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Postman (1997)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 8 / 10)
eingetragen am 08.06.2005, seitdem 603 Mal gelesen



Story:
Kevin Costern war mal wieder in Endzeitstimmung und lässt die Welt untergehen. Schön so, denn ich mag es, wenn die Welt in Asche versinkt, untergeht, überflutet wird, durch Meteoriten oder Vulkane vernichtet oder welche weiteren Katastrophenarten es doch noch geben mag, zur Hölle fährt. Das sorgt meist für einen spannenden Abend oder Sonntag Nachmittag.

Was gibts zu sehen? Nach einem recht mysteriösen Bürgerkrieg in Amerika, über den man leider nur bruchstückhaft etwas erfährt, liegt die zivilisierte Welt in Schutt und Asche und ist auf das technologische Niveau des 18./19. Jahrhunderts zurückgefallen - modernere Einsprengsel mit inbegriffen. Wir befinden uns in Nordamerika, wo General Bethlehem (sehr gut: Will Patton) mit eiserner Faust und einer Kavallerietruppe über das Land herrscht. Marodierend zieht er durch die Gegend, nimmt sich was er möchte und beweist, dass der Starke den Schwachen nach Belieben terroriesieren darf.

Costner ist ein namenloser Anti-Held, dessen Namen man nicht erfährt und der allein mit seinem Esel durchs Land zieht, ab und zu Shakespeare-Stückchen aufführt und sich damit sein Brot verdient. Dumm nur, dass er just in dem Moment eine Aufführung beendet, als Bethlehem in das besagte Städtchen einmarschiert und rekruiert - ihn gleich mit. Zwangshalber wird er zum Soldaten in Bethlehems Armee, schlägt sich durch und flieht, als er die Gelegenheit hat.

Im Sturm flüchtet er in ein altes Postauto, klaut dem Skelett die Postuniforum und liest und verbrennt fürs Heizen alte Briefe. Mit den restlichen zieht er weiter und verschafft sich als erfundener "Postbote der wiederhergestellten Vereinigten Staaten" Zugang in das erste Städtchen. Keine dumme Idee, wenn nicht die Leute vor lauter Sehnsucht nach Frieden und Ordnung sofort darauf anspringen würden und nach mehr verlangen. Tja, also stiehlt er sich weiter davon, zieht von Stadt zu Stadt und hat immer Bethlehem auf den Fersen, welchem die "Wiederhergestellten Vereinigten Staaten" so gar nicht schmecken.
Mit der Situation kann unser Anti-Held nun gar nicht umgehen, wird aber in einem Kampf mit Bethlehem verwundet und von Abby (Olivia Williams) den Winter über in einer abgelegenen Hütte (Love! is all around!) gepflegt und versorgt. Nachdem sie wieder den Weg in Zivilisation gefunden haben, hat "Postmans" glühendster Verehrer sehr zu dessen (und Bethlehems) Ärger einen Postdienst aufgebaut und belebt die Idee der Wiederhergestellten Vereinigten Staaten mit weiterer Energie. Widerwillig spielt Postman mit, der Privatkrieg zwischen den Postboten und Bethlehem wogt eine Weile im Land hin und her, bis Bethlehem anfängt, massiv unbeteiligte Stadtbewohner zu töten. Postman entschließt sich, aufzugeben und löst den Postdienst auf. Bethlehem gibt sich zuerst zufrieden, erfährt dann aber, dass es bereits einen weiteren Postdienst der "Wiederhergestellten Republik Californien" gibt. Entschlossen, das Übel zu beseitigen, verfolgt er den Postman und dessen letzte Getreuen.

Hier liegt dann auch der wirklich blöde Fehler im Film. Umgestimmt binnen drei Minuten durch ein kleines Mädchen und die Verfolgung durch Bethlehem, nimmt der Postman doch den Kampf auf, vereint lauter junge Leute zum Kampf gegen die Bösen, zieht zu Felde und besiegt den General im Zweikampf. Zack. Das ging zu schnell, sehr schade.

Darsteller:
Costner spielt wie üblich ein wenig steif und hölzern, kann den Anti-Helden aber gekonnt darstellen. Er nervt auf die Dauer mit seiner "Aber-doch-nicht-ich-und-warum-überhaupt"-Tour. Dennoch: akzeptabel. Sein Counterpart Patton als böser General ist dagegen viel besser: glaubwürdig, nicht völlig fies sondern überzeugt von seinem bösen Weg. Auch sein Stellvertreter Joe Santos als Colonel Getty (stumm, da ihm von Bethlehem die Zunge herausgeschnitten wurde) macht eine sehr gute Figur. Olivia Williams als Abby und Geliebte des "Postmans" spielt zurückhaltend, aber nicht schlecht. Man hätte sich ihre Rolle mehr ausgearbeitet gewünscht, sie hat aber ihre lichten Momente (Niederbrennen der Hütte um den faulen Postman aus seiner Lethargie aufzuschütteln).
Alle Figuren machen im wesentlichen interessante Wandlungen durch, wenngleich die des Postmans vom "Ich-will-nicht-Held-sein" zum "Ich-machs-doch-Typ" kurz vor Ende des Films zu schnell geht.

Musik:
Ohne die Musik wäre der Film nur halb soviel wert. Epische Scores wabern - bisweilen angereichert durch sehr passende Country-durchsetzte Songs - die Szenerien und bescheren eine passende Atmosphäre. Die Musik ist auch ohne Film hörbar und liegt in der gleichen Liga wie die von "Waterworld" oder "The Green Mile".

Kamera/Bilder:
Tolle Landschaftsaufnahmen und Szenen mit viel Drive (Belagerung einer Stadt, Endkampf) wechseln sich ab. Ruhe und Geschwindigkeit, Frieden und Krieg liegen nah beieinander und sorgen für Abwechslung. Toll gemacht.

Fazit:
Ein guter Film mit Storyproblemen. Da hätte man nochmal einen Autor drüberlesen lassen sollen. Musik und Aufnahmen machen die Storylücken wett, weswegen es doch noch eine 8 gibt.


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