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Appassionata (1974)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 9 / 10)
eingetragen am 20.07.2012, seitdem 521 Mal gelesen



Dr. Emilio Rutelli (Gabriele Ferzetti) ist erfolgreicher Zahnarzt in Rom. Er ist verheiratet mit der labilen Elisa (Valentina Cortese), die einst eine erfolgreiche Konzertpianistin war und die Karriere zugunsten ihres Mannes aufgab. Nun ist sie ihm nahezu hündisch ergeben, ängstlich, seine Liebe zu verlieren und hat gegenüber ihrer Tochter Eugenia (Ornella Muti) sehr wenig zu melden. Eugenia ist ein typisches Daddy Girl und ganz auf ihren Vater fixiert. Ebenso, aber aus anderen Gründen auf ihren Vater fixiert, ist ihre Schulfreundin Nicole (Eleonora Giorgi). Ihn verführt sie mehrfach, nur um ihn wieder zurückzuweisen – fast wie ein Experiment. Immer mehr verfällt ihr Rutelli, doch gleichzeitig versucht ihn seine Tochter zu verführen – ob aus Zuneigung oder um ihre Attraktivität zu testen, wird nicht klar…

Gianluigi Calderones Sexmelodram (ich weiß nicht, wie ich das sonst nennen soll!) „Appassionata“ von 1973 ist ein weiteres faszinierendes Beispiel eines erotisch aufgeladenen Melodrams (ähnlich wie VERFÜHRUNG EINER SIZILIANERIN oder DAS MÄDCHEN JULIUS, alle von Anfang der 70er), in dem moralische und soziale Grenzen neu definiert werden, ohne jedoch dabei die z. T. bestürzenden Konsequenzen dieser Neudefinition zu vergessen. APPASSIONATA ist dafür ein Paradebeispiel: Emilio Rutelli ist kein Verführer (mehr) – früher ja, aber nun ist er seiner labilen Frau schon lange treu (sei es aus Liebe, Resignation oder Mitleid).
Als Eugenias Schulfreundin Nicola ihn wie beiläufig in der Zahnarztpraxis an die Wäsche geht, so ist er erst völlig verwirrt und führt ihr Verhalten auf ungeahnte Nebenwirkungen eines neuen Betäubungsmittels zurück. Er kann sich also gar nicht vorstellen, dass eine so bildschöne, junge Frau sich für ihn interessiert. Als er sie erneut im Zahnarztstuhl hat und sie ihn wieder anfällt, so wispert er ihr ins Ohr, dass gar kein Betäubungsmittel in der Spritze war – sie ihn also offensichtlich bewusst verführen wolle. Nicole ist empört und schnauzt ihn an, dass er so gar nichts über sie wüsste. Als wenig später auch seine bildschöne Tochter Eugenia sich immer anhänglicher zeigt, so ist er verwirrt, verstört und entsetzt. Und doch wird Eugenia ihren Willen irgendwie bekommen – genauso wie Nicole. Auch wenn dabei die Familie komplett zu zerbrechen droht.
Interessant ist auch die Frage, ob die beiden Mädchen einfach nur „Spielerinnen“ sind oder bewusst boshaft. Fast hat man den Eindruck, es ist letzteres. V. a. die Abneigung von Eugenia gegenüber ihrer Mutter ist so schmerzhaft und bitter, dass man sie eigentlich nur als manipulativ sehen kann – sie will ihren Vater für sich und ihre Mutter soll ins Sanatorium.
Nicole hingegen ist schockiert von Eugenias Verhalten gegenüber ihrer Mutter (sie wuchs beim ständig abwesenden Vater auf) und sieht Eugenias hingegen Vater als schwach und manipulierbar, nicht die Mutter.
Immer wieder reizt sie Emilio, bis er alles aufgeben will. Er ist quasi neben der Mutter das schwächste Glied neben diesen beiden starken Frauen.
Was für ein Film! Unglaublich – so einen Film mit dieser Thematik konnte nur in den 70ern entstehen. Er hat mir sehr gut gefallen, wobei ich gar nicht weiß, wie komplett meine Fassung war (Rip einer US-VHS). Ein bitterer Abgesang auf eine im Kern schon deformierte Familie mit großartigen Schauspielern: Gabriele Ferzetti brilliert als hin -und hergerrissener Familienvater, Valentina Cortese ist klasse als in der Vergangenheit lebende, devote Ehefrau und überforderte Mutter und zu den zwei Schönheiten Ornella und Eleonora muss man eh nicht viel sagen. Sexy und böse und doch seltsam orientierungslos und verloren. Ein bizarres Meisterwerk, das verdammt noch mal veröffentlicht gehört.
Noch fürs Protokoll: ja, Eleonora und Ornella machen sie öfter frei (full frontal nudity galore) und die legendäre Szene mit dem Schäferhund ist ein schräger Traum, aber harmlos (zumindest in meiner Version des Films). Ich liebe solche Eurofilme aus den 70ern. Camera Obscura – hören Sie mich???
9/10


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