Ansicht eines Reviews

Savage Dog (2017)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 7 / 10)
eingetragen am 09.05.2017, seitdem 703 Mal gelesen



Viele (B-)Actionregisseure zeigen Interesse an Geschichte und historischen Gefechten, darunter sowohl Isaac Florentine als auch sein Kollege Jesse V. Johnson. WĂ€hrend Florentine derartige Leidenschaften meist nur in kurzen Momenten, z.B. der Auftaktszene von „Ninja – Shadow of a Tear“, ausleben konnte, wagt Johnson mit „Savage Dog“ die Verbindung von Actionfilm und historischem Hintergrund.
„Savage Dog“ spielt in Indochina im Jahre 1959. Hierhin hat es viele Weltenbummler und halbseidene Gestalten verschlagen, denen der Boden in der westlichen Welt zu heiß wurde, darunter der Ex-Nazi Hans Steiner (Vladimir Kulich), der dort nun illegale ZweikĂ€mpfe veranstaltet. Zu den Fightern gehört auch der irische Strafgefangene Martin Tillman (Scott Adkins), den Steiner schließlich freilĂ€sst, als der MI6-Mann Harrison (Matthew Marsden) unangenehme Fragen stellt – dieser möchte Martin nĂ€mlich vor ein englisches Gericht bringen, doch Steiner leugnet ihn zu kennen. WĂ€hrenddessen zieht der Vietnamkrieg herauf, weshalb Steiner und seine Getreuen (teilweise frĂŒhere Nazi-Kollaborateure aus Spanien und Frankreich) noch Geld machen wollen, ehe Indochina im Chaos versinkt.
Martin beginnt nach seiner Freilassung in der örtlichen Bar von Valentine (Keith David) als TĂŒrsteher zu arbeiten, wobei er Isabelle (Juju Chan), Valentines Adoptivtochter, nĂ€herkommt. Auch hiermit kommt „Savage Dog“ seinem Regisseur und seinem Hauptdarsteller entgegen: Sowohl Johnson, der schon mit Filmen wie „Charlie Valentine“ entsprechende Ambitionen zeigte, als auch Adkins können sich vom reinen Actionfilm wegbewegen und zumindest fĂŒr eine kurze Weile eine Liebesgeschichte inszenieren, in der sich zwei versehrte Menschen nĂ€herkommen, die beide mit ihrer Vergangenheit hadern und keinen Abschluss finden. Dabei mag „Savage Dog“ nicht allzu sehr in die Tiefe gehen, doch baut die Romanze souverĂ€n genug ein, dass sich sowohl Adkins als auch Johnson abseits von Krawall behaupten können.

Als Martin bei seiner Arbeit jedoch einen von Steiner angeheuerten Boxer niederschlĂ€gt, stehen dessen Leute vor der TĂŒr und bringen ihn dazu mehr oder minder freiwillig wieder in den Ring zu steigen. Martin folgt den Anweisungen, doch eines Abends gibt es ein folgenschweres UnglĂŒck

„Savage Dog“ mag in einzelnen Momenten ĂŒber den normalen Genrereißer hinausgehen, in Sachen Dramatik kann er dann aber doch nicht ganz zu Teil 2 und 3 der „Undisputed“-Reihe mit dem gleichen Hauptdarsteller aufschließen. Stattdessen ist er doch eher Genreware, die im ersten Teil dem Turnierfilm der Marke „Bloodsport“ verhaftet ist, ehe sich der Film in HĂ€lfte zwei dann zum beinharten Rachefilm wandelt. Die menschlichen Schicksale der Außenseiter an allen Fronten treten eher in den Hintergrunde fĂŒr eine genretypische Geschichte, die Johnson als beinharten, brutalen und recht geerdeten Reißer erzĂ€hlt. Dementsprechend sind die Farben des Films nie zu knallig, der Look immer etwas erdig und gritty, passend zum eher rauen, bodenstĂ€ndigen Ton der erzĂ€hlten Geschichte passt.
Auch in Sachen Action geht „Savage Dog“ diesen Weg stilistisch weiter. Viele KĂ€mpfe sind eher klassisches Bare-Knuckle-Boxing mit gelegentlichem Knie- und Fußeinsatz, weshalb man wenige von Adkins‘ Kicks sieht (und gesprungene nur ganz selten) – Johnson spart sie vor allem fĂŒr die letzten ZweikĂ€mpfe auf, in denen sich Adkins mit Cung Le und Marko Zaror auseinandersetzen muss. Doch vergleicht man einmal das Aufeinandertreffen von Adkins und Zaror in „Undisputed 3“ mit ihrer Begegnung hier, so fallen die stilistischen Unterschiede deutlich auf. Doch hier kommt es nicht nur zum Martial-Arts-Einsatz, sondern es sprechen auch die Macheten und die SchießprĂŒgel, was sich auch im HĂ€rtegrad des Films niederschlĂ€gt: Blutige EinschĂŒsse, abgehackte Köpfe und weggeballerte HĂ€nde gibt es zu verzeichnen, sobald die Lage ernster wird und die Konfrontationen auf Leben und Tod ausgetragen werden. Die Fightchoreographie von Johnsons WeggefĂ€hrten Luke LaFontaine ist gelungen, auch wenn es der durch und durch ĂŒberzeugenden Action noch an den ganz großen Highlights mangelt, aber das passt gleichzeitig auch zum eher nĂŒchternen Stil des Films.

Wovon „Savage Dog“ ebenfalls profitiert, ist sein Figurenkabinett. Die tiefsinnigsten aller Charaktere sind es nicht, doch mit wenigen Pinselstrichen sind sie gut getroffen – sei es nun der alte, weise Valentine, der auch als Off-ErzĂ€hler fungiert, der Opportunist Steiner, der trotzdem gelegentliche AnflĂŒge von EhrgefĂŒhl und Bedauern hat, oder der sadistische Jean-Pierre Rastignac (Marko Zaror), der unterlegene Gegner gerne mit dem Messer filetiert. Auch die Locations des tatsĂ€chlich in Vietnam gedrehten Films tragen zum Flair bei, womit sich „Savage Dog“ seiner konventionellen Handlung zum Trotz von vieler anderer B-Ware abheben kann.
Als Johnson-Regular ist Keith David dabei und spielt mal wieder eine Mentorenrolle mit Charisma und Gravitas, wĂ€hrend Scott Adkins auch mit irischem Akzent als Ex-IRA-Terrorist und romantischer Held ĂŒberzeugt. Am Ende steht gar der Beginn einer (möglicherweise) wunderbaren Freundschaft zwischen ihm und einem frĂŒheren Gegenspieler, ganz in der Tradition von „Casablanca“. Vladimir Kulich schafft es auch die Facetten seines Bösewichts, die ĂŒber Stereotypen hinausgehen, zu betonen, wĂ€hrend Marko Zaror als Psycho und Cung Le als weitgehend stummer Handlanger eher in den Actionszenen ĂŒberzeugen, darstellerisch dagegen nicht ganz so. Juju Chan schlĂ€gt sich brauchbar als romantische Partnerin an Adkins‘ Seite, wird im Laufe des Films aber immer weiter an den Rand gedrĂ€ngt. In einer Nebenrolle hĂ€lt außerdem noch Aki Aleong sein bekanntes Gesicht kurz in die Kamera.

Wer Scott Adkins mal ohne die spektakulĂ€ren (Sprung-)Kicks sehen will, die vor allem seine Boyka-Rolle in den „Undisputed“-Sequels so beliebt machten, der bekommt den Actionstar als romantischen Helden und spĂ€teren Racheengel hier in der etwas bodenstĂ€ndigeren Version zu sehen. Dadurch fehlen der Action zwar ein wenig die einprĂ€gsamen Highlights aus der erwĂ€hnten Reihe, doch ansonsten ist „Savage Dog“ ein zwar stellenweise recht konventioneller, aber erfrischend roher und recht temporeicher Reißer, der vor allem von seinen OriginalschauplĂ€tzen in Vietnam und den einprĂ€gsamen Figuren lebt. Und sogar der romantische Part gelingt Jesse V. Johnson und seinem Hauptdarsteller so gut, dass er den Film nicht ausbremst.


Surprise me!
"Surprise me!" BETA
Lassen Sie sich überraschen! Wir führen Sie zu einem zufälligen Treffer zu einem Thema Ihrer Wahl... Wollen Sie eine andere Kritik von "McClane" lesen? Oder ein anderes Review zu "Savage Dog (2017)"?


Zur Übersichtsseite des Films
Liste aller lokalen Reviews von McClane

Zurück


Copyright © 1999-2017 OFDb.de - Die Online-Filmdatenbank
Alle Rechte vorbehalten.
Nutzungsbedingungen · Werben · Impressum
Hosted by Net-Build



Quicksearch






User-Center

Benutzername: 
Paßwort:
Login nur für diese Sitzung:

·

762 Besucher online


SSL  SSL-gesicherte
Verbindung aktiv


Abonnement


Abonnement - Bitte erst anmelden
Melden Sie sich bitte an, um Abonnements vornehmen zu können



Neue Reviews


Star Wars: Die letzten Jedi (2017)
Eloise Asylum, The (2017)
13 Hours: The Secret Soldiers of Benghazi (2016)
Cocktail (1988)
Star Wars: Die letzten Jedi (2017)



News


Unser News-Bereich wurde überarbeitet und wird in Kürze weiter ausgebaut werden, damit Sie stets aktuell über alle Neuigkeiten rund um die Welt des Films informiert sind.

» Zum neuen News-Bereich