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Irgendwann in Mexico (2003)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 3 / 10)
eingetragen am 21.09.2006, seitdem 418 Mal gelesen



Die einen sagen, es sei der dritte Teil der Mariachi-Trilogie, die anderen behaupten, es wäre ein simples Remake von "Desperado". Im Endeffekt sind sich ja alle Filme um den Schießwütigen mit dem Gitarrenkoffer relativ gleich, dennoch war und bin ich großer Fan von "El Mariachi" und eben jenem genannten "Desperado". Letzten vergöttere ich ja gerade zu, denn Quentin Tarantinos auftritt ist und bleibt legendär und auch sonst versprüht der Film so viel Witz, Action und Coolness, dass es wirklich eine wahre Freude ist, ihn sich anzuschauen. Immer wieder. "El Mariachi" sah man noch das fehlende Budget an und somit war klar, dass "Desperado", zusätzlich noch mit Größen wie Antonio Banderas und Salma Hayek und Kultschauspielern wie Cheech Marin oder Danny Trejo ausgestattet, bunter, knalliger und ausgeflippter, auch ganz einfach professioneller werden würde.

Was aber nun "Irgendwann in Mexico" darstellen soll, dass frag ich mich bis jetzt noch. Einen solch konfusen, demotivierten Film hab ich schon lang nicht mehr gesehen. Sicher sind die 97 Minuten ganz gute Unterhaltung, es scheppert, explodiert an jeder Ecke, es fließt und spritzt eine Menge Blut und ein hübsches Waffenarsenal kommt auch wieder zum Einsatz. Doch was hat Robert Rodriguez denn da geritten ? Es war schwer, "Desperado" zu toppen oder zumindest zu erreichen, aber "Irgendwann in Mexico" ist eine Peinlichkeit, die ihresgleichen sucht. Rodriguez hat doch gezeigt, was er kann. Und nun solch ein Haufen Dreck, das nicht mal als Bewerbungsvideo für eine Amateurfilmerschule gut genug ist. Wirre Schnitte, eine sinnlose Story ohne jegliche Übersicht und sehr bizarre und fragwürdige Charaktere. Da sollten wohl ein William Dafoe oder ein Mickey Rourke engagiert werden, um die Poster und die Trailer zum Film interessanter und werbungstechnisch besser zu machen, doch diese beiden Darsteller retten Nichts. Im Gegenteil. So etwas wie einen Hauptdarsteller gibt es hier eh nicht. Denn in 97 Minuten wird so viel korruptiert, verarscht und ausgenutzt, dass man zum Schluss kaum mehr weiß, wer eigentlich wem an die Wäsche wollte und vor allem, was überhaupt der Zweck des Ganzen sein soll. Ein Präsident, ein Präsidentschaftsgegner, ein CIA-Agent, der Mariachi und ein paar andere Killer und fertig ist das Chaos. Enden wird das Alles in einem sinnlosen Geballere und In-die-Luft-Gejage, dass Peinlichkeiten wie ein Enrique Iglesias fast untergehen. Aber auch nur fast. Wie er seinen ersten Auftritt in einer Bar hat, in der man ihn nur in Schattierungen auf einer Bühne performen sieht, das soll anscheinend Adrenalinstöße beim Zuschauer hervorrufen. Die Optik kann oft so viel retten, hier ist jedoch Hopfen und Malz verloren.

Selbst als eigenständiger Film überzeugt mich "Irgendwann in Mexico" nicht. Es ist ja nicht so, dass ich mir einen zweiten "Desperado" erwartet hätte, sondern wenigstens etwas Engagement oder Innovation. Die Story ähnelt der des Vorgängers doch recht sehr, wodurch dieses miese Machwerk für mich nur eine Art Remake darstellt. Und was wiederum SInn und Zweck war, "Desperado" noch einmal neu aufzupeppen, das frag ich mich immer noch. Anscheinend kann mit Geld echt so viel erreicht werden. Denn einen anderen Grund außer schnelles Geld oder Schaffungsdrang und -zwang gibt es für mich nicht. Einen Film machen WOLLEN schaut anders aus. Das hier kann nicht gewollt und vor allem nicht freiwillig gewesen sein. Denn auch ein Antonio Banderas ist hier so hoffnungslos verloren wie ein 60er im Bayernblock. Vor allem ziert er den Bildschirm auch gar nicht so oft, wie man es eigentlich vermuten oder wünschen möchte. Da werden Schauplätze und Szenen gewechselt, wie man es gerade braucht. Man schnuppert in das CIA-Wesen herein, der böse Marquez und seine Mannen werden einem vorgestellt und daweil vergisst man so herrliche seine Hauptpersonen, dass man sich wirklich frägt, ob hier überhaupt irgendwelche Identifikationsfiguren geschaffen hätten werden sollen. Denn der Verlauf des Films, auch wenn ich mir den Ausgang so ziemlich denken habe können, war mir so unglaublich egal, dass trotz dauernder Schießereien oder anderen Gewalttätigkeiten langsam aber sicher der Schlafreiz eingesetzt hat. Der neue Trend, durch brutale Szenen die Qualität eines Films zu steigern, schlug nämlich hier auch fehl, denn die Kopfschüsse oder Augenentfernungen wurden so selten dämlich inszeniert, dass man sich wirklich frägt, wer hier für die Maske verantwortlich war. Wahrscheinlich dieselbe Person, die auch für die Logik zuständig war. Schon klar, ich hab mir sicher keinen realitätsnahen Actionfilm erwartet, keine Angst. Doch da wird ein augenloser Johnny Depp von einem kleinen Jungen durch die gefährlichen Straßen geführt, als ob das ein Kinderspiel wäre. Noch dazu knallt Johnny Depp alias CIA-Agent Sands ohne Augen jedem eine Kugel ins Hirn, als ob es eine Verständlichkeit wär. Früh übt sich und so weiter. Also alles was recht ist und Leute fliegen sicher nicht 30 Meter weg, wenn man sie abknallt, aber in "Desperado" war das eben noch ein Art Meilenstein und "cool". Wenn aber in "Irgendwann in Mexico" blinde Personen besser und schneller schießen als welche mit Augenlicht, dann mag was nicht stimmen. Wahrscheinlich sollte das auch Kult werden, genauso wie Sands Nummer mit dem Küchenchef. Naja, ein Versuch wars Wert.

Ach, so eins nebenbei. Es geht noch schlechter. So ist es nicht. Die Optik motiviert ab und zu noch etwas, weiterzuschauen, genauso wie der lateinamerikanische Soundtrack. Und für die ein oder andere Schießerei bin ich auch immer zu haben. Bei einem Actionfilm. Dass "Irgendwann in Mexico" aber so ein Reinfall mit so wenigen Ideen, mit so schlechten und kaum vorhandenen Onelinern, so miesen Darstellern und einer so schlecht konstruierten, verwirrenden Story sein wird, hab ich mir in meinen größen Albträumen nicht ausdenken können. Wenn ich nicht wüsste, dass Rodriguez auch hier Regisseur und noch so Einiges war, ich würde es auf keinen Fall glauben. Irgendwas war bei der Herstellung des Films faul. Anders kann ich mir solch ein Machwerk, wie dieses das in wirklich große Fußstapfen hat treten müssen, nicht ergründen. Ich bin fast sprachlos und zutiefst enttäuscht, was sich mir hier geboten hat.

3/10 Punkte


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