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Ben-Hur (1959)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 9 / 10)
eingetragen am 14.09.2015, seitdem 427 Mal gelesen



"Wer übersteht mehr als ein Jahr auf den Galeeren?"

Im Jahr 26 nach Christi Geburt sehen sich der römische Offizier Messala (Stephen Boyd) und der jüdische Fürst Judah Ben-Hur (Charlton Heston) nach Jahren wieder. Die einstigen Jugendfreunde geraten durch verschiedene politische Meinungen schnell aneinander. Judah, seine Mutter Miriam (Martha Scott) und seine Schwester Tirzah (Cathy O'Donnell) sehen dies zu Beginn nicht als Problem und beschenken Messala mit einem wertvollen Araber. Direkt im Anschluss fordert Messala jedoch die Auslieferung von Personen, die sich kritisch zu Rom's Vorherrschaft Judäa geäußert haben. Als sich Judah weigert, zerbricht die Freundschaft zwischen beiden.
Wenig später fällt während einer Willkommensparade ein lockerer Ziegelstein vom Hause der Hur's auf den neuen römischen Statthalters und verfehlt diesen nur knapp. Messala nutzt die Situation zu seinem Vorteil, verbannt Judah auf die Galeeren und lässt seine Mutter und Schwester ins Gefängnis werfen. Judah Racheschwur hält ihn während seiner Gefangenschaft auf den Galeeren am Leben.

Der Sandalen- bzw. Monumentalfilm hat in den 90er Jahren einen Wandel durchgemacht. Er ist nicht nur beinahe verschwunden, sondern wurde auch annähernd aller realen Kulissen beraubt und stattdessen mit digitalen ausgestattet. Der Vorwurf, dass die digitale Illusion der realen nicht standhält, war mehr oder weniger sein Todesurteil. Die heutigen wenigen Monumentalfilme sind auch tatsächlich nur noch seelenlose, audiovisuelle Bomben.
Dabei war das alles einmal anders. Da gab es zum Beispiel in den 1920er Jahren einen Stummfilm namens "Ben Hur", der wegen seines Aufwandes eine Rekordproduktion seiner Zeit war und das trotz lächerlicher Kostüme und übereifriger Darstellerleistungen. 1959 sollte die gleichnamige Neuverfilmung dies aber bei weitem toppen.

Das dreieinhalbstündige Werk ist wohl der Inbegriff des Monumentalfilms. Mit unzähligen Statisten, einem unglaublichen Budget, einer ungebrochenen Rekordanzahl an Kameras und einigen Topstars seiner Zeit ist "Ben Hur" ein geradezu unübertroffenes Werk der Filmgeschichte. Die Popularität ist bis heute ungebrochen, obwohl der Film leicht angestaubt ist.

Durch seine Überlänge deckt "Ben Hur" einen längeren Handlungsrahmen ab. In gestraffter Form ist kurz die Geburt und der Tod von Jesus Christus enthalten, ebenso wie weitere wichtige Personen um Christus aus der Bibel. Der Fokus liegt aber auf der titelgebenden fiktiven Person. Diese erlebt eine komplexe Entwicklung in den Jahren, die der Film behandelt.
Die Figuren sind nachvollziehbar, jedoch auch mit allerlei Klischees beladen. Die Gut- / Böse Einteilung ist eindeutig. Viel Spielraum gibt "Ben Hur" seinen Charakteren also nicht. Eine Sympathiefigur wird durch die enge Bindung zum Protagonisten aber schnell hergestellt.
Eine angenehme Sache ist auch die Darstellung von Christus. Dessen Gesicht bleibt nämlich stets im Verborgenen, wodurch eine Entmystifizierung nicht stattfindet.

Religiöse Aspekte stehen des Öfteren im Vordergrund. Der christliche Glaube und dessen Differenzen zum römischen Reich führen hin und wieder zu ein paar Längen. Besonders der überlange Epilog leidet ein wenig darunter. Die dramatischen Elemente sind aber ausschlaggebend für die Handlung und die Charaktere.

In seiner überwiegenden Laufzeit schreitet "Ben Hur" flott voran. Nicht nur von Ereignis zu Ereignis, sondern auch unterbrochen von einer epischen Seeschlacht und dem legendären Wagenrennen. Kameraführung und Stunts machen diese Szenen zu einem beeindruckenden, optischen Leckerbissen, obwohl sich im Hintergrund laufende Filme im Film oder Gemälde sichtbar von den vordergründigen Darstellern abheben.
Die Massenszenen sind ähnlich spektakulär. Was heutzutage mittels digitaler Hilfe nur noch am Rechner entsteht, waren damals hunderte und tausende Menschen. Und diesen Unterschied sieht man. Dazu gesellt sich ein orchestraler Soundtrack, der für eine großartige Atmosphäre sorgt.

Charlton Heston ("Die zehn Gebote", "Planet der Affen"-Reihe) ist das charmante Zugpferd des Films. Seine Rolle spielt er angemessen variantenreich. Hugh Griffith ("Meuterei auf der Bounty") sowie Stephen Boyd ("Die Bibel") stehen ihm dabei hintergründig zur Seite. Die Darstellerinnen hat es weniger gut getroffen. Entweder sind sie zu selten sichtbar oder neigen zu einer hysterischen Spielfreude.

Mit seinen epischen Massenszenen, einer dramatischen Geschichte, einer überwiegend temporeichen Erzählweise und natürlich dem wegweisenden Wagenrennen hat sich "Ben Hur" in die Filmgeschichte eingebrannt. Aus heutiger Sicht sind die erzwungenen Spielweisen und die behelfsmäßigen Effekte veraltet und angestaubt. Seinen Charme büßt der Monumentalfilm dadurch aber kaum ein. Knappe ...

9 / 10


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