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Nackt und zerfleischt (1980)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 9 / 10)
eingetragen am 17.10.2015, seitdem 365 Mal gelesen



Im dichten Amazonasdschungel verschwindet ein junges Dokumentarfilm-Team spurlos. Professor Monroe macht sich auf die Suche nach den Filmemachern, die in der Wildnis bisher unentdeckte, angebliche Kannibalenst√§mme aufsp√ľren und filmen wollten. Monroe entdeckt bei seiner Expedition bei einem wilden Eingeborenenstamm tats√§chlich die Spuren des Teams und deren Filmmaterial. Schockiert muss er feststellen, dass von den jungen Leuten nur noch letzte sterbliche √úberreste zu finden sind. Als er zur√ľck in New York das eingesammelte Filmmaterial sichtet, offenbart sich ihm die grausame Wahrheit hinter dem Schicksal des Filmteams.


Der Kannibalenfilm hatte seine absolute Bl√ľtezeit in den 70er und 80er Jahre und brachte dabei unz√§hlige Vertreter zum Vorschein, die auch in der heutigen Zeit noch die Meinungen spalten. F√ľr die einen absoluter Kult, ist diese Art von Film f√ľr viele Leute auch lediglich eine sinnlose Darstellung extremer Perversit√§ten, die zudem auch noch in den meisten F√§llen rein inhaltlich √§u√üerst d√ľnn ausgestattet ist. Der vorliegende "Cannibal Holocaust von Ruggero Deodato stellt dabei eine der ganz wenigen Ausnahmen dar und wird nicht umsonst als bestes Werk seiner Art betrachtet. Nat√ľrlich gibt es auch hier jede Menge Gewalt und so manche Szene schl√§gt dem Zuschauer auch in der heutigen Zeit noch ordentlich auf den Magen, auf der anderen Seite beinhaltet die Geschichte aber auch eine ganze Menge Gesellschaftskritik, die von Deodato absolut gro√üartig ins Bild gesetzt wurde. So werden im Laufe der Zeit doch die eigentlich vorgesehenen Rollen vollkommen vertauscht, denn als das Filmmaterial der verschollenen Gruppe gesichtet wird stellt sich auf grausame Art und Weise heraus. das die ach so zivilisierten Mitglieder des Teams praktisch selbst ihr grausames Schicksal herauf beschworen haben.

Aus reiner Profit-und Sensationsgier wurden n√§mlich die primitiven Urwaldeinwohner so lange maltr√§tiert, gedem√ľtigt und get√∂tet, bis diese letztendlich aus reinem Selbstschutz Rache an ihren Peinigern genommen haben. Das gezeigte Material geht einem dabei auch heute noch unglaublich unter die Haut und ganz generell gesehen ist "Cannibal Holocaust" wohl ganz eindeutig das, was man nur allzu gern als harten Tobak bezeichnet. Womit wir auch schon wieder beim vorhandenen H√§rtegrad w√§ren und dieser ist wirklich nicht unbedingt f√ľr zart besaitete Menschen geeignet. Ob die vorhandenen Tiert√∂tungen dabei unbedingt notwendig waren lassen wir jetzt einmal dahin gestellt, doch der Aspekt das hier wie auch in anderen Genre Vertretern echte Tiere geschlachtet wurden, unterst√ľtzt noch zus√§tzlich die unglaublich realistische Note, die dieser Film definitiv beinhaltet. Tierliebhaber und Leute mit einem empfindlichen Magen sollten also besser erst gar nicht dieses Werk schauen, denn streckenweise wird man schon an die Grenzen des Ertr√§glichen heran gef√ľhrt. F√ľr die hohe Authentizit√§t des Szenarios sind mehrere Faktoren ausschlaggebend, wobei wohl am ehesten der Punkt ins Auge springt, das "Cannibal Holocaust" durch seinen Drehstil wie ein fr√ľher Vorl√§ufer des Found Footage Filmes erscheint.

Doch auch andere Aspekte heben dieses Werk von seinen Genre Kollegen ab, denn anders als in den meisten anderen Vertretern muss man an dieser Stelle auch einmal die agierenden Darsteller lobend erw√§hnen. Nun wird zwar nicht gerade oscarreifes Schauspiel geboten, doch die jeweiligen Akteure liefern durch die Bank absolut √ľberzeugende Performances ab, was man ja nun nicht von wirklich vielen Kannibalenfilmen behaupten kann. Hinzu kommt auch noch die herausragende Atmosph√§re der Geschichte, die insbesondere durch die perfekt eingefangenen Dschungelbilder und erstklassigen Kameraeinstellungen immer wieder in den Mittelpunkt r√ľckt. Deodato hat an dieser Stelle wirklich ganze Arbeit geleistet und so kann man dann auch locker √ľber kleinere Schw√§chen hinweg sehen, die sich haupts√§chlich im stellenweise naiven Verhalten diverser Protagonisten √§u√üert. Hier handelt es sich aber wirklich nur um Kleinigkeiten und diese reichen keinesfalls aus, um "Cannibal Holocaust" in der Gesamtbetrachtung herab zu stufen.

Auch wenn ich selbst kein ausgesprochen gro√üer Fan dieser Filmart bin, so geh√∂rt dieser Film doch ganz eindeutig in die Kategorie der brutalen Meisterwerke, auch wenn manch einer das vollkommen anders sehen wird. Aber die Kombination aus Found Footage Elementen, kompromissloser H√§rte, gutem Schauspiel und vor allem der enthaltenen Gesellschaftskritik ist absolut brillant gelungen und so hat sich dieses Werk seinen Kultstatus in gewissen Kreisen auch vollkommen verdient. Irgendwie verh√§lt es sich bei diesem Szenario ebenso wie bei einem blutigen Verkehrsunfall, denn obwohl man Ekel und Abscheu versp√ľrt, kann man sich der grausamen Faszination des Ganzen kaum entziehen und seinen Blick davon abwenden. Selbst nach nunmehr √ľber drei Jahrzehnten hat dieser Film rein gar nichts von seiner Brutalit√§t und seiner Intensiven Wirkung auf den Betrachter eingeb√ľ√üt, so das man selbst als nicht ausgewiesener Fan des Kannibalenfilms definitiv eine Sichtung in Erw√§gung ziehen sollte.


Fazit:


"Cannibal Holocaust" oder auch "Nackt und zerfleischt" ist auf seinem Gebiet wohl das absolute Non plus Ultra und erscheint auch heute immer noch genauso verstörend und schockierend wie zu Beginn der 80er Jahre. Der Film hat eine äußerst nachhaltige Wirkung und man braucht definitiv erst einmal eine geraume Zeit, um das Gesehene so richtig sacken zu lassen.


8,5/10


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