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Bullitt (1968)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 7 / 10)
eingetragen am 12.08.2017, seitdem 80 Mal gelesen



Wenn es um Autojagden im amerikanischen Film geht, ist „Bullitt“ einer der größten, wenn nicht sogar der größte Klassiker. Kein Wunder, hatte er doch den als Autonarren bekannten Star Steve McQueen in der Titelrolle zu bieten.
Aufhänger der Ganzen ist ein Zeuge gegen das organisierte Verbrechen, Johnny Ross, der sich der Staatsanwaltschaft anvertraut hat, nachdem er die Mafia um einiges an Knete erleichterte. Mit dem Schlag gegen das organisierte Verbrechen, dass Johnnys Aussage verspricht, will der ölige Politiker Walter Chalmers (Robert Vaughn) sich in der Wählergunst gut stellen, weshalb er die besten Cops für die Bewachung des Zeugen will. Doch schon bevor schmierige Karrieristen endgültig zum Klischee im Polizeifilm geronnen war, ist dem Zuschauer schnell klar, dass Chalmers‘ Freundlichkeit der Polizei gegenüber vor allem eine Fassade ist.
Dem gegenüber steht dann der echte, der ehrliche, der wirklich hart arbeitende Profi: Detective Lieutenant Frank Bullitt (Steve McQueen), der zusammen mit seinen Partnern die Bewachung des Kronzeugen in einem Hotel übernehmen soll. Doch als Frank Pause hat, gelingt es zwei Killern sowohl Ross als auch Franks Partner (und Kumpel) Carl Stanton mit Schrotflinten beharken, wobei eine Fährte sowohl Frank als auch für den Zuschauer gelegt wird: Ross macht seinen Mördern die Tür auf, die zudem noch über Insiderinformationen zu verfügen scheinen.

Im Krankenhaus kann Frank zwar einen zweiten Mordanschlag auf den Zeugen verhindern, doch er verstirbt trotzdem an den Folgen seiner Verletzungen. Frank überredet den Arzt dies noch geheim zu halten und sucht nach den Mördern, während Chalmers zu seinem Kronzeugen will und natürlich Brass auf Frank schiebt…
Manchmal macht eine Szene den Unterschied zwischen einem (durchaus ganz spannenden) Starvehikel seiner Zeit und einem Klassiker aus. In diesem Falle ist es die immer wieder genannte Verfolgungsjagd zur Filmmitte, die damals revolutionär war: McQueen (größtenteils) selbst am Steuer, Filmen bei tatsächlichen Höchstgeschwindigkeiten (anstatt schnellerem Abspielen des Gefilmten), Topoi wie quietschende Reifen, um die Ecke schlingernde Autos und abfliegende Radkappen, Kameraeinstellungen, die man in späteren Genrefilmen wie „Ronin“ wiederfindet und großer Materialaufwand (man sieht, dass das Auto in einer Szene in die Kamera hineincrasht – im Making Of auf der DVD gibt es das Ganze aus der „Außenperspektive“ zu sehen). Das setzte Maßstäbe und ist auch heute noch sehenswert. Ansonsten ist „Bullitt“ weniger actionreich, nur eine Verfolgungsjagd per pedes als Showdown sorgt noch für ein paar Schauwerte, die aber nicht an die vorige Autojagd heranreichen.
Eingebettet ist das Ganze in einen Copkrimi, dessen Handlung ich jetzt nicht so extrem komplex oder kompliziert ist, auch wenn ein, zwei Sachen besser erklärt werden könnten (aber auch nicht ganz unverständlich sind). Noch dazu ist "Bullitt", selbst mit Blick auf die generelle Langsamkeit von Genrefilmen in den 1970ern und 1960ern, vielleicht etwas zu lang für das, was er als Plot bietet und gerade die Szenen aus Bullitts Privatleben bringen den Film kaum voran – dass Freundin Cathy (Jacqueline Bisset) am Arbeitseifer des Cophelden verzweifelt, war damals noch kein so abgelutschtes Klischee, trägt aber kaum etwas zu Charakterisierung bei, was man nicht aus dem Rest vom Film erkennen würde.

Für Überraschungen sorgt ein Twist im letzten Drittel, ab dessen Enthüllungen auch wieder an Tempo anziehen. Dabei bleiben die meisten Hintermänner eher nebulös, was durchaus eine Qualität ist, „Bullitt“ aber auch ein wenig an Antagonistenstärke nimmt. So scheinen die Tücken des Apparates, vor allem von dem falschen Karrieristen Chalmers verkörpert viel eher das Problem für Frank zu sein, der seinen Job dann am besten ungestört von seinen Vorgesetzten und in rechtlichen Grauzonen erledigt – ein weiteres Polizeifilmklischee, zu dessen Genese „Bullitt“ durchaus beitrug
Steve McQueen ist natürlich reichlich cool in der Titelrolle, selbst wenn er sich ärgerte nicht die komplette Verfolgungsjagd über am Steuer sitzen zu dürfen. Als knallharter Profi ist er in seinem Elemente und in seiner charakteristischen Starpersona, mit der den Film dominiert. Robert Vaughn als karrieregeiler Politiker kann aber als Gegenpol bestehen, während der Rest der Belegschaft neben McQueen untergeht: Jacqueline Bisset ist bloßes schmückendes Beiwerk ohne wirklich etwas zu tun, der Rest irgendwo zwischen Stichwortgeber und Standardfiguren einzuordnen, darunter unter anderem Robert Duvall in einer frühen Rolle.

Daher bringt „Bullitt“ vor allem Steve McQueen zu glänzen, ist aber als Copkrimi ein langsamer, in Sachen Handlung nicht gerade Maßstäbe setzender, aber solider Vertreter seiner Gattung. Aber Hand aufs Herz: Andere McQueen-Werke wie „Gesprengte Ketten“ oder „Die glorreichen Sieben“ sind als Filme an sich schon stärker, während bei „Bullitt“ eben die berühmte Verfolgungsjagd das Pendel Richtung Klassiker schwingen lässt.


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