbilder auf jeden Fall mit schönen Bildern, Szenen, Einstellungen, aber letztlich scheitert er an seinen eigenen Ansprüchen. Jetzt nicht unbedingt, was den Publikumserfolg angeht oder den Wohlfühleffekt – dafür ist der Film einfach zu gut kopiert -, aber es gelingt ihm einfach nicht wirklich, große Spannung zu vermitteln, weil keiner dem Desperado gewachsen scheint.
Leone beispielsweise führt Clint Eastwood auch als nahezu unbesiegbar ein, doch Leone gelingt es immer wider einen extremen Spannungsaufbau hinzulegen. Aber bei Rodriguez fehlt das alles. So kommt es auch nicht von ungefähr, dass dem letzten Showdown jeglicher Glanz abgeht. Dafür dass Antonio seinem Bruder letztlich gegenübersteht, gibt es in dem Film einfach zuwenig (Melo)dramatik.

Seine Reaktion danach: „Habe ich mich schon bedankt? … Kommt noch…“
So cool es auf den ersten Blick rüberkommen mag, so unecht ist das alles letztendlich auch, schließlich hat er gerade seinen Bruder verloren.

Nun ja, da kann auch sexy Salma nichts mehr retten, die hier so sexy rüberkommt wie nie wieder. Der Film vergeudet all sein Potential, ganz oben mitzuspielen auf Grund des fehlenden Talents oder sollte man Genie sagen? - von Robert Rodriguez.

Grundsolide 6 Punkte, dabei war so viel mehr drin. Schade.


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