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Spider-Man: Homecoming (2017)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 7 / 10)
eingetragen am 13.07.2017, seitdem 1001 Mal gelesen



„Gefangen im Rächer-Netz"

Dass die Abstände zwischen den Spider-Man-Reboots immer kürzer werden, hat auch seine Vorteile. Wenigstens muss man jetzt nicht zum dritten Mal binnen 15 Jahren mitansehen, wie der nerdige Teenager Peter Parker von einer radioaktiv verstrahlten Spinne gebissen wird und sich anschließend erst langsam an die dadurch erlangten Superkräfte gewöhnt. Auch die Beziehung zu seiner Tante May sowie der zuweilen etwas zähe innere Konflikt um die mit den neuen Fähigkeiten einhergehende Verantwortung kann getrost geskippt werden. Wer nur einen der letzten fünf Spider-Man-Filme gesehen hat, weiß längst Bescheid und wird den schnellen Vorlauf problemlos meistern.

Natürlich geht es auch in „Spider-Man: Homecoming" um das (nicht immer) fröhliche Hin und Her zwischen alltäglichen Teenagerproblemen und denen eines waschechten Superhelden. Schließlich macht das den besonderen Charme der Figur aus und unterscheidet ihn auch recht deutlich von seinen Marvel-Kollegen, namentlich den Avengers. Mit denen muss er allerdings dennoch enger in Verbindung gebracht werden, schließlich hat man sich beim Marvel Cinematic Universe das hehre Ziel gesetzt, so ziemlich alles und jeden mit so ziemlich allem und jedem zu verknüpfen. Also durfte Neu-Spidey Tom Holland schon beim letzten „Avengers"- äh „Captain America"-Ableger ran und gleich mal illustre Superheldenluft schnuppern.

Man kennt sich also schon, was Tony Starks (alias Iron Man) etwas unmotivierte Kurzauftritte zumindest plausibel macht. Das Avengers-Alphatier als Mentor für den juvenilen Spinnenmann einzusetzen ist eine pfiffige Idee, aus der „Homecoming" aber leider zu wenig Potential schöpft. Vielleicht taugt Robert Downey Jr. auch einfach nicht zum Pausenclown, denn seine hibbelige, neurotische, zwischen Sarkasmus und Narzissmus hüpfende Egomanie braucht die große Bühne mit dementsprechenden Auftritt. Hier wird er schlicht als schnöder, roter MCU-Faden verheizt, was aber wenigstens verknüfungstechnisch einigermaßen funktioniert.    

Tom Holland dagegen ist ein Glücksfall für den Film, der immerhin die nicht unproblematische Hypothek mit sich herumschleppt im Prinzip überflüssig zu sein. Er ist erkennbar natürlicher als seine beiden Vorgänger, die es in punkto Nerdtum (Tobey Maguire) und Gedankenschwere (Andrew Garfield) jeweils ein wenig übertrieben hatten. Und er ist deutlich jünger, was besser zur originalen Comicfigur und den in allen Filmen verhandelten Pennäler-Problemen passt. Dass Holland die Jugendlichkeit des Helden am glaubwürdigsten darstellt, ist nicht zuletzt ein Verdienst seines Regisseurs.

Natürlich ist auch Jon Watts („Cop Car") ein Prototyp der Marvelschen Besetzungsmasche für die heiß begehrten Regieposten. Man nehme einen unverbrauchten jungen Filmemacher, der bereits mit ein zwei gefeierten Independent-Produktionen auf sich aufmerksam gemacht hat. Das wirkt progressiv und mutig. In Wahrheit lassen sich die dergestalt Umgarnten sehr leicht kontrollieren, da die Kombination aus Dankbarkeit und Unerfahrenheit mit solchen Mammut-Produktionen die eigene Position nicht gerade stärkt. Der schlagende Beweis ist die unverkennbare Uniformität der inzwischen zweistelligen MCU-Ableger hinsichtlich Inszenierung, Ton und Ausrichtung.

Wenigstens bekommt Watts hier mehrfach Gelegenheit seine Stärken auszuspielen und die liegen vor allem darin, Kinder und Jugendliche in für sie typischen Situationen ungekünstelt und lebensnah zu inszenieren. Zwar wurden ihm auch hier ein paar Knüppel in Form einer allzu aufgesetzt wirkenden Ethnien-Vielfalt zwischen die Beine geworfen, dennoch wirkt Peter Parkers Alltag zwischen High-School-Problemen, Buddy-Kabbeleien und ersten Schwärmereien für das andere Geschlecht erfreulich frisch, frech und unverkrampft. 

Es ist eine unbedingte Stärke des Films, dass diesem Bereich einigermaßen viel Platz eingeräumt wird. Denn die für einen Superheldenfilm unvermeidlichen Elemente Action und Bad Guy laufen nicht ganz so rund. Vielleicht hat man die freundliche Spinne aus der Nachbarschaft einfach auch schon zu oft durch die New Yorker Häuserschluchten schwingen sehen. Ein Wow-Effekt wie weiland bei Sam Raimis Erstling will sich einfach nicht einstellen. Dass ausgerechnet in der spektakulärsten Actionsequenz - dem Auseinanderbrechen einer Staten Island-Ferry - die Gesetze der Physik malträtiert werden und Spidey auch noch die Hilfe Iron Mans benötigt, ist ein zusätzlicher Dämpfer. Diesen eher durchschnittlichen Eindruck kann auch der obligatorische Schlusskampf mit dem geflügelten Waffenhändler Adrian Toomes (alias „The Vulture") nicht verwischen, zu lang, zu eintönig und zu CGI-lastig wird hier gerauft.

Immerhin ist Michael Keaton endlich mal ein einigermaßen bodenständiger Widersacher mit sogar so etwas wie gesellschaftspolitisch relevanten Motiven. Zwar bedient er sich außerirdischer Technologie, verfügt aber über keinerlei Superkräfte und ist zur wohltuenden Abwechslung auch nicht wahnsinnig oder sonst auf irgendeine Weise verrückt. Schade nur, dass Keaton so wenig gefordert wird und seine interessante Figur damit relativ oberflächlich bleibt.

Ob das im unweigerlichen Sequel besser wird, ist eher fraglich. Wahrscheinlich wird weiter an der Action- und Spektakelschraube gedreht und die Avengerisierung Spideys forciert werden. Der erfrischenden Natürlichkeit des zwar innovationsarmen aber unterhaltsamen Erstlings wird das vermutlich nicht in die Karten spielen. Das Team Holland-Watts hat hier aber hoffentlich noch ein Wörtchen mit zu reden. Denn wie heißt es so schön: „Aus großer Kraft folgt große Verantwortung."


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