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Exorzist 3, Der (1990)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 7 / 10)
eingetragen am 14.12.2001, seitdem 1687 Mal gelesen



Ja, holla, was ist das denn? Der allgemein als dröge eingeschätzte dritte Teil des Exorzisten entpuppt sich mehr als passabler Horrorfilm, der beweist, daß gut beim Original abgeschaut noch lange nicht geklaut heißen muß und Stilmix nicht immer mindere Qualität bedeutet.

Zum Zwecke der filmischen Umsetzung machte sich Autor William Peter Blatty gleich selbst ans Regie-Werk, da er beim Original-Exoristen gar fleißig war und zeigt uns, daß er sein Handwerk gelernt hat. Da mag man auch darüber hinwegsehen, daß er bisweilen Ideen für die Inszenierung bei William Friedkin klaut. Immerhin sind die schön weit weg von allen Billigkonventionen und üblichen Schocks, die man immer schon fünf Minuten vorher erahnen kannn.

Blatty setzt auf die Macht des Kameraauges, beleuchtet unkommentiert Orte, Gegenstände, Personen, läßt uns nachdenken, stilisiert die Umgebung, bastelt an unheimlichen Gemälden leerer Gänge, düsterer Räume, flackernder Lampen. Und, wie im Original, dreht er die Tonspur bis ins Unerträgliche auf. Bisweilen ist sekunden-, beinahe minutenlang kaum etwas zu hören, aber wenn dann etwas zu hören ist, dann klickt und knackt es, auf das man aus dem Sessel springen möchte. Dann wieder untermalt ein monströses Raunen oder Knurren die Szenerie, betont die Präsenz des Bösen.
Ein Hammer vor dem Herrn ist da als bestes Beispiel der Mord an einer Nachtschwester, die das Buch in bester Horror-Tradition durch eine Reihe winziger Schocks schickt, ehe die Kamera dann auf eine Position zurückweicht, auf der sie für mehr als eine Minute verharrt, während weit am Ende des Gangs das Krankenhausgeschehen bei Nacht seinen Lauf nimmt. Ohne Musik baut sich per Ungewißheit, was als nächstes passieren mag, eine Stimmung der Unruhe auf, ehe es zu einem wehendem Schock kommt, der schon für ein paar Hüpfer verantwortlich sein könnte.

Leider vertraut Blatty der Macht seiner Bilder nicht ausreichend, sondern sieht sich genötigt, das leicht verwirrende Geschehen vom Gemini-Killer noch einmal viel zu ausführlich zusammenfassen zu müssen, ein schier endloser Monolog in der geschlossenen Abteilung, brilliant gespielt, aber dramaturgisch zu dröge, da mitdenkende Zuschauer nur einen kleinen Anstoß gebraucht hätten.

Zwischendurch würzt Blatty das Geschehen immer wieder mit den gängigen Spritzern Horror, bemüht sich aber um einen abwechslungsreichen Look und vermeidet bekannte Bilder. Das führt auch zu einem weitestgehenden Aussparen von Gore und Blut, von dem mehr geredet als gezeigt wird, was aber gar nicht nötig ist, da der Film in dem Moment leider aus den Fugen geht, als doch in den Splattertopf gegriffen wird.

Die Konstruktion ist beachtlich und außerordentlich interessant, weil nicht sofort durchschaubar. Im Wesentlichen handelt es sich dabei aber mehr um eine übersinnliche Serienkillerjagd als um eine Fortentwicklung des Exorzisten, denn die Figur des Pater Karras gibt nur den Anstoß und der Dämon Pazuzu zieht hier auch nur im Hintergrund die Fäden.

Zwei Schwächen sind jedoch noch zu benennen. Einmal ist der FX-Angriff zum Showdown völlig überflüssig und will auch nicht richtig in den Kontext des Films passen. Hier wird eher dem Titel Tribut geleistet. Ein paar Gore-Effekte wirken geradezu deplaziert und der allgemeine Zustand aller Beteiligten (Dourif in einer Zwangsjacke, Scott zu alt und behäbig, der Pater überzogen) läßt es auch nicht in einem besseren Licht erscheinen. Zudem geht am Ende alles recht schnell und vorhersehbar.
Der zweite Schwachpunkt ist definitv der Hauptdarsteller George C.Scott. Ob Blatty unbedingt einen Star wollte oder Scott verzweifelt oder umnachtet, als er den Vertrag unterschrieb, bleibt wohl ein Geheimnis, auf jeden Fall steht die Fehlbesetzung.
Scotts Kinderman ist viel zu alt für die Rolle und die Familienverhältnisse, die ihm hier unterstellt werden, er paßt mehr zur Schwiegermutter als zu seiner Film-Frau rein von der Optik her. Ferner spielt er, als leide er an extremer Atemnot oder der Schlag würde ihn gleich treffen. Leidend im Ausdruck macht er so viele Pausen, daß man ständig auf etwas wartet, was dann doch nicht kommt.

Ansonsten ist der Cast überraschend gut. Die Szenen von Scott und Ed Flanders sind bei genauer Betrachtung zum Brüllen und er fehlt später nach seinem Tod der Handlung sehr.
Dourif ist in Hochform, während Jason Miller kaum etwas beisteuern darf. Der Rest ist schön gegen den Hollywood-Strich besetzt, vor allem Nancy Fish als streitbare Krankenschwester.

Bleibt also ein zwar nicht aufsehenerregender, aber dennoch geschickt und interessant inzenerierter Dämonensprößling, der vor allem durch seine Bildkomposition zu überzeugen weiß. Gewisse Schwächen sind dem Ganzen zwar nicht abzusprechen, aber das Ergebnis ragt deutlich aus der Massenware heraus. Kribblig! (7/10)


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