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Big Sick, The (2017)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 5 / 10)
eingetragen am 07.12.2017, seitdem 40 Mal gelesen



„Das Leben schreibt die schönsten Geschichten“ – nee, oder?

Kumail (Kumail Nanjiani) ist ein pakistanischer Einwanderer, der sich als Comedian in den USA über Wasser zu halten versucht. Eines Abends trifft er auf die aufgeweckte Studentin Emily (Zoe Kazan). Was mit einem One-Night-Stand hätte enden sollen, entwickelt sich zur ernsten Beziehung. Das Problem: Kumails Eltern bestehen darauf, dass er eine Pakistanerin heiratet. Und Kumail wagt es nicht, ihnen zu eröffnen, dass er stattdessen eine Amerikanerin liebt. Da platzt Emily der Kragen. Sie verlässt Kumail. Und dann sucht sie eine unerwartete und mysteriöse Katastrophe heim.

The Big Sick mag auf der wahren Geschichte seines Hauptdarstellers Kumail Nanjiani basieren; trotzdem fällt der Film perfekt ins Genre der romantische Komödie. Zwei Menschen treffen zufällig aufeinander, necken sich zunächst, verlieben sich und raufen sich zusammen, obwohl das familiäre Umfeld nicht begeistert ist. So weit, so unoriginell.

Was The Big Sick von anderen Romcoms unterscheiden soll, ist das Drama im Zentrum des Films: Emily fällt ins Koma, kurz nachdem sie sich von Kumail getrennt hat. Das bringt Emilys Eltern auf den Plan. Das gebildete und scheinbar biedere Paar (charismatisch gespielt von Holly Hunter und Ray Romano) ist zuerst ruppig, findet dann aber Gefallen an Kumail.

Hier spricht der Regisseur Michael Showalter (Hello, My Name Is Doris) ein Thema an, das in Hollywood-Romanzen mitunter zu kurz kommt: die Rolle der Familie. Die Eltern treten - wenn überhaupt - gerne als Hindernis auf, über das sich das Filmpaar hinwegsetzen muss. The Big Sick sagt hier: „Nein, eine Beziehung lässt sich nicht so einfach von der restlichen Familie trennen.“ Dass Emily über weite Strecken des Filmes eine stumme Kranke ist, beleuchtet diese vernachlässigte Dimension.

The Big Sick nimmt mehrmals die Islamfeindlichkeit auf die Schippe. Dabei bleibt Showalter grösstenteils locker und verzichtet auf eine Moralpredigt. Nur eine überzogene Szene in der Bar kommt belehrend daher, als müsste das Skript mindestens einmal ein Statement setzen.

Das ist ja alles schön und recht, aber macht eine Romcom mit diesen zusätzlichen Zutaten auch gleich einen guten Film? Leider nur bedingt. Ja, The Big Sick ist süss und hip. Aber ihm fehlt die entscheidende Würze. Die Pointen sind doch eher mau, und die ganz grossen Gefühle bleiben aus. Showalter fehlt schlicht die Vision: alles plätschert so vor sich hin. Hier mal ein politischer Kommentar, da mal ein Hauch von Tragik – das reicht dann doch nicht, um sich von der Massenware abzuheben. Auch stilistisch vermag The Big Sick nicht zu überzeugen: die Bilder haben nichts Eigenständiges. Sie befinden sich auf dem Niveau einer uninspirierten Netflix-Serie. Allgemein fehlt es dem Film an Biss. Er ist viel zu nett und glatt.

Trotzdem, allzu böse kann man Showalter und seiner Crew nicht sein. Die vier Hauptdarsteller spielen mit viel Herz auf. Vor allem Zoe Kazan (Ruby Sparks) als neckische Emily macht Spass. Die Flirts zwischen ihr und Kumail sind prickelnd. Über fehlende Chemie zwischen den Schauspielern darf man sich also nicht beklagen. Aber immer wenn man denkt, der Film beschreite neue Pfade, weckt er doch wieder müde Klischees auf. Das ist besonders am Ende ärgerlich.

Man sagt, das Leben schreibe die schönsten Geschichten. Wenn das stimmt, dann sind die schönsten Geschichten gänzlich hollywoodkonform. The Big Sick unterhält, ist an nächsten Tag aber wieder vergessen. Der Film ist keineswegs die zeitgenössische Offenbarung der Romcom, als die er gelobt wird. Dass The Big Sick dermassen eingeschlagen ist, zeigt höchstens, wie schlimm es um die romantische Komödie zurzeit bestellt ist.

5/10


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