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Mariachi, El (1992)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 7 / 10)
eingetragen am 08.05.2005, seitdem 530 Mal gelesen



Wenn man bedenkt, dass "El Mariachi" mit einem Budget von nur 7000 Dollar gedreht wurde und praktisch keine bezahlten Schauspieler, sondern "nur" Freunde aus Robert Rodriguez Bekanntenkreis eingesetzt wurden, ist dieser Film in gewisser Hinsicht bemerkenswert.

Fangen wir doch einmal mit den Besonderheiten des Films an. Was mich von Anfang an fesselte, ist dieses gewisse Psycho-Flair, das den Film durchgehend durchzieht. Ein Soundtrack mit Orgelkl├Ąngen und dazu leicht die Realit├Ąt verw├Ąssernde Kameraaufnahmen erzeugen ein zeitloses, gefahrvolles Gef├╝hl das den Inhalt des Films schon zu Beginn ank├╝ndigt.
Was die Kameratechnik bzw. -F├╝hrung betrifft, ist sie zwar relativ unspektakul├Ąr und unprofessionell, doch muss man sich auch vor Augen halten, dass der Regisseur und zugleich Kameramann Robert Rodriguez fast f├╝r jede Einstellung nur ein Take verwendete und aufgrund des Mangels an Filmrollen kaum eine Szene zweimal drehte.
Wenn man die gerade genannten Bedingungen bedenkt, ist die Kameraf├╝hrung schon relativ originell und gut ausgew├Ąhlt. Ein hohen k├╝nstlerischen Wert allerdings erreichen die Bilder oder Kameraeinstellungen wegen ungen├╝gender technischer Ausr├╝stung kaum.
Was mich jedoch allgemein an Allround-Filmtalent Robert Rodriguez beeindruckt, ist sein goldenes H├Ąndchen in Sachen Schnitt. Vor allem bei dem Nachfolger "Desperado" merkt man, welch gutes Gesp├╝r er f├╝r den richtigen und am meisten Wirkung erzeugenden Schnitt hat. Vor allem die Actionszenen in beiden Filmen werden durch den schnellen, mitrei├čenden Cut erst richtig interessant und wirksam. So mag er auch so manche verpatzte Aufnahmen
bei "El Mariachi" korrigiert haben, was zus├Ątzlich Geld sparte.
Der Soundtrack des Films ist zwar nicht herrausragend gut, dennoch tr├Ągt er einen gro├čen Teil zur dichten Atmosph├Ąre des Streifens bei und ist auf jeden Fall f├╝r diesen Film gut genug und passend. Au├čerdem bedenke man wieder hier die wenigen M├Âglichkeiten die Rodriguez zur Verf├╝gung standen. Die Musik zum Film komponierte auch einer
seiner Freunde und kein ausgebildeter Filmkomponist.

So weit zu den k├╝nstlerischen Aspekten des Films.
Was die Story anbelangt kann ich nur sagen, dass Rodriguez eine actionreiche und interessante Geschichte erschaffen hat, die ihm viele M├Âglichkeiten offen lies bei seinen wenigen Mitteln, die er hatte. Die Inszenierung ist den ganzen Film ├╝ber in einm bestimmten Stil gehalten, der entweder den Zuschauern als billig und unspektakul├Ąr oder als tiefgr├╝ndig und originell erscheint.
Die Darsteller sind nat├╝rlich keine ehemaligen Filmhochschulbesucher sondern nur Verwandte von Rodriguez, die deshalb nicht an das schauspielerische
Niveau wie ein Robert de Niro herankommen, hat aber auch niemand versprochen. Und daf├╝r sind die Darsteller trotzdem gut und passen recht gut in ihre Rolle.
Die Action, die der Film ja laut Trailer und sonstiger Promotion verspricht, ist meiner Meinung nach spannend inszeniert und selbst Actionfilm-Fetischisten zufriedenstellend. Sie wird immer wieder nach dem gleichen Prinzip dargestellt, Kameraeinstellungen und die Schnitttechnik bei Schie├čereien bleiben gleich, unterh├Ąlt aber trotzdem sehr gut und wird nicht langweilig. Auch die Kulissen der Actionszenen sind gut gew├Ąhlt, so wirkt es zum Teil aufregend, wenn sich der Mariachi auf offener Stra├če vor vorbeifahrenden Autos mit Moco's Gangstern beschie├čt und die bluverschmierten Leichen auf der Stra├če liegen bleiben. Das erweckt unter anderem den Eindruck von einer gro├čen, aufw├Ąndigen Hollywoodproduktion, f├╝r die extra Stra├čen gesperrt und Drehgenehmigungen eingeholt wurden. Nicht der Fall bei "El Mariachi".
Au├čerdem hat Rodriguez ein weiteres Ziel, welches er mit diesem Streifen verfolgt hat, erreicht: sein Heimatland Mexico zu repr├Ąsentieren. Den ganzen Film ├╝ber hat man das Gef├╝hl, das es in der Stadt, in der sich alles abspielt, keine Polizei gibt. Im echten Mexico ist das teilweise identisch. Es gibt zwar Polizei, doch wird dieses Land von Korruption beherrscht. Das wird im Film vor allem deutlich durch die Szene am Anfang, in der Moco's M├Ąnner Azul aus dem Knast abholen wollen. Die Frau lehnt sich kein bisschen gegen die M├Ąnner auf, denn sie bezahlten sie ja f├╝r ihr Schweigen. Somit wollte Rodriguez vielleicht die Probleme und Merkmale seines Heimatlandes wiederspiegeln.

In diesen Punkten jedenfalls bin ich beeindruckt von der Idee, als Amateurfilmer der Welt sein Talent und seine Kreativit├Ąt durch einen Film zu zeigen, der mit nur 7000 Dollar ein ansehbarer Actionstreifen geworden ist.
Der zwar teilweise billig wirkende Look und die etwas uninteressante Sory, die eine geringe Tiefe aufweist, sind meiner Meinung nach die einzigen Makelpunkte von Robert Rodriguez Regiedeb├╝t "El Mariachi", wenn man auf die wenigen finanziellen und filmtechnischen M├Âglichkeiten zur├╝ckblickt, die ihm damals zur Verf├╝gung standen.

Ein spannender, spezieller Actionfilm, der dennoch nur sehr bestimmtem Fanpublikum sehr gef├Ąllt.
7/10


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