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Ben-Hur (1959)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 8 / 10)
eingetragen am 19.04.2009, seitdem 649 Mal gelesen



Judah Ben Hur, gespielt von Charlton Heston, ist ein angesehener jüdischer Fürst, der zur Zeit von Kaiser Augustus in Jerusalem lebt. Ein alter Freund von ihm, Messala, gespielt von Stephen Boyd, kehrt als Abgesandter Roms nach Jerusalem zurück, muss dort jedoch feststellen, dass Ben Hur sein Volk niemals verraten und sich nicht auf die Seite Roms stellen wird. Dass der römische Stadthalter durch einen dummen Zufall verletzt wird, nutzt Messala hinterhältig aus, um Ben Hur als Ruderer auf eine römische Galeere zu schicken und dessen Mutter und Schwester in die Kerker zu sperren, ahnt jedoch nicht, dass Ben Hur die Chance bekommen wird, sich an ihm zu rächen.

Der Aufwand, mit dem "Ben Hur" abgedreht wurde war enorm: 50.000 Komparsen wirkten mit, über 1 Millionen Requisiten wurden verwendet, erstmals wurden größere und längere Sequenzen mit der Bluescreen-Technik inszeniert, das Budget von über 16 Millionen Dollar ist inflationsbedingt nach wie vor eines der höchsten aller Zeiten. Mit 11 Oscars hält "Ben Hur" zudem neben "Titanic" und "Herr der Ringe: Die Rückkehr des Königs" den Rekord für die meisten Academy Awards und auch das Einspielergebnis war überaus respektabel. Ein kolossales Projekt also, das bis heute, 50 Jahre nach dem Dreh, seinen Reiz kaum eingebüßt hat.

Der Film erweckt nach wie vor den Eindruck monumentaler Größte. Die Kulissen, die Landschaften Israels, die Aufnahmen von Rom, die Galeeren, sowie die Arena, in der schließlich das beinahe legendäre finale Wagenrennen stattfindet, sind bildgewaltig und fesselnd mit langsamen Kamerafahrten inszeniert und wirken, wenn die Kamera besonders lang auf ihnen verweilt, beinahe wie alte Ölgemälde und machen den Film auch nach 50 Jahren noch zu einem visuellen Highlight. Die Requisiten und der Aufwand, mit dem die Komparsen eingesetzt werden und auch die finalen Action-Szenen, die auch heute noch einiges hergeben, inszeniert sind, tragen ihr Übriges dazu bei, dass der Film seine monumentale Gewalt förmlich verströmt. Selbiges gilt für den Score, der mit seinen ruhigen, aber doch gewaltigen Klängen kaum besser in den Film passen könnte. Die handwerkliche Arbeit von William Wyler, der zuvor bereits für "Mrs. Miniver" und "Die besten Jahre unseres Lebens" mit dem Oscar prämiert wurde und für "Ben Hur" seinen dritten in Empfang nehmen konnte, ist also makellos.

Ähnliches gilt auch für die Story. Der Film ist enorm heroisch, die Handlung entwickelt ebenfalls eine gewisse Größe und Gewalt und verstärkt dies unter Anderem durch den einen oder anderen martialischen Dialog, sowie das biblische Niveau, auf das der Film des Öfteren gezogen wird. Der Plot als solcher ist zwar stellenweise kalkulierbar, ist mit der ordentlich gelungenen Charakterkonstruktion und dem gradlinigen, spannenden und dramatischen Aufbau dennoch durchaus gelungen und kommt weit über das Niveau eines normalen Rache-Dramas hinaus. Der Fokus, das Mitgefühl des Zuschauers werden dabei eindeutig auf die Hauptfigur gerichtet und so unterhält der Film auch heute noch bestens. Die religiösen Aspekte, die immer wieder eingebracht werden, erhöhen zwar die biblisch-monumentale Gewalt, die der Film erzeugt und ergänzen die Charakterkonstruktion des überaus gläubigen Ben Hur um eine wichtige Facette, werden jedoch nicht ernsthaft behandelt und kaum reflektiert, die finale Wunderheilung, die genauso gut aus einer Bibel-Verfilmung stammen könnte ist sogar schlicht und einfach kitschig, auch wenn es sich hierbei eher um einen marginalen Fehler handelt.

Wyler erzählt die Geschichte sehr langsam, was aber kaum stört, da der Film dennoch Spannung und Dramatik erzeugt. Wyler lässt die grandiosen Bilder wirken, gesteht seinen Darstellern viel Raum im Film ein. Die extreme Laufzeit ist dabei ein weiteres Markenzeichen, das dieses Monumental-Epos auszeichnet. Längen entstehen kaum, da Wyler zu keinem Zeitpunkt inhaltlich auf der Stelle tritt und den Plot langsam, aber bestimmt und souverän vorantreibt. Lediglich das Ende, das sich nach dem eigentlichen Showdown, dem Wagenrennen, zu sehr in die Länge zieht und den Monumentalfilm zu sehr in Richtung Bibel-Verfilmung abdriften lässt, hinterlässt einen faden Nachgeschmack, da die Spannung hier leider weicht.

Charlton Heston, der auch später oftmals in heroischen Rollen zu sehen war, spielt die Hauptrolle souverän, bringt Gefühlsregungen authentisch genug auf die Leinwand, dass eine Identifikation möglich ist und hat sich den Oscar, den er für diese Rolle, die immer seine bekannteste bleiben sollte, gewann ,damit redlich verdient. Stephen Boyd ist als hinterhältiger Abgesandter Roms hervorragend besetzt und bringt souverän ein unsympathisches Feindbild auf die Leinwand und auch der restliche Cast bietet keinerlei darstellerische Schwächen auf.

Fazit:
"Ben Hur" ist mit seiner opulenten Ausstattung und seinen spannenden Action-Sequenzen ein bildgewaltiges Monumentalepos, das mit seinem mitreißenden Plot und den starken Darstellern nach wie vor hervorragende Unterhaltung bietet und damit zu den besten Vertretern seines Genres gehört, auch wenn sich in den, mit kolossalem Aufwand inszenierten Klassiker ein paar kleinere Längen, insbesondere am Ende, einschleichen.

82%


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