Ansicht eines Reviews

Dunkle Turm, Der (2017)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 5 / 10)
eingetragen am 11.08.2017, seitdem 547 Mal gelesen



Es gibt so viele Stephen King Adaptionen, über die man lieber den Mantel des Schweigens hüllt. Denn einige darunter sind, wenn man ehrlich ist, leidenschaftslos, fernsehformatig, miserabel. Allerdings gibt es Umsetzungen des großen Populärschreibers fürs Kino, die gehören zum Besten, was je an Romanverfilmungen inszeniert wurde. „The Shawshank Redemption" zum Beispiel. Oder „The Green Mile". Wie denkbar undenkbar müssen nun nur die Voraussetzungen für einen Film sein, der versucht, sieben sperrige Romane und ungefähr dreißig Jahre Arbeit in gut neunzig Minuten zu quetschen? Mit der dazu notwendigen Grobheit! Nein, hier gibt es keine Vorschusslorbeeren. Nicht einmal die verhaltene Freude auf eine neue Visualisierung Kings unendlicher Fantasie. Es hätte eines Regisseurs bedurft, der sich Möglichkeiten erkämpft. Der selbstbewusst auf den Tisch klopft und darauf besteht, die schier unerschöpflichen Referenzen (auch Selbstreferenzen) der Reihe ins Lichtspielhaus hinüberzuretten. Der aus der literarischen Kunst Stephen Kings Kinokunst macht. Leider ist Nikolaj Arcel nur ein weiterer europäischer Rekrut der amerikanischen Filmmaschinerie. Ein Auftragsarbeiter, der zu gehorchen hat.

Der elfjährige Jack (Tom Taylor) lebt mit seiner Mutter und seinem Stiefvater in New York. Doch der Junge ist kein Kind wie alle anderen. Er hat Visionen von einem dunklen Turm, der, ganz weit weg irgendwo in der Milchstraße, aus einer kosmischen Suppe ragt. Und er träumt von einem finsteren Mann, einer Art Teufel (Matthew McConaughey), der dieses Gebäude, diesen Ankerpunkt des Universums, zerstören möchte. Sein Umfeld hält ihn erst für verschroben, bald für verrückt, was seine zögerliche Mutter dazu veranlasst, ihm medizinische Hilfe zukommen zu lassen. Als zwei Angestellte einer entsprechenden Einrichtung in der Wohnung aufschlagen und sich vorstellen, erkennt Jack, dass es sich nicht um Fachpersonal handelt, das ihn da abholen will. Es sind die Häscher des Mannes aus seinen Träumen, die ihn entführen wollen. Der Junge ist gezwungen zu fliehen und gerät durch ein Portal in eine fremde Welt, in der ein Revolverheld (Idris Elba), der ihm auch schon oft im Schlaf erschien, noch eine Rechnung mit dem Teufel offen hat. Die beiden tun sich zusammen für den unausweichlichen Konflikt.

Es sind die typischen Leitmotive des jung gebliebenen Geists von Stephen King, die sich auch in dieser einen seiner vielen Märchenwelten brechen. Ein auf den ersten Blick hilfloses Kind stellt sich dem Unbesiegbaren und fordert, ohne das zu wollen, sondern vom Schicksal genötigt, Mephisto heraus. Und der bedient sich auf seiner Suche nach dem Jungen aller möglichen psychologischen Kniffe, die von Begehrlichkeiten hin und her gerissene menschliche Natur zu manipulieren. Es ist die Psychologie des Gut und Böse, die Stephen King von je her so fasziniert, und die aufgrund der kurzen Spielzeit im Film thematisch erwartungsgemäß nur angerissen werden kann. Und das muss man nicht entschuldigen. Denn ein wie auch immer entworfenes Konzept eines solchen Großprojekts muss die Mittel und Wege finden, entweder den Geist der Vorlage zum Leben zu erwecken, oder aber eigene Ideen aus dem Substrat des Originals zu ziehen. Nikolaj Arcel gelingt mit gebundenen Händen nichts von beidem. Wie sollte es auch angesichts der hier so lähmenden Prämisse?

Tom Taylor ist als der junge Star des Films hervorragend besetzt. Eine interessante Physiognomie mischt sich bei ihm mit für sein Alter überzeugendem Spiel. Keine überzogenen Grimassen und kein verlegenes Overacting versalzen hier den Beitrag des unter hunderten Aspiranten gecasteten Jungschauspielers. Idris Elba, der hoffentlich auch in Zukunft weitere Ausflüge in die Actiongefilde unternimmt, ergänzt das ungleiche Team wirkungsvoll und sehenswert. Ihm ist maßgeblich mit zu verdanken, dass „The Dark Tower" trotz seiner vielen Defizite einen gewissen Unterhaltungswert besitzt. Der auch aus anderen Blockbustern gewohnte, leicht verständliche Spaß, den die beiden bisweilen miteinander haben, wird hier im Lichte des düsteren Hintergrunds nicht übersteigert und bereichert so immerhin bestmöglich eine Story, die eigentlich keinen Jux versteht. Und wenn dann noch der sozusagen immer überragende Matthew McConaughey als hassenswerter Dämon auftritt, dann ist so ein Kinoabend wenigstens kein Reinfall. Wenn auch kein Glücksfall.

Zu jeder Minute Film fühlt man sich kalt an das warme Herz des Autors der Vorlage erinnert, das dort irgendwo pocht zwischen den im Vorbeigehen erhaschten Blicken auf eine hier kaum aufgedeckte Dimension der Unterhaltung. Zwar ist „The Dark Tower" nicht das zermürbende Computergemetzel geworden, wie es die anderen Billigentertainer aus den Häusern Marvel und DC in teilnahmsloser Regelmäßigkeit anrichten, doch vermag das nicht darüber hinwegzutäuschen (oder hinwegzutrösten), dass die Originalgeschichte, auch was ihre nur allzu (un)menschliche Kaltblütigkeit anbelangt, Federn lassen musste. Denn wer darf schon im Sommerkino sehen, wie eine sorgende Mutter in Flammen aufgeht? Während also die Intensität der Erzählung verwässert wird und die Obduktion der menschlichen Seele unterbleibt, bleibt es tatsächlich uninteressant, wie es mit den beiden Helden am Ende der (kurzen) Geschichte weitergeht. Und das ist als eigentlich neugieriger Mensch kaum zu ertragen.


Surprise me!
"Surprise me!" BETA
Lassen Sie sich überraschen! Wir führen Sie zu einem zufälligen Treffer zu einem Thema Ihrer Wahl... Wollen Sie eine andere Kritik von "Der Zerquetscher" lesen? Oder ein anderes Review zu "Dunkle Turm, Der (2017)"?


Zur Übersichtsseite des Films
Liste aller lokalen Reviews von Der Zerquetscher

Zurück


Copyright © 1999-2017 OFDb.de - Die Online-Filmdatenbank
Alle Rechte vorbehalten.
Nutzungsbedingungen · Werben · Impressum
Hosted by Net-Build



Quicksearch






User-Center

Benutzername: 
Paßwort:
Login nur für diese Sitzung:

·

874 Besucher online


SSL  SSL-gesicherte
Verbindung aktiv


Abonnement


Abonnement - Bitte erst anmelden
Melden Sie sich bitte an, um Abonnements vornehmen zu können



Neue Reviews


Blood Creek (2009)
Purifiers, The (2004)
Baby's Room, The (2006)
Solange du da bist (2005)
Rezept zum Verlieben (2007)



News


Unser News-Bereich wurde überarbeitet und wird in Kürze weiter ausgebaut werden, damit Sie stets aktuell über alle Neuigkeiten rund um die Welt des Films informiert sind.

» Zum neuen News-Bereich