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Mumie, Die (2017)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 5 / 10)
eingetragen am 12.06.2017, seitdem 512 Mal gelesen



Sofia Boutella spielt die Tochter eines ägyptischen Pharaos, die ihre gesamte Familie ermordet und einen Pakt mit dem Gott des Todes eingeht, um sich Macht und Unsterblichkeit zu sichern. Allerdings wird die Durchführung des entscheidenden Rituals unterbrochen, ihr lebloser Körper im Zweistromland vergraben und einige wichtige Reliquien von den Kreuzrittern nach England verbracht. Im Irak der Gegenwart legt der Soldat und Antiquitätenräuber Nick Morton, gespielt von Tom Cruise, bei einer missglückten Militäraktion das Grab der mumifizierten Verfluchten frei und entfesselt damit die finstere Macht von Neuem.

Seitdem Marvel mit den Filmen aus seinem fest etablierten Cinematic Universe (MCU) regelmäßig die Kinocharts stürmt, eifern viele dem Erfolgsmodell des von Disney übernommenen Studios nach, darunter Warner mit dem DC-Universum DCEU und der Monster-Combo von King Kong und Godzilla. Und nun versucht auch Universal eine neue Reihe von Kinofilmen zu entwickeln, eine Franchise, die bereits beim Einblenden des Studiotitels als „Dark Universe“ prominent ins Bild gerückt wird. Dafür greift das Studio tief in die eigene Vergangenheit zurück, als Universal noch für Monster- und Gruselfilme stand, als der Werwolf-Mann, der Unsichtbare und Dr. Jekyll/ Mr. Hyde die Kinoleinwände bevölkerten, als sich Bela Lugosi in der Rolle des Graf Dracula seinen Platz in der Filmgeschichte sicherte.

Den Auftakt dazu macht das neuerliche Remake der Mumie, die 1932 erstmals vom späteren „Frankenstein“-Darsteller Boris Karloff verkörpert wurde und bereits 1999 ein überaus erfolgreiches Comeback auf der großen Leinwand feierte, dem diverse Fortsetzungen und Spin-offs folgten. Die Mission bestand nun darin, mit der ikonischen Figur die neue Franchise zu etablieren, mit einer Einführung ins Dark Universe das Publikum anzufixen und mit dem Zugpferd Tom Cruise die Massen ins Kino zu Locken. Doch obwohl dies der Beginn von etwas Neuem und Unverbrauchten sein soll, fühlt sich der Film nur selten wirklich frisch an, stattdessen überwiegt der Eindruck von Einfallslosigkeit und Ideenarmut.

Mit Christopher McQuarrie war zwar der Drehbuchautor von „Die üblichen Verdächtigen“ und „Edge of Tomorrow“ mit von der Partie, doch vom Einfallsreichtum dieser Filme ist „Die Mumie“ leider meilenweit entfernt. Stattdessen wird erst einmal die dutzendfach gesehene Geschichte vom verfluchten Pharao (hier ist es die Pharaonentochter) abgespult, dessen Grab in der Gegenwart von ein paar Unwissenden gefunden wird, die blindlinks in ihr Verderben rennen. Der erfahrene Zuschauer würde am liebsten aufschreien, wenn die Archäologen und Grabräuber allen düsteren Vorzeichen zum Trotz das Grab öffnen und damit den jahrtausendealten Fluch entfesseln. In der Folge entspinnt sich eine wilde Abenteuerstory mit allerlei historischen Bezügen, die sich größtenteils aus bekannten Versatzstücken vergleichbarer Filme zusammensetzt.

Unterhaltsam ist „Die Mumie“ dennoch über weite Strecken, weil Regisseur Alex Kurtzman einen flotten Erzählstil an den Tag legt und mit einem Mix aus Grusel-, Komödien- und Abenteuerelementen für abwechslungsreichen, letztlich aber nicht mehr als soliden Kurzweil sorgt. Er greift auf diverses Ekel-Getier, auf eine Palette Untoter aus verschiedenen geschichtlichen Epochen und ein paar Schauergeschichten aus dem alten Ägypten zurück, kreiert aber nur zweitweise eine dichte Atmosphäre, weil die meisten Schockmomente zu vorhersehbar ausgefallen sind. Aufgelockert wird der Film dabei durch ein paar Gags, die mit der „Mumie“ von 1999 jedoch nicht mithalten können. Auch die Action-Szenen können zwar nicht in der Oberklasse mitspielen, sind aber gut gemacht, perfekt getrickst und haben verglichen mit den CGI-Gewittern von Marvel und DC etwas Handgemachtes. Vor allem der Flugzeugabsturz, der physisch förmlich spürbar wird und bei echten Parabelflügen gedreht wurde, stellt ein kleines Highlight dar.

Auch darstellerisch ist das meiste solide, aber nicht wirklich berauschend. Tom Cruise, der den gewitzten Abenteurer im „Indiana Jones“-Stil verkörpert, zeigt sich wie gewohnt charismatisch und etwas schelmisch, womit er trotz einiger Schwächen bei der Charakterkonstruktion gelungen durch den Film trägt. Da das Schicksal seiner doch eher uninteressanten Figur am Ende eine viel versprechende Wendung nimmt, möchte man trotz dieses holprigen Starts zudem tatsächlich mehr von Cruise und vom Dark Universe sehen. Dazu trägt auch das eingeführte S.H.I.E.L.D.-Pendent von Universal, die Organisation Prodigium bei, die von keinem geringeren als dem prominent mit Russell Crowe besetzten Dr. Jekyll geführt wird (obwohl der erste Auftritt von Mr. Hyde eher enttäuschend ausfällt). Nicht mehr sehen möchte man dagegen von der weiblichen Hauptfigur, der von Annabelle Wallis verkörperten Archäologin. Das liegt weniger an der Schauspielerin als an der dürftigen Charakterkonstruktion, der mangelnden Chemie mit Tom Cruise und der aufgesetzten wie gänzlich unemotionalen Liebesgeschichte.

Fazit:
„Die Mumie“ ist ein durchschnittlicher Blockbuster, der solide unterhält, aber aufgrund der vorherrschenden Ideenarmut schnell vergessen sein dürfte. Insofern ist der Auftakt des neuen Dark Universe von Universal etwas holprig ausgefallen. Ob die forcierte Etablierung der Franchise so gelingt, bleibt vorerst offen, wobei zumindest vereinzelt viel versprechende Ansätze zu erkennen sind, die es wert wären, weiter verfolgt zu werden.

54 %


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