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Party, The (2017)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 7 / 10)
eingetragen am 10.08.2017, seitdem 338 Mal gelesen



Gallebittere Dramödie!
Einreduziert auf ein 71minütiges Kammerspiel in s/w bietet Sally Potter hier einen säurehaltigen Plot, der sich auch gut als Politikfarce auf einer beliebigen britischen Bühne gut machen würde – und es vielleicht demnächst ja auch tun wird.
Gedreht über einen Zeitraum von zwei Wochen mit einem Cast von gerade mal sieben Personen, werden Assoziationen zu „Der Gott des Gemetzels“ wach, denn auch da gingen die Anwesenden beim Versuch einer Konsolidierung auf einander los. Doch Potters Film, obwohl längst auch nicht ausgereift, ist der Bessere von beiden, weil er zumindest ein zentrales Thema hat, um das sich alle Figuren entwickeln oder verändern können, während das „Gemetzel“ eher ziellos wirkte und als Showplattform für anders zu erwartende Darsteller daher kam.

Der politische Background ist dann auch hier mehr das Deckmäntelchen, um das die Gespräche scheinbar kreisen, dabei ist niemand hier aufrichtig oder wirklich ehrlich zu sich oder Anderen oder zufrieden mit dem, was er investiert oder erreicht hat.
Häppchen und Wein soll es geben, anlässlich von Janets Ernennung zur potentiellen Gesundheitsministerin, doch ausgerechnet da wird dem Gatten das Geheimnis einer tödlichen Erkrankung entlockt. Sofort steht auf der Agenda, den Job zwecks Pflege hinzuschmeißen (dem sofort widersprochen wird), doch führt auch die beste (Selbstannahme!) Politikerin ein Doppelleben mit Affäre (hier per SMS), von der niemand weiß.
Die unterstützende Freundin ketzt gegen alles und jeden, vor allem gegen ihren unwahrscheinlichen Partner, einen heilpsychologische Alternativworthülschen absondernden Lifecoach (aus Deutschland) namens Gottfried – aber am allermeisten hasst sie den Job, den die Freundin übernehmen will, weil sie die Institution ablehnt.
Das endlich mit allen Freiheit (Heirat, In-Vitro-Befruchtung) ausgestattete Lesbenpärchen kriegt sich in die Haare über die zu erwartende Kinderanzahl (3!) und spricht offenbar nicht ausreichend miteinander (auch nicht über den potentiell immer noch gärenden generellen Hass auf Männer) und die einzig anwesende Hälfte eines weiteren Pärchens hat die Nase voll Koks und eine Knarre im Halfter.

Positiv ist: Potter überreisst es nicht.
Es gibt hier keine kalkulierten Exzesse, niemand kotzt auf den Esstisch oder bricht ähnliche Tabus – hier haben, wie im klassischen Boulevardtheater üblich, alle noch ein Geheimnis oder zwei in der Tasche und die kommen nach und nach heraus bis zur Schlusspointe, die schon mit der ersten Einstellung vorbereitet wird und irgendwie dann doch überraschend kommt.
Dagegen tritt der Einsatz für eine Verbesserung des britischen Gesundheitssystems (wie vielleicht nicht alle wissen werden, ein fast hoffnungsloses Unternehmen) bald hinter die persönlichen Eitelkeiten zurück, die langsam hervorbrechen und wieder zu normalen Menschen machen.

Das Fehlen von Farbe bringt hier die Konturen der Gesichter wesentlich besser heraus, als jede naturalistische Kamera das hätte schaffen können, Timothy Spalls stieläugiges Gesicht erscheint wie eine wrackähnliche Reliefkarte (und scheint reichlich Gewicht verloren zu haben), während der Rest des Casts natürlich zurecht gemacht ist – was bedeutet, alle sehen alt und ihrem Alter entsprechend verbraucht aus, Falten inclusive.

Für eine inhaltliche Entlarvung oder eine detaillierte Ausarbeitung der Zustände genügt es nicht, für eine vergnügliche Groteske auf Kosten der Briten und der Politik aber durchaus: da steht die Politikerin treu zu ihrem Gatten, der alles für sie geopfert hat, führt aber nebenbei eine Affäre. Dann will sie aus Pflichtgefühl (und Zuneigung?) alles aufgeben, doch das will er nicht – aus Gründen! Doch besser ist, wenn nichts davon rauskommt, denn wenn es jemals auf dem Tisch landet, dann stürzt das Kartenhaus zusammen. So geschieht es auch hier, während ein geradezu absurd alternativ dahinsalbadernder Bruno Ganz den atheistischen Vernunftsmenschen angesichts seines bevorstehenden Ablebens stützen muss, der plötzlich Existenzangst bekommt.

Tatsächlich würde sich der Stil des Films auf einer Bühne wesentlich besser machen denn als filmische Miniatur, fokussiert die Story dann mehr auf den Enthüllungen denn auf den Doppeldeutigkeiten und rollt stattdessen Twist auf Twist aus, garniert mit unterstützender oder gegensteuernder Musik, je nachdem was gerade aufgelegt wird.
So wird aus dem schwarzen Gift mehr ein feurig geschärftes Appetithäppchen, dass sich super in der Filmographie macht und allen gute Laune bereitet, aber nicht endgültig sättigt. Aber immerhin: mehr Geschmack als so mancher groß aufgerüschter Hauptgang! (7/10)


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