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Nackt und zerfleischt (1980)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 9 / 10)
eingetragen am 22.09.2005, seitdem 931 Mal gelesen



Was für ein Film... Über die Story noch große Worte zu verlieren, wäre wohl denkbar überflüssig, das haben andere zu Genüge getan. Also gleich zum Kern des Ganzen:
In meinen Augen ist Cannibal Holocaust nicht nur als Vertreter des Kannibalen-Film-Genres ein echter Volltreffer, sondern auch unabhängig von den Genre-Strukturen zumindest bemerkenswert. Und ich muß sagen: Kaum ein anderer Film hat mich derartig hart getroffen, denn, das ist sicher, der Streifen zeigt einige der derbsten Szenen, die in den letzten Jahrzehnten auf die Leinwand gebannt wurden. Sicher fließt in anderen Produktionen mehr Blut; es gibt Filme, da ist die Gewalt noch magenumdrehender und realistischer ("Funny Games", z.B.); aber nur sehr wenige Filme verstehen es, den Zuschauer in derartige emotionale Wiedersprüche zu verwickeln, was die Konsumierbarkeit und den Umgang mit Gewalt betrifft. Daß die Grundaussage des Filmes - Medien, die sich "ihre" Gewalt selbst erschaffen - keineswegs aus der Luft gegriffen ist, zeigen nicht nur Filme wie "Natural Born Killers" - gerade in Bezug auf die Kriegsberichterstattung ist die öffentliche Diskussion in den letzten Jahren in eine ähnliche (wenn auch ungleich beklemmendere, weil real fundierte) Richtung gegangen (Susan Sontag's "Das Leiden anderer betrachten" etwa). Und ich erinnere mich noch recht gut an einen Bericht über die typische Vorgehensweise von Tierfilmern, z.B. aus dem amerikanischen Hause mit der Maus, die, um "sehenswertes" Material zu bekommen, auf durchaus brutale Art und Weise in das "normale" Verhalten von Tieren eingriffen. Da sind die Tier-Snuff-Szenen, so pervers sie auch sind, zumindest ein ehrlicher Schlag in die Fresse und kein pseudo-dokumentarisches Getue. (Um das ganz klar zu stellen: Ich halte das für eine extrem geschmacklose Art, Filme zu machen, und wäre ich nicht eh schon Vegetarier, wäre ich's nach Cannibal Holocaust garantiert geworden! Andererseits gibt es um einiges obszönere Werbefilme aus der Fleischindustrie, bei denen die Kühe sich noch regelrecht freuen, wenn sie in die Metzgerstube wandern!) Das soll Cannibal Holocaust keineswegs zum Art-House-Streifen mit intellektuellem Anspruch erheben, aber da der Film weder als reiner Splatterspaß, noch als "typischer" Kannibalen-Exploitater funktioniert, sollte man ihm nicht zu vorschnell den Stempel "drittklassiger Ekelschocker" aufdrücken. Deodato selbst erklärte in einem Interview in SPLATTING IMAGE, ihn hätte seinerzeit die tägliche, sensationsheischende Fernsehberichterstattung über die Terrorwelle in Italien, ausgehend von der Brigado Rosso, derartig frustriert und geschockt, daß er zu dieser sehr individuellen Antwort auf die reale Gewalt und den Umgang damit inspiriert habe. Nun kann man ihm sicherlich den gleichen Vorwurf machen wie Oliver Stone und seinen Natural Born Killers, und ganz geklärt werden wird die Frage "Aufrütteln" oder "Kommerz" wohl nie. (Obwohl Deodato bei diesem Streifen sicherlich eher draugezahlt hat!)
Genug!
Im gleichen Interview zitiert Deodato auch Sergio Leone. Der sagte zu Cannibal Holocaust: "Du wirst eine Menge Ärger bekommen mit diesem Film, aber er ist wundervoll."
Und - Tier-Snuff hin oder her - das stimmt. Ein harter, stellenweise widerlicher Film, aber gleichzeitig bemerkenswert gut gemacht, mit astreinem Soundtrack, und bei allen Wiedersprüchlichkeiten regt der Film sogar zum Nachdenken an. Und wann kann man das schon mal sagen von einem Film mit einem Titel wie "Nackt und zerfleischt"?


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