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Godzilla - Der Drache aus dem Dschungel (1966)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 7 / 10)
eingetragen am 09.03.2013, seitdem 314 Mal gelesen



Vorbemerkung:
Aus kommerziellen Gründen gab die deutsche Verleihfirma dem Film den Titel "Godzilla, der Drache aus dem Dschungel", kürzte ihn um rund acht Minuten und änderte auch die Namen der beiden Monster, was zu einiger Verwirrung bei den Zuschauern führen kann. So wurde Gamera kurzerhand in Barugon umgetauft, in der Originalfassung der Name von Gameras Antagonist. Aus dem Monster Barugon dagegen wurde Godzilla, um dem deutschen Titel des Films gerecht zu werden, mit dem man vom Erfolg der Godzilla-Filme profitieren wollte. Dieses Geschummel wurde bei der DVD-Neuauflage (Dragonwars) im Jahre 2003 insofern noch gesteigert, als für die Covergestaltung nur Fotos aus Godzilla-Filmen der 90er Jahre verwendet wurden. Im Begleittext wird dann aus Gamera plötzlich Camera (sic). Das Review bezieht sich auf diese Fassung. Ziemlich dreist ist auch die Video-Neuauflage von "Nightmare Cinema" unter dem Titel Gamera gegen Godzilla. Hier zeigt das gezeichnete Cover Gamera im Kampf mit einem Monster, das eine frappierende Ähnlichkeit mit dem Monster aus Roland Emerichs Godzilla-Neuverfilmung aufweist.
"Daikaiju ketto: Gamera tai Barugon" beginnt mit einem längeren Off-Kommentar, unterlegt mit Bildern aus dem ersten Gamera-Film "Daikaiju Gamera", der in Deutschland lange nicht zu sehen war und der noch in schwarz-weiß gedreht wurde:
"Vor ungefähr sechs Monaten war ein Überschallflugzeug, das eine scharfe Atombombe an Bord hatte im Eismeer abgestürzt. Die Bombe explodierte. Durch die ungeheure Hitzeentwicklung schmolz die gewaltige Eisdecke und befreite das Ungeheuer Barugon [= Gamera], das seit Tausenden von Jahren im Eis eingeschlossen war. Barugon greift Japan an. Er zerstört alles, was ihm im Wege steht, und die von Menschenhand geschaffenen Waffen sind machtlos gegen ihn. Die Operation "Z" ist die letzte Hoffnung für die Rettung der Menschheit. Barugon wird in einer gewaltigen Raumkapsel gefangen und mit einer Rakete zum Mars geschossen. Aber ein glühender Meteor kreuzt die Flugbahn der Raumkapsel und stößt mit ihr zusammen. Dabei wird die Kapsel zerstört und Barugon befreit. Die Menschheit ist erneut in Gefahr. Um seinen Körper mit Wärme und Energie aufzuladen, greift Barugon jetzt den Kurobe-Staudamm an, das größte Bauwerk dieser Art im ganzen Orient."
Diese Sequenz, in der Gamera den Staudamm zum bersten bringt, ist ein starker Einstieg in die Handlung und zugleich die beste Szene des ganzen Films, auch wenn sie sich tricktechnisch nicht mit ähnlichen Aufnahmen in Godzilla-Filmen messen kann. Nach diesem Paukenschlag taucht Gamera erst mal ab: "Barugon liebt nichts so sehr wie Wärme und Energie. Als irgendwo am Äquator plötzlich ein Vulkan ausbricht, fliegt Barugon sofort der ausströmenden, weißglühenden Lava entgegen", so der Off-Kommentar. Nun nimmt die eigentliche Geschichte ihren Lauf.
Ein großer Opal, der von einer Südseeinsel nach Japan gelangt, entpuppt sich als das Ei eines Dinosauriers. Nachdem es durch Zufall einer längeren Bestrahlung mit Infrarotlicht ausgesetzt war, schlüpft ein Dinosaurier aus dem Ei, der in Windeseile zu einem riesigen Monster heranwächst, das auf den Namen Barugon (DF=Godzilla) getauft wird. Nachdem Barugon weite Teile Japans zertrampelt, mit seinen Kältestrahlen ganze Regionen lahmgelegt und mit seinen Regenbogentodesstrahlen die Raketenabwehr der japanischen Armee vernichtet hat, bewegt er sich in Richtung Osaka. Da erscheint Gamera (DF=Barugon) auf der Bildfläche, und es kommt zu einem kurzen aber heftigen Kampf der beiden Ungeheuer. Dabei wird Gamera jedoch durch Barugons Kältestrahl eingefroren und lahmgelegt. Das Militär sucht unterdessen fieberhaft nach einem wirksamen Mittel, um Barugon zu vernichten. Man weiß inzwischen, dass er auf Wärme reagiert und durch Wasser gelähmt wird. Mit Hilfe eines "Rubintodesstrahlprojektors" wird Barugon an einen großen See gelockt, in dem man ihn versenken will. Doch der Plan misslingt. Inzwischen ist Gamera wieder aufgetaut und der Kampf der Giganten entbrennt erneut. Schließlich stürzen die beiden Monster in den See und versinken. Barugon kommt um und Gamera erhebt sich in die Luft und fliegt davon.

1965 brachten die Daiei-Filmstudios mit "Daikaiju Gamera" ein Konkurrenzprodukt zur erfolgreichen Godzilla-Serie der Toho-Studios auf den Markt der Monsterfilme. Regisseur Yuasa sagte später dazu: "At that time, following Toho's Godzilla, every film company tried to compete with it's special effects, but only our studio - Daiei - continued to make one film a year for seven years." Laut Yuasa galt der erste Film der Reihe mit seinem Budget von etwa ¥ 40.000.000 (rund $ 110.000) als B-Picture. Die ein Jahr später entstandene Fortsetzung "Daikaiju Ketto: Gamera tai Barugon", wurde als A-Film angesehen und kostete in etwa das Doppelte. In Deutschland wurde er allerdings von Anfang an als Godzilla-Film vermarktet. Bei der deutschen Verleihfirma traute man dem neuen Konzept scheinbar nicht so recht und verließ sich lieber auf den eingeführten Namen Godzilla, mit dem man bei den Besuchern der Jugendvorstellungen am Sonntagvormittag so erfolgreich war. Den jugendlichen Kinogängern war es damals aber sowieso egal, wie die Monster nun hießen, Hauptsache es krachte ordentlich. Dabei fiel es auch nicht weiter ins Gewicht, dass "Daikaiju Ketto: Gamera tai Barugon" tricktechnisch ein eher zweitklassiges Monster-vs-Monster Spektakel ist. Besonders negativ fällt bei kritischer Betrachtung natürlich das Monster Barugon auf, das plump und ungelenk durch die wenig überzeugenden Miniaturkulissen taumelt und allzu leicht als ein auf allen vieren kriechender Darsteller in einem Gummikostüm zu durchschauen ist. Die Zweikämpfe zwischen Barugon und Gamera sind zudem auch nicht besonders aufregend und ohne rechte Dynamik inszeniert. In Barugons Adern fließt im Übrigen blaues Blut, und zwischen seinen Zerstörungsorgien legt er auch schon mal gerne ein kleines Nickerchen ein. So ist letztlich das Monster Gamera das eigentlich interessante Element in diesem Film. Eine riesige, fliegende und düsengetriebene Schildkröte haben selbst Toho's Monstermacher nicht vorzuweisen. Zwar ist Gameras Animation nicht gerade ein Triumph der Tricktechnik, aber der Anblick der wie eine fliegende Untertasse daherkommenden Kröte ist einfach unschlagbar. Am Boden wirkt Gamera allerdings ebenso schwerfällig wie sein Gegner, und jedes Mal, wenn er seinen flammenden "Hitzestrahl" einsetzt, macht man sich unwillkürlich sorgen um das Gummikostüm. Insgesamt ist "Daikaiju Ketto: Gamera tai Barugon" ein eher mittelprächtiges aber amüsantes Monsterspektakel, das gelegentlich an die "Augsburger Puppenkiste" erinnert.
Die deutsche Tiefpreis-DVD unter dem Titel "Dragonwars" verfügt über eine annehmbare Bildqualität und enthält keine nennenswerten Extras. Sie ist in die folgenden acht Kapitel eingeteilt:
1. Unfall mit Folgen / 2. Das fremde Dorf / 3. Die Höhle / 4. Die Geburt / 5. Schutt und Asche! / 6. Gegenschlag / 7. Operation "Diamant" / 8. Kampf ums Überleben.

 MASAICHI NAGATA
(1906 - 1985) war verantwortlicher Produzent bei DAIEI und produzierte u.a. Filme von Kurosawa und Mizoguchi. Angespornt durch den Erfolg der Godzilla-Filme des Konkurrenzstudios TOHO entwickelte er in den 60er Jahre die Idee zu den Gamera-Filmen, für die er auch als Executive Producer zuständig war. Sein Sohn Hidemasa Nakata (*1925) betreute die Gamera-Serie offiziell als Produzent.

EIN UNHEIMLICHES ABENTEUER IN EINEM PHANTASTISCHEN FARBFILM! (Plakat)
NICHTS KANN IHREM WÜTEN WIDERSTEHEN (Aushangfoto)
UNBEKANNTE STRAHLEN VERNICHTEN ALLES (Aushangfoto)
UNVORSTELLBARE GEWALTEN SIND ENTFESSELT (Aushangfoto)
KAMPF DEN URWELT-GIGANTEN (Aushangfoto)
VERGEBLICH WIRD DAS MONSTRUM MIT MODERNEN SUPERWAFFEN ANGEGRIFFEN (Aushangfoto)


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