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Accident Man (2018)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 7 / 10)
eingetragen am 13.02.2018, seitdem 279 Mal gelesen



Schon seit Jahren arbeitete Scott Adkins als Drehbuchautor an einer Leinwandadaption des wenig bekannten britischen Comics „Accident Man“, bis sich – dank Sony-Finanzierung – die Chance auf Realisierung des Projekts ergab. Für die Regie gewann er seinen Landsmann Jesse V. Johnson, mit dem er zuvor „Savage Dog“ gedreht hatte.
Mike Fallon (Scott Adkins) wird auch Accident Man genannt, da der Londoner Profikiller seine Morde stets nach Unfällen aussehen lässt – oder auch mal nach einem Selbstmord, wie die Auftaktszene zeigt. Die aufgestaute Energie, von ihm als PMT (Post-Murder Tension) bezeichnet, entlädt er gern bei Schlägereien in zwielichtigen Pubs. Außerdem hängt Mike noch seiner Ex-Freundin Beth Carpenter (Brooke Johnston) nach, die ihn für eine Frau, Charlie Adams (Ashley Greene), verließ. All das kriegt der Zuschauer in Wort und Bild zugetragen, denn den Film begleitet ein meist sarkastischer Off-Kommentar, der gelegentlich an die Antihelden-Comicadaption „Deadpool“ erinnert, die durchaus ein Einfluss auf „Accident Man“ gewesen sein könnte.
Ein Pub, in dem sich Mike dagegen nicht prügelt, ist der von Big Ray (Ray Stevenson). Big Ray ist der Chef von Mikes Profikillerorganisation, die ihre Aufträge über den Mittelsmann Milton (David Paymer) bekommt. Die wahrhaft comichaften, illustren Kollegen mit verschiedenen Stilen für jeden Klientenwunsch: Carnage Cliff (Ross O’Hennessy), ein axtschwingender Serienkillertyp; Poison Pete (Stephen Donald), ein – der Name sagt es schon – Giftmörder, dessen asoziales Verhalten und Körperhaltung an Gollum erinnern; Mick (Michael Jai White) und Mac (Ray Park), zwei ehemalige Special-Forces-Soldaten, die ihre Taten als Gewaltverbrechen mit Zufallsopfern tarnen; Jane the Ripper (Amy Johnston), die ihre weiblichen Reize ebenso wie ihr Katana einsetzt; und Finicky Fred (Perry Benson), der stets nach neuen Erfindungen sucht um Leute auf kreative Weise aus dem Leben zu bringen.

Das geordnete Killerleben hat jedoch ein Ende, als Milton Mike persönlich zu einer Geldübergabe schickt, was nicht dem Protokoll entspricht. Dort versucht man Mike umzubringen, doch der erledigt den Attentäter. Als dann noch Beth unter Umständen zu Tode kommt, die Mike nicht ganz geheuer sind, sucht der Profikiller in seiner eigenen Szene nach Antworten…
Dass das Ganze darauf hinauslaufen wird, dass Mike mit den Kollegen Stress bekommt, ist von Anfang an klar. Auch die Gründe für Beths Ermordung sind absolut zweitrangig und kein wichtiger Plotpunkt, weshalb Mikes Recherchen in erster Linie dazu sind um den Film am Laufen zu halten. Interessanter sind da Nebenhandlungsstränge, welche die Mördersuche anreichern: Eine lange Rückblende, die Mikes Einstiegs ins Mordgeschäft zeigt und seine Beziehung zu Big Ray verdeutlicht, oder jene Szenen, in denen sich Mike und Charlie annähern, nachdem sie sich ursprünglich spinnefeind waren. „Accident Man“ mag dabei nicht allzu tief schürfen, verpasst seinen Comiccharakteren, zumindest jenen in den Hauptrollen, genug Profil, dass sie nicht einfach nur grelle Abziehbilder bleiben und das Interesse des Zuschauers gewahrt bleibt.
Was nicht bedeutet, dass „Accident Man“ keinen starken Comictouch hätte: Gerade die Killerkollegen sind für einige schräge Einlagen gut, während die Farbgebung oft auf bunte Töne setzt und die Inszenierung mit Freeze-Frames und ähnlich akzentuierenden Stilmitteln an Vorbilder wie Guy Ritchies Frühwerk, vor allem „Bube Dame König grAs“ und „Snatch“, erinnert. Mit seiner schrägen Killerschar mag „Accident Man“ auch an „Smokin‘ Aces“ erinnern, überflügelt den unausgegorenen Carnahan-Film aber spielend, und das, obwohl das Budget sichtlich knapp war. Doch selbst mit beschränkten Ressourcen gelingt Jesse V. Johnson immer noch ein comicartiger Look, den das Voice-Over noch unterstreicht. Für schräge und bisweilen sehr schwarzhumorige Gags ist da noch Platz (gerade wenn Mike von seinem Geschäft berichtet), während in manchen Dialogen zumindest kurz Dinge wie der Brexit, die Stellung von Frauen in Männergenres und die Toleranz in der britischen Gesellschaft angerissen werden. Es bleibt bei solchen kleinen Verweisen, aber sie zeugen davon, dass „Accident Man“ alles etwas frischer und energetischer als die B-Actionkonkurrenz angeht. Schön ist auch der In-Joke, wenn Mike eine Pflasterpackung der Marke Adkins in die Hände bekommt, oder wenn beim Fight mit einem Attentäter (in schwarz-gelber Motorradkluft!) die mangelnde Praktikabilität vom Bruce-Lee-Kampfstil mit Schreien und Posen in einem echten Straßenkampf aufgezeigt wird.

Besagten Attentäter gibt Fight Choreographer Tim Man, der in dieser Funktion bereits die Adkins-Vehikel „Ninja – Shadow of a Tear“, „Eliminators“ und „Undisputed IV“ betreute. Zwar sprechen hier auch mal die Schießprügel, aber wenn, dann nur kurz und Mike begibt sich sowieso stets in den Nahkampf. Dabei sind die Einlagen wieder akrobatischer und weniger geerdet als bei der vorigen Adkins-Johnson-Kooperation „Savage Dog“, liefern stattdessen famose Martial-Arts-Einlagen mit mal wieder furiosen Sprung- und Kickeinlagen des Hauptdarstellers. Zur besonderen Fanfreude sind auch die Reihen der Gegner entsprechend aufgestellt: Ein Kampf gegen Ray Park und Michael Jai White ist ein frühes Highlight, ein weiteres kommt mit dem Fight gegen Amy Johnston. Die Einstellungen sind lang, der Schnittrhythmus und die Kamera ruhig, wodurch die Choreographie stets in voller Pracht zu bewundern ist. Das Finale ist dagegen wenig actionreich, wirkt aber nicht antiklimaktisch, da es hier vor allem um die persönliche Beziehung von Mike und Big Ray geht, die an den vorigen Ereignissen zerbrochen ist.
Dass „Accident Man“ ein Herzensprojekt für Scott Adkins war, merkt man dem Film an: Der verlässliche Actionstar geht hier besonders in der Rolle des abgebrühten Hitmans auf, der unter seinem Zynismus doch noch einen Kodex hat. Ray Stevenson als Killerpatriarch ist ebenso eine Schau, während Amy Johnston, Michael Jai White und Ray Park sichtlich Freude daran haben Killer zu spielen, die sich über mehr als nur ihre Klopperfähigkeiten auszeichnen. Noch schräger sind Ross O’Hennessy, Stephen Donald und Perry Benson, die weniger für Action, sondern mehr für den abseitigen Humor des Films da sind, das aber mit Freude erledigen. David Paymer als wieseliger Mittelsmann passt ebenfalls, während Ashley Greene in ihren wenigen Szenen durchaus Akzente setzen kann.

„Accident Man“ hat seine Macken, die den Aufstieg zur Königsklasse des B-Actionfilms behindern: Der Mainplt ist zweitrangig, das Budget sichtbar knapp und mancher Fight könnte noch etwas mehr ausführlicher sein (etwa die zweite Begegnung mit Mick und Mac). Dafür hebt sich der Film durch seinen britischen Schauplatz und dem Comictouch wohltuend von seinen Genrekollegen ab, bietet eine toll aufgelegte Besetzung und vor allem glänzend choreographierte Kampfszenen, die mit Scott Adkins, Michael Jai White, Ray Park und Amy Johnston gleich vier Könner an den Start schicken.


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