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Ben-Hur (1959)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 9 / 10)
eingetragen am 06.01.2005, seitdem 1016 Mal gelesen



„Ben Hur“ ist von allen Hollywood-Monumentalepen das mit Abstand gewaltigste und spektakulärste. Bis 1997 war der Wyler-Film fast vierzig Jahre lang alleiniger Rekordhalter mit 11 Oscars, bis „Titanic gleichzog“, betrachtet man dabei den Aufwand, haben es beide Werke verdient.

Umrahmt wird „Ben Hur“ von der Jesusgeschichte und ist im Kern deshalb auch ein ganz klassischer Bibelfilm. Am Anfang hält die Kamera auf einen Stall in Bethlehem, wo die Jungfrau Maria Gottes Sohn gebärt, am Ende schließt sich mit der Kreuzigung Jesu der Kreis. Dazwischen wird die urtypischste aller Hollywoodgeschichten erzählt: Ein Jude wird von seinem einst besten Freund verraten, auf eine Galeere verfrachtet und kehrt eines Tages als gebrochener Mann nach Hause zurück. Auf Rache sinnend kämpft er sich von ganz unten wieder hoch und steht seinem jetzigen Erzfeind in einem alles entscheidenden, waghalsigen Wagenrennen im Circus Maximus gegenüber.

Die Geschichte vom Mann, der alles verliert und sich dank eines unbändigen Willen wieder hoch kämpft, fasziniert die Massen natürlich seit jeher und wenn es in einer solch epischen Form wie in „Ben Hur“ geschieht, ist das Ganze halt noch effektiver. Ein Budget von damals wahnsinnigen 16 Mio. Dollar ließ spektakuläre Massen- und Actionszenen zu, darüber hinaus bilden unglaubliche 365 Sprechrollen einen mehr als würdigen Rahmen. Erstaunlich, dass der Zahn der Zeit an der herausragendsten Sequenz, dem Wagenrennen, eigentlich kaum genagt hat. Die Kurvenfahrten im Circus Maximus wirken halsbrecherisch wie eh und je, die Szenerie ist schlicht überwältigend. Völlig zurecht schrieb dieser Abschnitt Filmgeschichte und schafft es immer noch, ganz ohne hektische Cuts wie z.B. „Gladiator“, in seinen Bann zu ziehen.

Natürlich lenken die aufwendigen Massenszenen auch ein wenig vom recht dürftigen narrativen Rahmen ab. „Ben Hur“ wurde sicherlich nicht aufgrund einer innovativen Story mit 11 Oscars belohnt, denn im Grunde besteht der einzige Clou darin, das Einzelschicksal eines Mannes mit der Bibelgeschichte zu verknüpfen. Dieser Kniff erleichtert es dem Drehbuch, persönliche Schicksalsschläge Judahs aus dem Weg zu räumen, beispielsweise werden seine leprakranke Mutter und Schwester durch Jesus Tod am Kreuz von ihrer unheilbaren Krankheit befreit. Ob man sich mit dieser Logik als Zuschauer zufrieden gibt, bleibt jedem selbst überlassen, sicher ist nur, dass „Ben Hur“ nicht wegen seiner ausgefeilten Handlung als einer der besten Monumentalfilme gilt.

Heston wurde durch diese Rolle endgültig zu einer Legende, was aber bei heutiger Betrachtung ziemlich zynisch wirkt. Ben Hur kämpft aus voller Überzeugung für sein unterjochtes Volk und legt dabei ausschließlich positive Charaktereigenschaften an den Tag. Bedenkt man, dass Heston später zum Vorsitzenden der Waffenlobby NRA und zu einem der prominentesten ultrakonservativen Patrioten in den USA wurde, trübt das schon den Blick auf die Figur Judah Ben Hur.

Abgesehen von diesem kleinen Ärgernis, für das aber zur Entstehungszeit keiner was konnte, und einer für heutige Verhältnisse sehr naiven Story, gehört „Ben Hur“ natürlich zum Pflichtprogramm für jeden selbsternannten Cineasten. In bester Breitwand-Manier lässt William Wyler ein monumentales Epos ablaufen, das in Sachen Aufwand alle damaligen Filme weit übertraf und die Massen immer noch begeistert. Überzeugte Atheisten stöhnen bei der ein oder anderen Szene möglicherweise laut auf, aber mindestens einmal sollte man die fast 215 Minuten hinter sich gebracht haben. Ganz großes Kino!


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