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Spider-Man: Homecoming (2017)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 7 / 10)
eingetragen am 12.08.2017, seitdem 176 Mal gelesen



Dass der dritte Anlauf in Sachen „Spider-Man“ mit „Homecoming“ betitelt wurde, ist eine Mehrdeutigkeit: Einerseits fokussiert er sich stärker auf das Teenager-Dasein seines Helden, zu dem auch der Homecoming-Ball am Ende des Schuljahres gehört, zum anderen ist er der erste Solofilm um Spider-Man, der von den Marvel Studios mitverantwortet wurde, obwohl Sony weiterhin die Rechte an der Filmfigur und der Reihe besitzt.
Nachdem der neue Spider-Man seinen ersten Auftritt bereits in „Captain America: Civil War“ hatte, sieht man seine dortige Performance inklusive Vorbereitung und Nachspiel noch mal aus seiner Perspektive, als Handyfilm für den Hausgebrauch inklusive entsprechendem Bildformat. Von Tony Stark (Robert Downey Jr.) alias Iron Man bekommt Spider-Man Peter Parker (Tom Holland) auch noch den Spinnenanzug aus „Civil War“ als Abschiedsgeschenk sowie die Ermahnung erst einmal im Kleinen als freundliche Spinne aus der Nachbarschaft zu wirken, was seine zeitweilige lizenzbedingte Abwesenheit in manchem zukünftigen Marvel-Film erklärt, gleichzeitig aber eine Verbindung zwischen Sonys Spider-Man-Kosmos und dem MCU aufrechterhält.
Während Peter vergeblich auf seine nächste Mission wartet, baut der Film noch eine Verbindung zum MCU auf, in der Figur des Bauunternehmers Adrian Toomes (Michael Keaton), der zu der Crew gehört, die nach den Ereignissen aus „The Avengers“ New York aufräumen sollten. Als eine von Stark Industries und der Regierung berufene Behörde sie absägt, trotz Investitionen in den Auftrag, klauen Toomes und seine Crew Alien-Artefakte, die sie rund 8 Jahre später zu allerlei Waffen und Gadgets umgebaut haben, darunter Adrians Anzug, mit dem er als Vulture, der Geier, durch die Gegend fliegt. Damit präsentiert „Spider-Man: Homecoming“ einen Bösewicht, der trotz seiner mechanischen Flügel erfreulich auf dem Teppich geblieben ist: Adrian geht es ums Geldverdienen, um die Finanzierung seiner Familie in harten Zeiten, auch wenn er dabei Kriminelle mit schweren Superwaffen versorgt.

Natürlich stößt auch Peter als Beschützer der Nachbarschaft irgendwann auf die Teile und versucht Stark darüber zu informieren, hat aber das Gefühl dabei auf taube Ohren zu stoßen. Also macht er sich selber auf die Suche nach dem Waffenhersteller, während nebenher noch der Schullalltag bewältigt werden will…
Und genau dieser Schulalltag macht einen großen Teil von „Spider-Man: Homecoming“ aus, der sich mehr noch als seine Vorgängerfilme im Bereich des Highschool- und Coming-of-Age-Genre verortet. Die Lehrjahre des Helden sind dankenswerter auch mit Fehlschlägen verbunden: Kleinen, wie beim Stolpern und Fallen während des Schwingens und Landens, und großen, wie sich ungefähr zur Zweidrittelmarke des Films zeigt. Das benötigt auch das gelegentliche Eingreifen Starks oder seines leitenden Mitarbeiters Happy Hogan (Jon Favreau), was leider auf die Dauer etwas penetrant wirkt – ob die Szenen nun auf den Wunsch von Marvel Spider-Man stärker ins MCU einzugliedern zurückgehen, Sony mehr Hauch von der Erfolgsfranchise im eigenen Film haben wollte oder beides zusammenkam, ist dabei letzten Endes auch egal. Denn zu oft wirken diese Szenen als Bremser, zumal Stark nur ein paar Sprüche raushaut, bei seiner Interaktion mit dem jungen Peter manchmal Momente aus „Iron Man 3“ wiederkäut, indem er ebenfalls einen Jungen protegierte, und eben nicht genug Raum hat um jene Süffisanz zu entfalten, welche die Figuren bei anderen MCU-Auftritten hatte.
Deutlich gelungener sind da die Auftritte von Captain America (Chris Evans), der hier in einigen Lehrfilmen zu sehen ist, die amüsant auf den zweifelhaften Nutzen und die mangelnde Aktualität derartiger Maßnahmen hinweisen und gleichzeitig das Good-Guy-Image des Captains als vorbildlicher Amerikaner parodieren. So ist „Spider-Man: Homecoming“ insgesamt auch deutlich komödiantischer als seine Vorgänger, eben auch wegen des Teen-Comedy-Einschlags, der durch einen Verweis auf „Ferris macht blau“ noch unterstrichen wird. Auch Spider-Man selbst hat ein größeres Mundwerk – vor allem als in den Raimi-Filmen, aber auch als in den Webbs „Amazing Spider-Man“-Werken, in denen er schon vorlauter war. Insgesamt trifft auch ein überwiegender Teil der Gags ins Schwarze, manche Hampelei hingegen ist etwas unlustig und gewollt, aber vielleicht ist auch das etwas was zum Teenagersujet und einem Spider-Man passt, der seinen Platz noch finden muss.

Immerhin denkt der Film, dass Zuschauer den Platz von Spider-Man in der Popkultur nach fünf Vorgängerfilmen bereits kennt, weshalb das zweite Reboot den Spinnenbiss und Onkel Bens Tod weglässt und zügiger zur Sache kommt, auch wenn das Grundmuster bekannt ist: Peter lebt bei Tante May (Marisa Tomei), jagt des Nächtens Verbrecher, legt sich mit einem wissenschaftlich hochgerüsteten Schurken an, ist Außenseiter an der Schule und versucht ein beliebtes Mädel an der Schule zu beeindrucken – das ist hier aber nicht Mary Jane Watson oder Gwen Stacy, sondern Liz (Laura Harrier). Wobei die Romantik deutlich kürzer kommt als in den Vorgängerfilmen und man mehr auf Peter als Teil des Wissenschafts-Decathlon-Teams eingeht. Auch als Außenseiter wird er weder so sehr gemobbt wie bei Raimi noch ist er so in sich gekehrt wie bei Webb, sondern in erster Linie in Rivalität mit dem reichen Schnösel Flash (Tony Revolori), der in aber eher vorführt als physisch angeht.
Physisch sind dann eher die Auseinandersetzungen mit verschiedenen Gegenspielern, von Straßengaunern bis hin zu Toomes und seinen Leuten, wobei „Spider-Man: Homecoming“ dabei ähnliche Schwachstellen wie seine Vorgänger hat: Bisweilen könnten die Kämpfe des Spinnenmanns etwas körperlich sein (das bekam „The Amazing Spider-Man“ anno 2012 noch am besten hin) und der CGI-Einsatz weniger, was sich vor allem im Finale in und um ein startendes Flugzeug zeigt. Andere Szenen sind deutlich stärker, etwa eine Rettungsaktion am Washington Monument, aber „Spider-Man: Homecoming“ profitiert davon nicht primär auf Action zu setzen, denn da hat man im aktuellen Superheldenfilm schon Stärkeres gesehen.

Jon Watts, der zuvor den Horrorfilm „Clown“ und den Thriller „Cop Car“ im Low-Budget-Bereich drehte, gibt sich keine Blöße, lässt aber auch wenig eigene Handschrift erkennen in diesem dennoch vergnüglichen wie temporeichen Comic-of-Age-Superheldenfilm, der immer wieder Bezug auf das Aufwachsen in der heutigen Medienlandschaft nimmt und mit flotter Musik unterlegt ist, die zum Glück nicht nur auf Aktuelles setzt – „Blitzkrieg Bob“ von den Ramones geht halt immer. Einen netten Twist kurz vorm titelgebenden Homecoming-Ball gibt es auch sowie einige gelungene Zwischentöne, etwa wenn ein Straßenräuber zwar kriminell ist, aber gleichzeitig das Ausrüsten von Kriminellen mit Alienwaffen nicht gutheißt.
Dass dieser Räuber von Donald Glover gespielt wird, ist ein Insider-Gag, da der vor allem als Komiker bekannte Darsteller sich im Vorfeld des ersten Reboots von 2012 als potentieller Hauptdarsteller und erster schwarzer Spider-Man im Film in Stellung brachte, woraus dann nichts wurde. Solche kleinen Besetzungscoups hat „Spider-Man: Homecoming“ mehrfach zu bieten, darunter Martin Starr als Lehrer, Kenneth Choi als Rektor sowie Logan Marshall-Green und Bokeem Woodbine als Teil von Toomes‘ Crew. Jennifer Connelly spricht das Siri-artige Betriebssystem von Spider-Mans Anzug, während Robert Downey Jr., Jon Favreau und Gwyneth Paltrow routiniert ihre MCU-Rollen verkörpern. Mehr als routiniert ist Tom Holland in der Titelrolle, der als unsicherer, vorlauter Teenager auf ganzer Linie überzeugt, so wie auch Marisa Tomei als fürsorglichere und hier wesentlich energischere Tante May. Im Cast, der den ethnischen Schmelztiegel New York wesentlich stärker reflektiert als die Vorgängerfilme, geben sich Zendaya, Laura Harrier, Tony Revolori, Angourie Rice und Jacob Batalon als Schulkameraden Peters die Ehre – letzteres als vorlauter Freund und Comic Relief, der manchmal etwas drüber ist. Am besten aber trumpft Michael Keaton auf, der einen nachvollziehbar menschlichen Schurken abgibt, wobei seine Rolle natürlich auf „Birdman“ verweist, der wiederum auf seine „Batman“-Parts Bezug nahm.

Insofern ist „Spider-Man: Homecoming“ einerseits ein Superheldenfilm, der gewisse Routine- und Abnutzungserscheinung beim dritten Spider-Man-(Neu-)Start innerhalb von 15 Jahren nicht verbergen kann, in Sachen Action nur begrenzt überzeugt und bei dem nicht alle Gags sitzen. Jedoch fängt er den Teenagerstatus von Peter Parker vielleicht am besten von allen bisherigen Filmen ein, kann auf einer der besten und menschlichsten Spider-Man-Gegenspieler setzen und grenzt sich durch seinen etwas anderen Ansatz erfreulich von den Vorgängern ab. Gut besetzt ist „Spider-Man: Homecoming“ auch noch und kann mit seinem Coming-of-Age-Plot über die Lehrjahre eines noch ausgesprochen fehlbaren Helden punkten. 6,5 Punkte meinerseits.


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