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Pieces - Stunden des Wahnsinns (1982)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 2 / 10)
eingetragen am 18.12.2011, seitdem 937 Mal gelesen



Wenn ich schon in der Splatter-Kettensägen-Ecke wildere, darfs ruhig anrüchig sein - prompt stolpert man dabei über einen alten Bekannten, der mit viel Kreativität, aber wenig Talent beschenkt wurde: Juan Piquer Simon.
Nachdem ich ihm schon zum Mittelpunkt der Erde ("Phantastische Reise zum...") und in die Tiefsee ("Sirene1") gefolgt war und dabei stets nur zusammengeklöppelter Trash herausgekommen war, hieß es nun Segel setzen in die Slasherecke mit "Pieces - Stunden des Wahnsinns", dessen generelles Szene-Echo irgendwo zwischen "enorm verstörend hart" und "total lächerlich" changiert.

Tatsächlich neige ich eher Letzterem zu, denn obwohl der Film recht viele Mordszenen graphischer Natur besitzt, ist der Rest ein dermaßen alberner Heuler, daß man einschlafen würde, wäre die Synchro (und ich rede jetzt hier mal von der englischen) nicht so brüllend lustig.

Geschichte gemacht hat schon der Prolog, in der ein kleiner Junge dabei erwischt wird, wie er (unschuldig gezeichnet) ein Puzzle einer nackten Frau zusammensetzt. Doch seine Mutter erwischt ihn dabei und wird sofort zur rasenden Wildsau, darauf bedacht, das üble Werk zu zerstören und ihn als Idioten zu titulieren. Das kommt nicht gut an, denn statt des Müllsacks holt er die Axt aus dem Schrank und belüftet ihr damit rottriefend den Schläfenlappen. Anschließend sägt er sie fleißig auseinander, verklärt sich dann zum Überlebenden eines unbekannten Killers und geht fortan mit einem Trauma zur Schule. Mal abgesehen, daß sich Mittel und Wirkung hier offensichtlich in ihrer Dimension widersprechen, ist das Setting noch eine Spur unterhaltsamer, denn obwohl es angeblich 1942 in Boston stattfindet, gab es zu dieser Zeit höchstwahrscheinlich weder Tastentelefone, noch Plastiktüten und schon gar keine Pornopuzzles mit Posen aus den sleazigen 70er Jahren.

Viel besser oder zusammenhängender wirds danach auch nicht mehr, vielmehr ist nur klar, daß 40 Jahre später der Killer offenbar sein Trauma samt diesem Puzzle wieder hervorkramt und jedesmal, wenn er einen Körperteil in dem Puzzle fertigstellt, dieses auch im realen Leben einem jungen Mädchen entfernt, um sich daraus was Hübsches für den Kühlraum zu basteln. Wieso und weshalb werden übrigens niemals nicht geklärt und warum man damit 40 Jahre gewartet hat auch nicht. Möglicherweise liegt der Auslöser in einer sonst sinnfreien Szene nach dem Wechsel ins Jahr 1982, als eine Studentin auf Rollschuhen in einen gewaltigen Spiegel fährt und ihn das an seine Mami erinnert, die ebenfalls vor Wut was in den Wandspiegel schlug.

Der Rest des Film feiert dann ein spanisches Wiedersehen von italienischen Giallomotiven (der Killer trägt einen dunklen Ledermantel und Fedora), Slashermotiven (das signifikante Keuchen wie bei "Halloween") und Splatterszenen (die unvermeidliche Kettensäge, die nie jemandem auffällt). In diversen Szenen sägt und sticht sich der Psycho also ein lustiges Mobilé zusammen, während Lieutenant Bracken sich zwischendurch mit den Untergebenen, Verdächtigen und einem Schüler der Universität, an der das alles stattfindet, einen Wolf redet.
Besagter Schüler steigt während der Ermittlungen vom Verdächtigen zum Unterstützer einer (relativ inkompetenten) Undercoverpolizistin auf, die den Job annimmt, weil ihr sonst ziemlich langweilig ist.
Diese Form von Logik durchzieht den ganzen Film wie ein hübsches Trashmuster: da ist der Dekan, der eine Enthauptung im Park als unglücklichen Unfall erklärt; das Swimmingpool-Opfer, daß sich einfach nur hätte wieder ins Wasser fallen lassen; der asiatische Uni-Angestellte, der nächtens die gute Polizistin mit Kung-Fu-Moves attackiert und später alles zu einem Fall von schlechtem Chop-Suey macht; die gurrende Studentin, die am Anfang davon schwärmt, daß Kiffen und Vögeln gleichzeitig auf dem Wasserbett das Beste auf der Welt ist und dann genauso stirbt.

In einer geordneten Abfolge wird also entweder gemetzelt (und das technisch wenigstens akzeptabel) oder darüber fleißig getalkt, was aber bei den sinnfreien Fünf-Minuten-Sabbelorgien eher einer Comedy-Nummer gleich kommt. Passend dazu ist, daß der Student schließlich den Täter mittels einer simplen Aktensuche identifiziert, als die Laufzeit dann ziemlich am Ende ist.
Was hier außer den Dialogen und der Psychologie noch nicht funktioniert, ist natürlich das Spielchen mit den roten Heringen, denn aufgrund des Prologs weiß man ja, daß der Täter minimum Ende 40 sein muß und da gibt es maximal genau zwei Verdächtige. Drei, wenn man den bulligen Hausmeister mit der Heckenschere noch dazu nimmt, der es aber meistens sowieso nicht ist. Letzterer wird übrigens von Paul Smith gespielt, der nicht nur ausschaut wie Bud Spencers Lichtdouble und in einer Szene die Prügeleien des Italieners bis ins Details kopiert, sondern auch zwischen 1973 und 1976 in fünf Filmen mit Kollege eine Art B-Version des Spencer/Hill-Duos gab, mit etwas weniger Erfolg allerdings.

Man kann also zwischen zwei Verdächtigen schwanken, wichtig sind aber nur die Mordszenen und die sind ein bißchen besser als der Rest. Da wird schon mal ein Mädel in zwei Teile gesägt oder einer anderen ein Messer von hinten durch den Mund gestoßen, aber zumeist findet das Gröbste doch offscreen statt, vermutlich auch weil das FX-Team eben nicht das von Tom Savini war. Die rote Soße fließt aber reichlich, was außer einem magenschwachen Polizisten aber niemand im Film so richtig zu stören scheint. Für Splatterfans sicher ganz reizvoll, aber nicht so grob, sleazy oder revolutionär, daß man sich an den Film wirklich erinnern müßte.

Einen Gummipunkt gebe ich für den Schluß, der außer dem gewöhnlichen Showdown noch als Krönung ein doppeltes Schockende draufsetzt: eins, das man für geschmacklich bedenklich, aber möglich halten könnte und ein zweites, daß so unerklärlich lächerlich und effekthaschend daherkommt, daß es wirklich gut zu diesem Mitläufer auf der großen Slasherwelle paßt. Als Partyfilm eine bedingte Empfehlung, ansonsten ist das eine weitere von Piquer-Simons Supergurken, so daß ich es gar nicht erwarten kann, irgendwann mal wieder seinen "Cthulhu Mansion" zu sehen, der sogar unter Fans als sein schlechtester gilt. (2/10)


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