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Irgendwann in Mexico (2003)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 6 / 10)
eingetragen am 27.09.2003, seitdem 793 Mal gelesen



Es war einmal in Mexiko, als ein junger, heißblütiger 24-Jähriger mit Freunden und einem schmeichelhaftem Budget von 7.000 Dollar einen kargen, wenig spektakulären, aber mit reichlich Charme versehenen Actionfilm namens "El Mariachi" drehte - der Kult um den mysteriösen Gitarrenspieler war geboren. Und Robert Rodriguez wusste ihn drei Jahre später in "Desperado" perfekt fortzusetzen. Ob Remake oder Sequel; darüber streiten sich die Geister noch heute. Nicht viel anders ist es bei "Irgendwann in Mexico", Rodriguez' neuster Wiederbelebung des Stoffes.

Eins sollte gleich vorweg geschickt werden: Der lang ersehnte Nachfolger wird in den seltensten Fällen die Erwartungen des Zuschauers erfüllen. Den ersten wird bereits die Tatsache übel schmecken, dass der Mariachi (Antonio Banderas) und sein Mythos hier nur eine sehr verhaltene Rolle einnehmen. Gebrochen und ohne erkennbaren Lebensmut vegetiert er psychisch mehr oder weniger vor sich hin. Warum, erfahren wir bald aus den Rückblenden. Sein lethargisches Verhalten verhindert zunächst das Auftreten des Gitarrenspielers, wie wir es aus dem Vorgänger kennen. Stattdessen versucht sich der Plot in eine andere Richtung zu wälzen, erinnert zwischenzeitlich aber immer wieder mal an das altbackene Rachemotiv des Mariachis. Politische Probleme bilden diesmal eine wesentliche Komponente, die jedoch von anderen Elementen, aus den Motiven weiterer Charaktere resultierend, oftmals verschlungen wird.

Das Problem selbst definiert sich in den zahlreichen Figuren, deren Motoren alle mit unterschiedlichen Kraftstoffen angetrieben werden. So kreuzen und verflechten sich die Beweggründe eines Jeden zu einem im Ganzen konfus wirkenden Plot, bei dem jeder im Schatten des anderen steht. Die vielleicht durchaus interessanten Geschichten der verschiedenen Persönlichkeiten bleiben so unscheinbar und können sich nicht wirklich blühend entfalten. "Irgendwann in Mexico" ist daher Opfer seiner eigens gestrickten Komplikationen, die in einem Actionfilm von Anfang an ruhig etwas heruntergeschraubt werden können - außer der auf dem Regiestuhl Platz Nehmende heißt zufällig Quentin Tarantino. Aber Rodriguez ist kein Tarantino und dies macht sich im Vergleich zu "Desperado" auch im Bereich des Humors bemerkbar.

Da fehlt deutlich die Tarantino'sche Würze und Spritzigkeit der Dialoge des Vorgängers, für die wir den "Pulp Fiction" - Regisseur so lieben. Wenn beide zusammenarbeiten, kann das Endprodukt beinahe zwingend nur ein Kultfilm werden, doch hier war Rodriguez wieder auf sich alleine gestellt. Dementsprechend typisch ist hier seine Art von schwarzem Humor, die überwiegend durch die bildliche Darstellung und durch Situationskomik, als durch Wortwitz charakterisiert ist. So werden Handlanger des Kartells nach Bearbeitung des Mariachis noch von einem Laster überrollt oder für eine alte Frau wird in der Kirche mitten im Schusswechsel eine kleine Pause eingelegt, damit sie das Gotteshaus noch in Ruhe passieren kann - alles sehr eigenwillig, aber trotzdem durchaus auflockernd und erheiternd.

Einen äußerst skurrilen Eindruck macht ebenfalls die Figur des CIA-Agenten Sands, dessen Schicksal dem Ganzen später noch die Krone aufsetzt. Johnny Depp fühlt sich in dieser Rolle dann doch noch für den einen oder anderen coolen Spruch berufen und ist so ziemlich der einzige, der es schafft, sich vielleicht noch neben dem Mariachi durch seine teilweise makaberen Eigenheiten herauszukristallisieren. So erschießt er jedes Mal nach dem Speisen seines Lieblingsessens den Koch oder rennt ständig mit dem Handy telefonierend durch die staubigen Straßen der Stadt. Etwas weniger auffällig verhält sich dieses Mal, wie erwähnt, Antonio Banderas, der in Schusswechseln allerdings immer noch routiniert die Gegner zur Hölle schickt. Schauspielerisch erfüllt Banderas mit dem gebrochenen Mann seine Aufgaben an das Drehbuch, weshalb eventuelle Kritik an einer zu trägen Darstellung des Gitarrenspielers hier unbegründet bleibt. Wirklich schade ist es jedoch um die nur kleine Nebenrolle Salma Hayeks, die in ihren wenigen Szenen einmal mehr beweist, dass bei ihren Auftritten stets akute Brandgefahr der Leinwand besteht. Eva Mendez besitzt zwar auch feurige Qualitäten, kann in ihrem kleinen Part allerdings auch nicht all zu viel bewirken, was eigentlich schon bezeichnend für beinahe alle anderen namhaften Akteure ist.

Atmosphärisch büßt "Irgendwann in Mexico" im direkten Vergleich zum Vorgänger ebenfalls ein wenig ein. Die lateinamerikanische Musikuntermalung ist selten hervorstechend, sondern bleibt stattdessen permanent sehr unscheinbar, peripher und unterschwellig. Rodriguez selbst versteht sein Handwerk allerdings nach wie vor, auch wenn er hier zugegebenermaßen bei weitem nicht aus seinem Maximum schöpft. Die Regie ist solide, die Optik grell und die Schnitte sind temporeich; Slowmotions sind weniger vertreten, dafür aber bewegungsfreudige Kamerafahrten, mitunter einige Zooms. Der Actionanteil ist wohl dosiert; das Gebotene selbst jedoch nicht in jedem Falle spektakulär. Blutige Einschusssequenzen sind relativ sparsam gesät, verhindern so aber inszenatorische Übertreibung. Neben den Shoot-Outs gibt es auch noch einige subtile Effekte wie das Knie-Weg-Schießen oder Bild ausschmückende Explosionen, sowie ein unterhaltsames Balkongehangel an einer Hauswand, wobei Salma Hayek und Antonio Banderas an den Händen zusammengekettet sind, zu bewundern.

Zu gering sind letztendlich aber die Freiheiten der Akteure, die sich in einer überflüssig komplizierten Geschichte zu Recht finden müssen, in der nur Johnny Depp eine überraschend positive Figur abgibt. Erwartet man etwas weniger "Desperado" und keinen Tarantino'schen Einfluss, so ist man mit Rodriguez' Werk hier allerdings noch ganz gut bedient, obwohl - und das muss ganz klar sagen - "Irgendwann in Mexico" die hochgesteckten Anforderungen nicht erfüllen kann. Mit einer Flasche Tequilabier in der Hand 6 Punkte.


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