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Nackt und zerfleischt (1980)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 1 / 10)
eingetragen am 01.06.2013, seitdem 700 Mal gelesen



Lange habe ich mich darauf gefreut über diesen Mist - und alle verwandten Kannibalenfilme - mal richtig meine Meinung kundzutun.

Der Plot

Ein Trio sensationsgeiler Dokumentarfilmer will die Barbarei der Kannibalen auf Zelluloid bannen, um den „Zivilisierten“ schockierende Bilder zu liefern, benehmen sich den Indigenen gegenüber geradezu terroristisch und enden letztendlich völlig zu Recht auf deren Speisekarte.

Mein Gedanke dazu

Wenn ich immer diese Begriffe lese wie „Gesellschaftskritik“, „Meisterwerk“ und all das, womit Leute versuchen, dieses widerliche Stück Müll auf dem Silbertablett zu servieren, frage ich mich, wieso ich so anders ticke.

"Meisterwerk"?!

Zu aller erst ist ein Film ein Kunstprodukt, eine Fiktion. Es wäre ein Meisterwerk, wenn Deodato die Tiere mit aufwendigsten FX scheingetötet hätte. Eine Fliege an der Wand kann ich zerdrücken - wenn ich das für einen Film tue ist das kein Meisterwerk sondern eine Banalität - reiße ich der Fliege sämtliche Gliedmaßen aus ist es erbärmlich und krank. Gleichtes gilt für diesen Schrott.

Billig produzierter Rotz

Einige Leute sind abgeturne‘d von den kritischen Stimmen und entgegnen dann, es werden täglich überall Tiere für Nahrung getötet - ein hinkender Vergleich, da man die Tiere nicht „so brutal wie möglich“ tötet um sie zu Nahrung zu machen, es gibt keine Entschuldigung für sowas, und es disqualifiziert einen Regisseur („Schöpfer von Kunst“) wenn er seine Fiktionen nicht fiktiv produzieren kann. Zitat „Er wollte uns mit der harten Realität konfrontieren“ - Soll man in einem Kriegsfilm 100 Leute erschießen nur weil der REgisseur es nicht drauf hat ? Und wenn kein Geld für FX vorhanden ist, soll man keinen Film drehen, DAS ist die harte Realität, ätsch.

Die anspruchsvolle Gesellschaftskritik...

Zum Punkt Gesellschaftskritik, den man auch andauernd hört, fände ich, es  wäre mal an der Zeit, das Ganze von einer anderen Perspektive zu sehen, denn wir sehen ja daß  genau die Sensationsgeilheit hinter diesem Film steckt, die er - nach Meinung vieler - anprangert. Fragen wir uns doch mal, obs überhaupt eine Kritik ist?
Meiner Meinung nach ist der Satz „I wonder who are the real cannibals" ganz zu Ende des ansonsten humorlosen Filmes als sarkastischer kleiner Schlußgag dieses eigentlich völlig profanen Werkes gedacht gewesen. Daraufhin fragte man Deodato wohl „Wollen Sie damit ein gesellschaftskritisches Statement abliefern?“ und dieser witterte die Gelegenheit den Ramsch auch noch mit Pseudo-Anspruch aufzubauschen, woran er während er ganz sicher nicht gedacht hatte. Ich finde, daß man das leicht erkennen kann, daran, daß der vermeintlich "gesellschaftskritische" Satz am Ende kommt anstatt daß die Thematik irgendwo im Film aufgegriffen und weitergesponnen worden wäre. Ein Film der sich als Gesellschaftskritik versteht fängt niemals  drei Sekunden  vor  Schluß damit an. Deodato wird einfach gefragt worden sein und es bejaht haben, weil's gut für die Publicity war  und ist. Dass das noch keinem jemals aufgefallen ist, also, daß diesen Gedanken noch nie jemand gebracht hat, finde ich bemerkenswert.

Thema: Kannibalen

Cannibal Holocaust stellt darüber hinaus ebenfalls keine Ausnahme dar in der dümmlichen Behauptung die alle anderen Kannibalenfilme ebenfalls transportieren, nämlich, daß die Eingeborenen ihr Fleisch sowohl roh essen als auch daß sie die Gedärme bevorzugen. Alles andere ist offenbar nicht spektakulär und abstoßend genug. Meines Wissens nach gibt es keinen einzigen "echten" Kannibalenfilm. Also einen der die Sitten wirklicher indigener Menschen darstellt, und das, obwohl deren Gebräuche und Aberglauben durchaus Vorlagen für spannende und auch okkulte mögliche Handlungsbögen liefern würden. Aber sämtliche Kannibalenfilme dieser Ära sind einfach nur strunzdumm. Und dieser hier ist nun das Meisterwerk? Schön.

Die Krone vom Schrott, Daumen hoch, Deo‘.
Und Gesellschaftskritik hin oder her, wer bildet sich seine Meinung anhand von Zerrbild- Schund wie diesem, das wäre so, wie sich via Asterix über Rom zu bilden.

Ergo

Ein Film den keiner braucht, und es ist entlarvend, daß sogenannte Jugendschützer uns vor jeder Millisekunde Kunstblut schützen wollen, lebendig auseinandergeschnittene Tiere aber in den geschnittenen Versionen vollständig drin lassen. (Die kath. Kirche behauptet ja auch, Tiere besäßen keine Seele - könnte damit in Zusammenhang stehen da von denen auch welche mit „drin" sitzen. Es bestätigt mir zumindest meine Meinung, daß der sog. Jugendschutz selbst nicht das Herz am rechten Fleck hat und daß man immernoch am Besten damit beraten ist, wenn man selbst entscheidet, was gut und was „böse“  bzw. verderbend ist.

Bewertung eines Meisterschrottwerks

Der Film wäre ne 4.5 denn er ist hoffnungslos langweilig,  aber da Herr Deodato aus oben genannten Gründen verschissen (sich selbst als Filmemacher disqualifiziert) hat  erhält er 1 Punkt. Ein Film ist ein Kunstprodukt, ist es keine Kunst, kann man das Kunstprodukt nicht bewerten - bleibt nur die 1 als mögliche Wertung obgleich null aussagekräftiger wäre. So einfach ist das, und wenn das jeder so sehen würde, würden sich Filmemacher zehnmal überlegen, was sie da verzapfen, aber solang man sie mit Lob überhäuft, der jedweden Murks entschuldigt, dann kann fröhlich weiter Schund gedreht werden.

Übrigens nehme ich gerne Feedback per Email entgegen, und danke an dieser Stelle für das bisherige.


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