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Grauzone, Die (2001)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 7 / 10)
eingetragen am 15.09.2006, seitdem 687 Mal gelesen



So intensiv wie "Die Grauzone" zeigte bisher kein mir bekannter zweiter Film den grausigen KZ-Alltag, im konkreten Fall den des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau im Jahre 1944. Tim Blake Nelsons "Die Grauzone" berichtet n√ľchtern und auf historische Fakten gest√ľtzt von einem der gemeinhin weniger bekannten Kapitel des Holocaust. Er zeigt die t√§gliche Arbeit der j√ľdischen Sonderkommandos, die f√ľr einige Monate mit besonderen Privilegien ausgestattet f√ľr die industrielle Leichenverbrennung und √§hnliche Dinge verantwortlich waren - bevor sie selber "liquidiert" und durch ein neues Kommando ersetzt wurden.

Regisseur Tim Blake Nelson verzichtet in seinem bedr√ľckenden Report aus der H√∂lle auf Erden praktisch v√∂llig auf plakative Schauwerte. Die Atmosph√§re des Films ist gepr√§gt vom allgegenw√§rtigen Tod, vor dem es kein Entrinnen gibt. D√ľstere Kellergew√∂lbe, Leichenberge und das ohrenbet√§ubende Wummern der Verbrennungs√∂fen dominieren das Erscheinungsbild der "Grauzone". Unterbrochen wird das maschinelle T√∂ten einzig von Gespr√§chen zwischen einem j√ľdischen Assistenz-Arzt und einem Oberscharf√ľhrer (Harvey Keitel), dem Schmieden eines Ausbruchsplans sowie zumeist von Exikutionen gepr√§gten Hofszenen.

So mancher H√§ftling klammert sich dennoch an utopische Hoffnungen, versucht ein einzelnes Leben zu retten oder mit den Wachmannschaften ins Gesch√§ft zu kommen. Willk√ľrliche Hinrichtungen und Erniedrigungen setzen solchen Vorhaben jedoch stets ein schnelles Ende. Zwar gibt es letztlich einen Aufstand des portraitierten Sonderkommandos 12, doch endet auch dieser in einem Blutbad.
Der Zuschauer bekommt all dies hautnah zu sp√ľren und selbst die mit Leichen gef√ľllten Gaskammern werden hierbei nicht ausgespart. Dass der eigentliche Vernichtungsprozess nicht explizit gezeigt wird, ist dabei auch garnicht n√∂tig. Wesentlich intensiver geschieht die Darstellung des Grauens hier durch akustische Mittel, durch das schlichte, allm√§hliche Verstummen der panischen Schreie, w√§hrend man in die leeren Gesichter der Sonderkommandos und zumeist betrunkenen SS-Posten blickt.

Große Schauwerte hat "Die Grauzone" wie bereits bemerkt nicht zu bieten. Die schlichte Inszenierungsweise ist zweckmäßig, wirkt aber trotz eher geringem Budget zu keinem Zeitpunkt billig. Angemessen ist die Aussattung: Uniformen, Abzeichen und Waffen entsprechen weitesgehend den historischen Vorbildern. Die darstellerischen Leistungen - neben Harvey Keitel spielen u.a. Steve Buscemi und David Arquette - bewegen sich ebenfalls auf durchweg hohem Niveau, weswegen ich die "Grauzone" jedem historischen Interessierten dringend nahezlege.
Lediglich einen Fehler erlaubt sich Regisseur Tim Blake Nelson zumindest aus meiner Sicht: Den finalen Aufstand. Diese wenn auch historisch korrekte Actioneinlage hat der Film definitv nicht n√∂tig und zugleich st√∂rt sie durchaus die bis dahin aufgebaute Atmosph√§re des v√∂lligen Ausgeliefertseins. Zumindest stark verk√ľrzt h√§tte man diese Passage, und insbesondere deren Au√üenszenen, darstellen k√∂nnen. Der brutalen Gesamtwirkung h√§tte es wohl noch ein St√ľck mehr zugearbeitet.

Nichtsdestotrotz beschliesst Regisseur Nelson nach der Niederschlagung des Aufstandes durch die SS seinen eindrucksvollen Film mit einer letzten Demonstration der Grausamkeit und schliesst so nahtlos an die bisher gezeigte Barbarei an. Wo beispielsweise "Schindlers Liste" hier und da Zweifel an der Glaubhaftigkeit der Ereignisse aufkommen l√§sst, da √ľberzeugt "Die Grauzone" auf ganzer Linie. √úberzeichnete Charaktere und die Gef√ľhle des Zuschauers gezielt in eine Richtung lenkende Stilmmittel geh√∂ren erfreulicherweise nicht zum Repertoire des Filmes.

Fazit: Harter Tobak, der in aller Ruhe konsumiert werden sollte.


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