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Dunkirk (2017)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 9 / 10)
eingetragen am 03.08.2017, seitdem 289 Mal gelesen



Wege zum Überleben

"Dunkirk" ist eine simple Story des Überlebensdrangs von 400.000 Alliertensoldaten im zweiten Weltkrieg, eingekesselt von den Nazis und mit dem Rücken zum Meer im französischen Dünkirchen. Doch genauso wie er simpel und geradeaus ist, ist dieses packende Kriegsgemälde ebenso episch, ungeheuer packend und der vielleicht bisher unzugänglichste und gewagteste Film des Meisterregisseurs Christopher Nolan. Er ist so etwas wie sein "Paths of Glory", wenn man ihn schon immer mit Kubrick vergleicht, gemischt mit einem Zeitexperiment und einer tickenden Uhr ums nackte Überleben. "Dunkirk" ist pure Kinomagie und wirft einen so erbarmungslos und hilflos ins Kriegsgeschehen, dass man quasi die komplette Spielzeit unter Strom steht und mitfiebert. Ich glaube die Kante meines Sitzes im Kino ist nun abgerieben. 

Kein Film der kitschig von Helden, Hintergründen und Hoffnungen erzählt, sondern extrem hart (nahezu komplett ohne Blut!) den Krieg direkt um dich herum eskalieren lässt. Und egal wie sehr man da raus will, wie sehr man selbst den gestörteren Soldaten das Überleben gönnt, man staunt nicht schlecht auf Grund der atemberaubenden Kulisse, der Schönheit & Kraft des Krieges. Ein Gegensatz, den wohl nur wenige Filmemacher in der Geschichte des Mediums hingekriegt hätten. Nolan hat es einfach drauf und schafft mit "Dunkirk" einen der besten Kriegsfilme, die je über Kinoleinwände flimmerten. Am besten in 70mm gucken, dann wirken die Bilder noch eindringlicher und überwältigender. Man wagt es kaum zu blinzeln und muss sich ans Atmen erinnern.

Nolan lässt uns rätseln, zittern und vor allem mitdenken, er unterschätzt weder unser Hirn noch unser Herz. Seine Art von Understatement und Potenz in einigen kurzen Augenblicken, hat auf diesem Blockbusterlevel kein Anderer auch nur ansatzweise. Hans Zimmers tickender Soundtrack ist einer für die Ewigkeit und auf bestem Weg genauso prägend zu werden wir das Inception-Oomph. Zusammen mit der vielleicht wuchtigsten Soundkulisse mit Bomben, Motoren und anderen krachenden Effekten, die ich je gehört habe, ergibt das einen Klangteppich, den man trotz (oder gerade wegen) seiner fordernden und anstrengenden Art nie in seinem Leben vergisst. In jeder Einstellung erkennt man die Perfektion und den Drang nach eben dieser - von ein paar der besten Luftkämpfe aller Zeiten bis hin zu echten Schlachtschiffen und tausenden Statisten am Strand von Frankreich. Das ist nicht nur imposant, sondern lässt Gänsehaut-Ehrfurcht den Nacken aufsteigen. 

Angst und Hoffnung, Schönheit und Grausamkeit, Wasser/Erde/Luft verbunden durch Zeit und deren Relativität. Alles wirkt erschreckend realistisch und ich könnte mir gut vorstellen, dass sich genau so alptraumhaft und getrieben Krieg anfühlt. Das verschachtelte Zeitgefüge ist mehr als Angeberei und Gimmick, nimmt jedoch die ein oder andere Überraschung vorweg und wirkt teilweise etwas unnötig redundant. Das ist jedoch mein einziger Kritikpunkt, der zudem Wiederguckwert addiert. Der Rest ist Moviehistory in the Making und technisch der perfekteste Film des Jahres. Guckt ihr 2017 nur einen Film im Kino, dann bitte diesen. Tut euch den Gefallen. Selbst wenn es nur bedingt Spaß macht und eher schlaucht. Am Ende überwiegt trotzdem die Hoffnung, der Stolz und die Freude es geschafft zu haben. Irgendwie. 


Fazit: Krieg in all seiner Härte, Grausamkeit und seltsamer Schönheit. Der innere Überlebenswillen war noch in keinem Kriegsfilm so spürbar, so viral und so künstlerisch wertvoll, gewagt und fast experimentell. Der Film ist eine einzige tickende Zeitbombe und eine große Emotion - tiefe Charakterisierungen zu schaffen war nie sein Ziel, eher das Gegenteil. Mit so manch einem Blick schafft der Film mehr als andere Filme in ihrer halben Spielzeit. Nichts für Gelegenheitsgucker oder Filmfans, die unabdinglich tiefe Figurenzeichnungen und vorgekaute Empathie brauchen. Das hier ist eine große, kraftvolle Filmmasse, die man als fließende Collage einfach über sich schwappen lassen sollte. 


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