Ansicht eines Reviews

Atomic Blonde (2017)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 8 / 10)
eingetragen am 29.08.2017, seitdem 90 Mal gelesen



Stunt-Director David Leitch weiß, wie man Actionszenen dreht, dazu muss man sich nur mal seine imdb-Referenzen anschauen. Das ist auch gut so, denn Story und Dialoge sind nicht gerade die Stärke von ATOMIC BLONDE. Insbesondere letztere hätten gut etwas mehr Schärfe vertragen.

Außerhalb von Action und Style ist hier im wahrsten Sinne des Wortes alles Grauwert. Das liegt nicht an den Schauspielern, immerhin wird hier jede Menge Talent an Charaktermimen aufgefahren. James McAvoy darf seine Arschlochrolle aus FILTH nochmal raushängen lassen und der Film zementiert definitiv Charlize Therons Status als knallharte Actionheldin, die hier nicht nur fantastisch aussieht, sondern auch in großartiger physischer Form ist. Das liegt an den langweiligen Klischees und an der fehlenden Raffinesse, die zu einer solchen Doppelagenten-Nummer zwingend dazugehört. Die Inszenierung ist insgesamt wenig subtil: In nahezu jeder Aufnahme ist die Berliner Mauer im Bild, so wie eben in jedem Paris-Film der Eiffelturm zu sehen sein muss. Natürlich bewegen wir uns hier in stylisch verklärten Fantasie-80ern mit neondurchfluteten Hotelzimmern und Clubs, in denen vor fünf Minuten wahrscheinlich noch Nicholas Winding Refn gedreht hat. Das ist eine Welt, in der alle Frauen Strapse tragen – wo sonst sollen sie die Mikrofone befestigen.

Dazu gibt es einen Soundtrack, der teilweise genauso brachial wirkt wie die heftigen Kampfszenen. Gleich in den ersten 20 Minuten werden uns mit Blue Monday, Major Tom und 99 Luftballons die unvermeidlichen Gassenhauer der 80er um die Ohren geschlagen, und wenn gegen Ende mal die Queen erwähnt wird, ertönt natürlich sofort London Calling von The Clash. Doch glücklicherweise gibt es auch die „coolen“, weniger offensichtlichen und weitgehend vergessenen 80s-Tracks wie Cities in Dust von Siouxsie, The Politics of Dancing von Re-Flex, Voices Carry von Aimee Manns früherer Band ’Til Tuesday, Behind the Wheel von Depeche Mode oder Ministrys Stigmata, hier in einer neu eingespielten Version von Marilyn Manson. Da kommt bei vielen, die in dieser Zeit ihre Jugend verbracht haben, Stimmung auf und man findet es kurz schade, dass man im Kino nicht tanzen kann.

Für die deutschen Zuschauer bietet der Film (zumindest in der Originalfassung) natürlich den besonderen Reiz, dass hier von den Filmdeutschen ausnahmsweise mal echtes Deutsch gesprochen wird. Was die Dialektcoaches von James McAvoy und Eddie Marsan beruflich machen, bleibt allerdings ungeklärt. Gerade für Marsans Stasioffizier hätte man gut auch einen deutschen Charakterdarsteller verpflichten können. Manche Szene, die für den internationalen Markt möglicherweise problemlos funktioniert, ist für ein deutsches Publikum auch tendenziell grenzwertig. Wenn beispielsweise in einer späteren emotionalen Szene eine rührselige Reprise von Nenas Luftballonsong eingespielt wird, dann wirkt das eher unfreiwillig komisch. So wie auch die Besetzung des mysteriösen „Uhrmachers“ mit Nuschelnationalschauspieler Til Schweiger. Und wie die Russen es finden, wenn der KGB-Offizier in seiner Luxus-Suite ein Stück des Regimegegners Vladimir Vissotski hört, sei dahingestellt. Klingt halt schön russisch.

Was definitiv im Gedächtnis bleibt, sind die Actionszenen. Höhepunkt des Films ist ein ausgedehnter, sehr harter und blutiger Häuserkampf, in dem Charlize Theron und ihr Hauptgegner sich quasi bis zur Besinnungslosigkeit prügeln. Dieser Fight geht nahtlos über in eine Autoverfolgungsjagd, bei der die Kamera den Wagen nie verlässt – eine Plansequenz, bei der Stuntleute und Computer zeigen, was sie können. Action, Style und Musik lohnen auch tatsächlich den Kinobesuch, denn wer kann im Heimkino schon die Anlage zu A Flock of Seagulls aufdrehen, ohne dass es vor den Nachbarn peinlich wird?


Surprise me!
"Surprise me!" BETA
Lassen Sie sich überraschen! Wir führen Sie zu einem zufälligen Treffer zu einem Thema Ihrer Wahl... Wollen Sie eine andere Kritik von "Herr Kees" lesen? Oder ein anderes Review zu "Atomic Blonde (2017)"?


Zur Übersichtsseite des Films
Liste aller lokalen Reviews von Herr Kees

Zurück


Copyright © 1999-2017 OFDb.de - Die Online-Filmdatenbank
Alle Rechte vorbehalten.
Nutzungsbedingungen · Werben · Impressum
Hosted by Net-Build



Quicksearch






User-Center

Benutzername: 
Paßwort:
Login nur für diese Sitzung:

·

618 Besucher online


SSL  SSL-gesicherte
Verbindung aktiv


Abonnement


Abonnement - Bitte erst anmelden
Melden Sie sich bitte an, um Abonnements vornehmen zu können



Neue Reviews


Babysitter, The (2017)
Epic - Verborgenes Königreich (2013)
Hot Rod - Mit Vollgas durch die Hölle (2007)
Cryptic Plasm (2013)
Signal, The (2014)



News


Unser News-Bereich wurde überarbeitet und wird in Kürze weiter ausgebaut werden, damit Sie stets aktuell über alle Neuigkeiten rund um die Welt des Films informiert sind.

» Zum neuen News-Bereich