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Nackt und zerfleischt (1980)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 6 / 10)
eingetragen am 12.11.2005, seitdem 1058 Mal gelesen



Mahlzeit!

Kannibalismus ist umstritten, seine Existenz nachgewiesen nur ritueller Natur, oder als Mittel benutzt um Primitive so richtig primitiv ausschauen zu lassen, um deren Ausrottung zu rechtfertigen. Da w├Ąre es doch eine Sensation, echte Kannibalen vor die Linse zu kriegen. Und so machen sich vier Reporter auf die Suche nach Kannibalen im Amazonasgebiet und kehren nicht mehr zur├╝ck. Eine Folgeexpedition unter der Leitung eines angesehenen Anthropologen soll die Ereignisse aufkl├Ąren und die vier Journalisten ausfindig machen. Was der Anthropologe findet ist ein Kannibalenstamm, Leichen und die Aufnahmen der Reporter. Zur├╝ck in New York werden diese Aufnahmen ausgewertet...so weit so gut.

Ruggero Deodato legt mit Cannibal Holocaust sicherlich einen der besseren Kannibalenfilme vor. Besser, weil nicht nur peinlich, und weil mit einer interessanten Story versehen, die durchaus Spannung aufkommen l├Ąsst: Warum mussten die vier Reporter sterben? Warum nicht die Folgeexpedition? Welchen Fehler haben die Reporter begangen, dass sie im Kochtopf landen mussten (na ja nicht wirklich, denn die Eingeborenen sind nat├╝rlich sooo primitiv, dass sie die Wei├čen als Sushi, also roh verspeisen). War es ein ungl├╝cklicher Zufall wie der Tod des Captain Cook auf Hawaii? Die Auswertung des Filmmaterials demonstriert dann aber, wer die eigentlichen Primitiven waren, n├Ąmlich das sensationshungrige Filmteam. Um an Aufsehen erregende Aufnahmen zu gelangen dringen sie brutal in das Leben der Einheimischen ein, brandschatzen, vergewaltigen und t├Âten, nur um dann mit gespielt betroffener Miene die eigenen Gr├Ąueltaten als das Werk der Primitiven darzustellen. Klar, dass das sich r├Ącht.

Kaum zu glauben, Deodato serviert mit der Hauptspeise ein bisschen Zivilisationskritik als Beilage. Das ist zu begr├╝├čen, aber wer soll das ernst nehmen, wenn (S)exploitation, Gore und Tier-Snuff im Vordergrund des Films stehen. Soll hier etwa der nach Gewalt und Sex lechzende Konsument auf Korn genommen werden, w├Ąhrend zur selben Zeit seine Lust befriedigt wird? Der besagte Konsument darf sich immerhin erfreuen, vergewaltigte Indios, Schildkr├Âten von Innen, bei lebendigem Leib gek├Âpfte Affen und jede Menge zerhackte und aufgemampfte Menschen auf die Mattscheibe zu bekommen. Die Effekte sind zu einem gro├čen Teil sehr realistisch und hart, wenn nicht sowieso echt, wie bei den ekelhaften Tier-Snuff Szenen. Letztere wurden sowohl vom Regisseur als auch von Fans immer wieder damit legitimiert, dass die Tiere f├╝r die Indios ohnehin als Abendbrot herhalten mussten. Aber mal ehrlich, nur weil im Irak sowieso Menschen zerfetzt werden, ist es meiner Meinung noch lange kein Grund, sabbernd die Bilder von deren K├Ârperteilen anzusehen. Trotz allem ist der Film nicht v├Âllig unbrauchbar, da er erstens spannend und unterhaltsam ist, und zweitens durch die kritischen T├Âne etwas Wind aus den Segeln nimmt. Drittens ist der Film ganz nett aufgemacht, n├Ąmlich wie ein Dokumentarfilm gespickt mit Naturaufnahmen. Daf├╝r gibt es 6 von 10 Punkten.

Zu empfehlen f├╝r: Leute, die schon immer wissen wollten, wie eine Schildkr├Âte von Innen aussieht/ Hardcore-Dschungelcamp-Fans/ Hannibal Lecter.

Keineswegs zum empfehlen f├╝r: ├ťberlebende von Flugzeugabst├╝rzen in den Anden/ Ethnologen/ Potenzielle S├╝damerika-Urlauber/ alle, die vor dem Film noch nichts zum Essen hatten/ S├╝damerikaner, die jemanden im Bekanntenkreis haben, der schon mal gepf├Ąhlt wurde.

Guten Appetit!


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