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Nackt und zerfleischt (1980)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 9 / 10)
eingetragen am 01.08.2004, seitdem 1459 Mal gelesen



Ein Filmteam kehrt nicht von seiner Expedition am Amazonas zurück, wo es eine Reportage über Kannibalen, die es dort im Dschungel noch geben soll, drehen wollte. Der Fernsehsender schickt ein zweites Team dorthin, um den Verbleib der vier Journalisten zu klären. Anthropologe Dr. Monroe und sein Team entdecken tatsächlich die Spur der verschollenen Expedition. Neben den verstümmelten Leichen finden sie auch deren Filmmaterial beim Yonomamostamm, den gefürchteten Kannibalen. Wieder zu Hause angelangt sichten sie das Material und entdecken die grauenhafte Wahrheit über die sensationslüsternen Reporter: das Filmteam schlug deutlich über die Stränge, um für eine spektakuläre Reportage zu sorgen. Ruggero Deodato schuf mit "Cannibal Holocaust" den wohl bekanntesten aber auch berüchtigsten Beitrag in der goldenen Ära der Kannibalenfilme. Die Story ist vielschichtig erzählt und strotzt, im Gegensatz zu vielen anderen Filmen der Zeit, nicht gerade mit Platitüden über Wilde, die nichts als gefährliche Menschenfresser sind. Statt dessen setzt er dem primitiven Leben mit dem harten Überlebenskampf in der Natur das Verhalten der Zivilisierten entgegen. Diese benehmen sich, fernab ihrer gewohnten Umwelt, unglaublich entfesselt und befinden sich jenseits jeder Moral im Umgang mit den Kannibalen, nur um eine gute Fernsehstory verkaufen zu können. Die überzogene Art, um jeden Preis weiter zu drehen, nimmt "Cannibal Holocaust" damit "Natural Born Killers" lange vorweg. Das Gewaltpotential ist erstaunlich, ebenso die direkte, schonungslose Art der Umsetzung von Deodato. Er lässt teils minutenlang die Kamera auf Vergewaltigungs- oder Schlachtszenen, einiges davon verstört den Zuschauer mehr, als man es einem Mainstreampublikum zumuten kann. Außerdem arbeitet er mit diversen Tricks, um dem "originalen" Filmmaterial einen authentischen Anstrich zu geben, ohne in alberne Mondogefilde abzugleiten. Man könnte fast sagen, all das, was bei "Blair Witch Project" mittelmäßig genutzt wurde, kommt hier schon vor. Die Verbote, die über dieses Meisterwerk verhängt wurden, wundern wenig, sind aber äußerst schade, da dieser Film weit mehr als nur ein paar Splattereinlagen in Kannibalenaufmachung bietet. Die blutigen Essszenen sind sogar für Gorehonuds nur Mittelmaß, da die technische Umsetzung meistens eher einfach ist. Trotzdem schafft es Deodato, einen dramatischen und packenden Film abzuliefern, der einen nicht kalt lässt, zuweilen passiert das ärgerlicherweise durch Tötungen echter Tiere (das führt zu einem Punktabzug). Das ist auch schon der einzige Wermutstropfen in einem sehr stimmigen Film, den man trotz ethnologischer Schwächen gesehen haben sollte. Ein weiteres Highlight ist der Soundtrack von Riz Ortolani, der ist schlicht genial und verleiht dem Ganzen die passend fiese Atmosphäre.

Fazit: Für Kannibalenfans Pflichtprogramm, allen anderen sei diese Perle zwar ebenfalls empfohlen, Vorraussetzung ist allerdings ein rustikaler Magen. (10-1=) 9/10 Punkten


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