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Schnappt Shorty (1995)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 7 / 10)
eingetragen am 01.05.2005, seitdem 1392 Mal gelesen



Nachdem John Travolta („Broken Arrow”, „Basic”) dank Quentin Tarantino als Kult-Auftragskiller Vincent Vegas seine Wiedergeburt feierte (die „Look Who's Talking“ waren erstens nicht wegen ihm so erfolgreich und ritten sich zweitens zu Tode), ging es mit seiner Karriere wieder aufw√§rts. In Folge griff er zwar mitunter auch zur falschen Rolle („Phenomenon“, „Michael“), profilierte sich dann aber wieder unter John Woo, der ihm jeweils freie Hand lie√ü.
„Get Shorty“ war Film Numero Uno nach „Pulp Fiction” und wurde von Travolta zun√§chst misstrauisch be√§ugt. Schlie√ülich galt es den frisch erspielten Kredit nicht gleich wieder zu verspielen und die erste Wahl war er f√ľr die Rolle des Chili Palmers auch nicht. Tarantino selbst √ľberzeugte ihn, die Rolle anzunehmen.
Dass war insofern verst√§ndlich, weil Elmore Leonards Romanvorlage eine √§hnliche gestaltete Welt wie die von Tarantino war, vielleicht auch so etwas wie eine Inspiration zu „Pulp Fiction“ f√ľr den Gro√ümeister. Vollgestopft mit skurrilen Charakteren, Wortwitz, unm√∂glichen Handlungselementen, viel Humor und Plots, die auf den ersten Blick gar nichts miteinander zu tun haben, sp√§ter verwoben und final aufgel√∂st werden. Nicht von ungef√§hr setzte Tarantino zwei Jahre sp√§ter Leonards „Rum Punch“ als „Jackie Brown“ um.

„Get Shorty“ erreicht zwar nie das Niveau der Tarantino-Geniestreiche, kann √ľber seine gut 100 Minuten aber durchgehend am√ľsante Unterhaltung garantieren. Verantwortlich daf√ľr ist ausgerechnet der von mir nicht sonderlich gesch√§tzte Barry Sonnenfeld, der sp√§ter mit Will Smith dreimal („Men in Black“, „Men in Black II“, „Wild Wild West“) mit ganz unterschiedlichem Erfolg die Kinos unsicher machte, verantwortlich.

Viel falsch machen konnte er hier allerdings auch nicht. Sein Film wurde zwar von der Presse seinerzeit wenig euphorisch aufgenommen, seinen √ľberraschenden Siegeszug an den Kinokassen trat er aber trotzdem an und das hat er seinen spielfreudigen Darstellern und dem tollen Skript, das Unmengen an Seitenhieben auf Hollywoods Showbusiness vom Stapel l√§sst, zu verdanken.

Chili Palmer arbeitet als Kredithai und Geldeintreiber f√ľr die Mafia und landet, als er einen tief in der Kreide stehenden „Klienten“ hinterher jagt, √ľber Las Vegas in Los Angeles, wo er als gro√üer Filmfan beschlie√üt in die Filmwirtschaft einzusteigen – als Produzent wohlgemerkt, weil die laut seiner Aussage sowieso nicht viel k√∂nnen m√ľssen. Aus der Zusammenarbeit mit Schundfilmemacher Harry Zimm (Gene Hackman, „Unforgiven“, „Heist“) wachsen sogleich die ersten Probleme, denn der zielstrebige Chili st√∂√üt mit seiner unkomplizierten, direkten Art beim komplizierten und auf L√ľgen und Intrigen aufbauenden Tagesgesch√§ft der Traumfabrik auf Unverst√§ndnis.

W√§hrend also seine eigentlichen Auftraggeber, die Mafia, langsam ungeduldig wird, beginnt Chili „seinen“ Film auf die Beine zu stellen. Dabei muss er sich nicht nur mit Drogendealern (klasse: Delroy Lindo, „Heist“, „The One“), die ihr Geld durch B-Produktionen waschen, sondern auch mit deren Handlangern (James Gandolfini, „Terminal Velocity, „Fallen“) herumschlagen, sowie alle Hebel bet√§tigen, um das Zugpferd, den Star Martin Weir (Danny DeVito, „Twins“, „Batman Returns“), f√ľr den Stoff begeistern zu k√∂nnen.

Das Unterfangen bietet jede Menge Platz, um Klassiker zu zitieren, √ľber Kollegen herzuziehen, auf Starall√ľren herumzuhacken und sich Hollywoods Eitelkeiten lustig zu machen. „Get Shorty“ bleibt dabei zahm, am√ľsiert aber, weil eben die gesamte Starriege sich nicht daf√ľr zu schade ist, eifrig Selbstparodie zu betreiben. Vor allem Rene Russo („Lethal Weapon 3“, „Outbreak“) ist als B-Horror-Schlampe mit viel zu hoch gesteckten Zielen einfach k√∂stlich. Klartext redet hier jedoch stets nur einer und das ist Chili, der angesichts solcher opportunistischer L√ľgenbolde, wie der tief verschuldete Zimm, fast verzweifelt und nur mit M√ľhe seine coole Fassade aufrecht erh√§lt.

Auch wenn einige Handlungspassagen, wie die um den Geldboten Yayo, etwas ungelenk in der Handlung untergebracht wurden, funktioniert „Get Shorty“ soweit tadellos. John Travolta, betont cool und nur selten chargierend, rei√üt nicht jede Szene mit seiner Pr√§senz an sich, sondern schaltet mit seiner Rolle einen Gang zur√ľck und lernt die Regeln Hollywoods kennen, um bald alle nach seiner Pfeife tanzen zu lassen – woraus dann wieder einige √úberraschungen resultieren.

Bleibt anzumerken, dass Sonnenfelds Kom√∂die eine runde Sache ist. Kein Meisterwerk, dem man die j√ľngst gefloppte Fortsetzung „Be Cool“ zehn Jahre sp√§ter abn√∂tigen musste, wohl aber spa√üige Kost, der das gewisse Etwas zur Genreoberliga fehlt. Trotz Spielfreude, Situationskomik, Wortwitz und der ewigen Hollywood-Parodien (Danny DeVitos Auftritte genie√üt man jedes Mal f√∂rmlich) fehlt dem Film eine Portion Kreativit√§t, wie sie hier eben beispielsweise Quentin Tarantino mit eingebracht h√§tte.


Fazit:
Viel falsch machen kann man beim erfrischend leichtf√ľ√üigen und leicht schr√§gen „Get Shorty“ dennoch nicht. Trotz fehlender H√∂hepunkte und Mangel an Zwerchfellkillern bleibt der Filmspa√ü hier f√ľr 100 Minuten garantiert. Daf√ľr sorgen die skurrilen Charaktere, das in Los Angeles so v√∂llig untypische Verhalten Chili Palmers und eine ordentliche Portion Hollywood-Satire. So gern nehmen sich die hochbezahlten Stars nur selten selbst auf die Schippe.


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