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King Arthur: Legend of the Sword (2017)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 6 / 10)
eingetragen am 11.01.2018, seitdem 143 Mal gelesen



Megaerfolge wie die „Herr der Ringe“-Trilogie, die „Harry Potter“-Reihe oder die TV-Serie „Game of Thrones“ beweisen, dass man mit Fantasy unterschiedlichster Couleur beim Publikum punkten kann, doch auf jeden dieser Erfolge kommen kolossale Flops wie „Der goldene Kompass“ oder „Eragon“. Anno 2017 beim Glücksspiel um den Fantasy-Erfolg im Rennen: Guy Ritchies Version der Artus-Sage.
„King Arthur: Legend of the Sword“ ist dabei immer noch ein typischer Ritchie-Film, der sich gleich zu Beginn einen Scherz mit Genrekonventionen und Zuschauern erlaubt, wenn er das genretypische Finale mit Massenschlacht und burghohen Riesenelefanten direkt an den Anfang verlagert. Auf jenen Fabelwesen reitet nämlich der böse Magier Mordred gen Camelot, doch König Uther Pendragon (Eric Bana) beschreitet dem Spuk ein schnelles Ende, Excalibur-Boost sei Dank. Dummerweise fährt ihm der eigene Bruder in die Parade: Vortigern (Jude Law) wuchs am Hof der Magier auf und hat den Angriff orchestriert um einen Staatsstreich auszuführen, den weder Uther noch seine Frau überleben. Nur ihren Sohn können sie noch retten, indem sie ihn in ein Boot setzen.
Das Boot wird vom Fluss bis nach Londinium getragen, wo ein paar Prostituierte den Jungen finden und aufziehen. In einer Guy-Ritchie-typischen Montage wird nun erzählt wie Arthur (Charlie Hunnam) zum jungen Mann, pfiffigen Gangster und trainierten Fighter aufsteigt, der stets Schläge einstecken muss, aber genauso zuverlässig den Schmerz als Ansporn zur Selbstverbesserung sieht. Damit erinnert dieser Arthur eher an die Gangster aus früheren Ritchie-Filmen wie „Bube Dame König grAs“, „Snatch“ und „RocknRolla“, was „King Arthur: Legend of the Sword“ auch stilistisch unterstreicht, wenn etwa Arthur einem Offizier der königlichen Polizei, die alle nur als Blacklegs bezeichnen, Bericht erstattet: Die Visualisierung erfolgt analog zum Gespräch, inklusive Unterbrechungen, Vor- und Zurückspringen und anderen Scherzen, was dem Ganzen einen ebenso launigen wie lebendigen Vibe gibt.

Derweil weiß Vortigern, dass seine Macht als König auf wackeligen Füßen steht, solange der wahre Thronfolger noch lebt. Als dann auch noch die Themse den Stein mit Excalibur freilegt, wird es noch enger für Vortigern. Er lässt alle jungen Männer im richtigen Alter sich unter Bewachung am Schwert versuchen. Als Arthur an der Reihe ist, ist dessen geregeltes Gaunerleben vorbei, wird er doch ungewollt zum Freiheitskämpfer, den Rebellen aus Vortigerns Gefangenschaft befreien…
Nach „Sherlock Holmes“ und „The Man from U.N.C.L.E.“ ist „King Arthur: Legend of the Sword“ die nächste Modernisierung eines klassischen Stoffes im Ritchie-Style, die – wie bereits erwähnt – vielleicht sogar noch stärker dem Ritchie-Frühwerk verhaftet ist. Das bedeutet allerdings auch, dass sich der Film und der Regisseur dann am wohlsten zu fühlen scheinen, wenn der Fokus noch nicht aufgezogen wird, sondern es vor allem um das Gaunerleben Arthurs geht, der mit seinen Getreuen auch mal einer Horde raubeiniger Wikinger zeigt wo der Frosch die Locken hat und als Beschützer der Prostituierten auftritt, die ihn damals aufzogen. Jener starke Anfangspart strahlt mit seinen sympathischen Figuren und deren Verbundenheit auch in den Rest vom Film hinein: Wenn es jemanden aus Arthurs Umfeld im Laufe der Revolution gegen Vortigern erwischt, dann ist das ein schmerzhafter Verlust für den Helden, den auch der Zuschauer nachfühlen kann. Noch dazu werden die Rebellen als im Gedächtnis bleibende Charakterköpfe gezeichnet, seien es Arthurs Sidekicks Wet Stick (Kingsley Ben-Adir) und Back Lack (Neil Maskell), Martial-Arts-Meister George (Tom Wu) oder Uther-Weggefährte und Ausbrecherkönig Goosefat Bill (Aidan Gillen).

Der Ritchie-Style kommt auch in der zweiten Hälfte von „King Arthur: Legend of the Sword“ zum Einsatz, mal mehr, mal weniger überzeugend. Auch die Ausführung von Plänen wird hier als Montage unterschiedlicher Zeitebenen gezeigt, was dem Film eine frische Note gibt; etwas eigenwillig wird es allerdings, wenn Arthur zwecks Selbstreflexion und besserer Beherrschung von Excalibur in die dunklen Lande reisen muss: Diese Reise verdichtet Ritchie zu einem kurzen Highlight-Reel, das vor allem Begegnungen mit Riesenratten, Riesenfledermäusen und Riesenschlangen umfasst, ehe dann die finale Erkenntnis kommt, und hat diesen vermeintlich wichtigen Schritt in Arthurs Werdegang auf rund fünf Minuten herunter gebrochen. Das ist einerseits dynamisch im Tempo, wirkt andrerseits aber schon arg gehetzt.
Ansonsten erzählt Ritchie eine typische Rebellionsgeschichte mit eben gewissen Ritchie-Tweaks, der er aber nicht ganz so sehr seinen Stempel aufdrückt wie etwa seiner „Sherlock Holmes“-Modernisierung. Der Fantasy-Anteil ist eher dezent, trotz einiger Riesenkreaturen, doch die Magier, die hier ein eigenes Volk sind, kommen beispielsweise kaum vor; nur eine Magierin (Astrid Bergès-Frisbey) aus dem Rebellencamp ist in einer größeren Rolle zu sehen und ihre Kräfte beschränken sich in erster Linie auf die Kontrolle von Tieren und das Lesen von Gedanken. Damit muss sich Arthur dann doch in erster Linie auf seine Bauernschläue und seine Actionhero-Qualitäten verlassen, auch wenn man sich fragt, warum eine bestimmte Taktik, die er und die Rebellen im Finale anwenden, nicht schon vorher zum Einsatz kam – aber dann wäre die Revolution schon viel schneller vorüber gewesen und der Film zu früh zu Ende. Auch andere Aspekte vernachlässigt das Drehbuch etwas, etwa woher Vortigern weiß, dass ihn jemand aus den eigenen Reihen ausspioniert; warum die Person nicht direkt einen Kopf kürzer gemacht wird, beantwortet der Film ebenfalls nicht.

Doch trotz solch kleiner Hänger im Getriebe ist „King Arthur: Legend of the Sword“ recht launiges Blockbusterkino, das von Ritchies Tempo und einem dicken Budget von 175 Millionen Dollar profitiert, das für schicke, aber nicht inflationär eingesetzte Effekte sorgt, wenn mittelalterliche Lande und Fabelwesen in recht düsterer Form auf die Leinwand gebracht werden. Bei der Action gibt sich Ritchie erfreulich bodenständig, denn meist hacken und hauen sich Arthur und die Seinen hier durch gelungen choreographierte Kampfsequenzen, auch wenn die Kamera vielleicht manchmal etwas zu hektisch ist, die Übersicht dabei etwas zu sehr verloren geht, was etwas schade ist. Wenn Arthur allerdings die Macht von Excalibur aktiviert, dann kommt der Rechenknecht doch ein wenig zu Hilfe. Beispielsweise in einer Szene, in der sich Arthur magiebeschleunigt durch eine Horde von Wachen fightet, wobei der Wechsel von Zeitlupe und Zeitraffer inszenatorisch an einen weniger blutigen „300“ erinnert, oder im Kampf gegen einen transformierten Vortigern, was mit dem Gewirbel zweier teilweise animierten Kontrahenten manchmal an Beat’Em Ups auf einer Videospielkonsole erinnert. Auch diese Szenen haben noch ihre Momente; sie wirken aber austauschbarer und weniger frisch als die bodenständigen sonstigen Fäusteleien und Schwertkämpfe. Durchweg klasse dagegen: Der kraftvolle Soundtrack von David Pemberton, der „King Arthur: Legend of the Sword“ einen wahrhaft epischen Touch gibt.
In den Hauptrollen kann Ritchie ebenfalls auf verlässliche Darsteller bauen: Charlie Hunnam ist wie schon in „Pacific Rim“ stark als kerniger Kerl mit halbseidener Raubein-Attitüde, die er von seiner wesentlich abgründigeren „Sons of Anarchy“-Figur übernommen hat, auf der Gegenseite hat man mit Jude Law als Gewaltherrscher mit Angst um die fragile Macht und Ehrgeiz, der vor nichts haltmacht, einen Antagonisten, an dem sich Film und Held wunderbar abarbeiten können. Astrid Bergès-Frisbey ist okayer Support, steht aber immer etwas im Schatten der Männer, so wie auch Akteure wie Eric Bana, Kingsley Ben-Adir, Neil Maskell und Tom Wu launig spielen, aber doch klar in der zweiten Reihe bleiben. Dort können sich Djimon Hounsou und Aidan Gillen noch nach vorne spielen und Akzente setzen; letzterer spielt hier übrigens wieder zusammen mit „Games of Thrones“-Kollegen Michael McElhatton. Fürs weitere Briten-Flair hat man zudem Fußballer David Beckham für eine Nebenrolle verpflichtet.

„King Arthur: Legend of the Sword“ mag als Mythos-Modernisierung nicht ganz die Klasse von Ritchies „Sherlock Holmes“-Filmen erreichen, da die Geschichte doch nicht ganz so pfiffig ist und manche Set Pieces, Megabudget hin oder her, doch noch etwas besser inszeniert sein könnten. Doch auch im sündhaft teuren Blockbusterkino bewahrt Guy Ritchie seine Handschrift und kreuzt die Mittelalter-Fantasy-Saga mit typischen Gangsterfilmeinflüssen – selbst wenn das bedeutet, dass man dem Ganoven Arthur in der ersten Hälfte lieber zusieht als dem Freiheitskämpfer Arthur in der zweiten.


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