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Desperado (1995)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 8 / 10)
eingetragen am 19.06.2004, seitdem 608 Mal gelesen



Die Handlung klingt nach Rache- Western a la „High Plains Drifter“ oder „Django“: Die Bewohner eines abgelegenen mexikanischen Grenzstädtchens erhalten den "Besuch" eines schwarz gekleideten Desperados. Der mysteriöse Fremde (Antonio Banderas) ist auf einem blutigen Rachefeldzug; der Drogenbaron Bucho ließ einst seine Geliebte erschießen. Seitdem hat der dunkle Mariachi- Sänger die Gitarre in seinem Koffer mit einem Arsenal großkalibriger Waffen getauscht- eine schöne Überraschung für alle Bösewichte die sich ihm fortan in den Weg stellen. Doch nichts kann ihn aufhalten, weder Kugeln noch Messer. Als sich dann noch Buchhändlerin Carolina seinem Kampf anschließt kann erst recht nichts mehr schief gehen, und so ballert sich El Mariachi bis zu seinem Erzfeind durch...
Was sich nach einem stupiden Action- Streifen mit hohem Bodycount anhört, ist weit mehr als das. Mit „Desperado“ hat Tarantino- Kumpel Robert Rodriguez sein Regiedebüt „El Mariachi“ mit deutlich höherem Budget neu aufgelegt, sowohl als Remake als auch Fortsetzung mit deutlich selbstironischen, ja fast schon parodistischen Ansätzen. Keinesfalls hat man es hier mit einem bierernsten Actioner zu tun. Denn El Mariachi ist alles andere als ein typischer Superheld- er fängt sich Kugeln ein, wird mit Messern gespickt wie ein Igel und schimpft wie ein Rohrspatz wenn es nicht nach seinem Kopf geht. Die zahlreichen Schießereien sind allesamt derart überdreht und strotzen so vor originellen Einfällen, dass es einfach Spaß macht zuzuschauen. Gestorben wird hier reichlich und blutig dazu, aber nicht ohne Humor (der natürlich Geschmackssache ist). Selbst im dichtesten Kugelhagel lässt Rodriguez den Mariachi wie einen Zirkusartisten durch die bleihaltige Luft springen, ja, manchmal knallt der die Bösen sogar ab ohne überhaupt hinzuschauen.
Banderas zeigt in „Desperado“, dass er mehr kann als in Komödien den feurigen Latin- Lover zu spielen. Die Rolle des heißblütigen Gitarrenspielers scheint ihm regelrecht auf den Leib geschrieben und hat ihm wohl jede Menge Spaß gemacht. Den Drogenboss Bucho gibt Joaquim de Almeida, der einen ähnlichen Charakter schon in „Das Kartell“ verkörperte. Salma Hayek spielt die rassige Buchhändlerin Carolina und zeigt am Ende, dass sie nicht nur gut aussehen und singen, sondern auch ganz ordentlich schießen und fighten kann!
Auch die Nebendarsteller sind eine Erwähnung wert. Cheech Marin genießt für mich in seiner Rolle als Barkeeper fast schon Kultstatus. Mit seinem einzigartigen Knautschgesicht bringt er mehr rüber als es jeder Dialog könnte (genial wie ihm abrupt das Gesicht einschläft als Banderas mit dem Gitarrenkoffer die Bar betritt). Tarantino darf bei seinem Kurzauftritt als Drogenkurier einen etwas angestaubten Witz erzählen, und Steve Buscemi jagt gleich zu Beginn den Finsterlingen ordentlich Angst ein, als er ihnen vom größten Mexikaner der Welt und seiner Riesenkanone erzählt.
„Desperado“ lebt neben den herrlich übersteigerten Actionsequenzen vor allem von dem zwischen Ironie und Zynismus pendelnden Humor, den aberwitzigen Dialogen (meist im Vorfeld einer Schießerei), zahlreichen Running- Gags und dem tollen Soundtrack von Tilo & Tarantula. Leider lässt der Unterhaltungswert im letzten Drittel des Films etwas nach. Die Shootouts sind nach wie vor schön anzusehen, haben aber ihre Wirkung nach fast 45 Minuten Dauerfeuer verloren. Auch scheint Rodriguez die wirklich originellen Einfälle alle in der ersten Stunde verpulvert zu haben. Der Film zeigt Ermüdungserscheinungen. Darüber hinaus wirkt das Zustandekommen der letzten Massenballerei arg konstruiert, was auch die halbwegs überraschende Schlusspointe nicht mehr wettmachen kann.

Fazit: Kein revolutionäres Highlight, aber ein abwechslungsreiches, selbstironisches Stück Unterhaltungskino weit über dem Genre- Durchschnitt des Action- Films. 8/10 Punkten


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