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Ben-Hur (1959)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 7 / 10)
eingetragen am 02.06.2006, seitdem 1076 Mal gelesen



Es kommt nicht häufig vor, dass ein Remake dem Vergleich mit dem Original standhalten kann. Ben Hur zählt zu diesen seltenen Highlights der Filmgeschichte.

Das liegt nicht unbedingt daran, dass das Original ein Stummfilm ist, da der Stummfilm ja schon Maßstäbe setzte und wirklich gut ist.

Was die vorliegende Verfilmung positiv abhebt, ist die differenziertere Herangehensweise an seine Charaktere, die Freundschaft zwischen Ben Hur und Messalla ist weitaus tiefer als im Stummfilm und der Verrat ist weitaus eher nachvollziehbar als im Stummfilm, wo einfach nur Arglist als Motiv unterstellt wird.
Auch die Charakterzeichnung, -findung und –entwicklung wird weitaus stärker betrachtet, woher wohl auch die monumentale Laufzeit herrühren dürfte. Denn eine einfache Rachegeschichte braucht prinzipiell nicht mehr als zwei Stunden Laufzeit.

Dennoch: Ben Hur bleibt seltsam eindimensional als Charakter, Messalla hat, obwohl weitaus weniger Leinwandpräsenz, mehr an nuanciertem Spiel zu liefern. Ob das am Spiel Charlton Hestons liegt oder ob es die Inszenierung von ihm verlangte, kann man hier nicht wirklich erörtern, da sein lebloses Spiel auch als ein Zeichen von Stolz und Würde gedeutet werden kann.

Die Inszenierung an sich unterscheidet sich grundsätzlich kaum von der der Stummfilmversion. Wyler fährt den melodramatischen Aspekt zwar erheblich herunter, aber spätestens nach dem sensationellen Wagenrennen, welches sogar heutzutage mit jedem Showdown eines jeden Films mithalten kann, fährt er dieselbe Tränenhervorrufende Melodramatik aus, die den Originalfilm – und wohl auch die Literaturvorlage – auszeichnet.

Fast vierzig Minuten lang nervt und penetriert Wyler das Publikum und strapaziert die Geduld des zahlenden Kinopublikums, obwohl Ben Hur sich ja schon gerächt hat.
Klar, er muß noch mit seiner Familie zusammengeführt werden, klar der Jesus-Aspekt muß noch vollendet werden, aber das alles zieht sich dermaßen in die Länge, mit einer dermaßen lächerlich monumental-aufpeitschenden Musik, dass einem fast schon der Schädel platzt, ob so viel Glaubensbekenntnis. Nichts gegen Glaubensbekenntnis, aber so richtig passen will es nicht in den Kontext, der eher wie ein Italowestern daherkommt: Rache für Verrat.

Zufälligerweise lebt Ben Hur nun mal zur gleichen Zeit wie Jesus und läuft diesem ein paar Mal über den Weg. Das war es ja eigentlich. Aber nein, Jesus muß noch gekreuzigt werden und alle Menschen heilen und erlösen. Kann man machen, aber doch nicht so in die Länge gezogen. Schließlich ist Jesus in dieser Verfilmung nur eine – wenn auch wichtige – Nebenfigur.

Bis zum fast schon ins lächerliche gezogenen Finale jedoch weiß der Film auf voller Linie zu überzeugen, spitzenmäßige Effekte, eine grandiose Inszenierung, viel Raum für Toleranz, Völkerverständigung und Freundschaft (Araber und Juden als Freunde) runden ein wunderschönes Bild ab.
Selbst als Ben Hur Messalla schließlich besiegt hat, gibt es einen halbwegs versöhnlichen Abschluß.

Darstellerisch bietet Ben Hur Mittelmaß, lediglich Stephen Boyd weiß zu überzeugen.

Dass der Film 11 Oscars gewonnen hat, ist nicht unbedingt ein Indiz dafür, dass er auch einer der besten Filme aller Zeiten sein soll (Titanic hat auch so viele Oscars, Citizen Kane nicht mal halb so viel), man sollte sich davon nicht beeindrucken lassen, es gibt schließlich auch schon bessere Monumentalfilme, aber Ben Hur ist wirklich gutes Kino, leider gegen Ende viel zu lang gezogen.
Alleine das Wagenrennen ist drei Stunden warten wert, aber das alleine reicht halt nicht für den Olymp.

7 Punkte


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